Zum Hauptinhalt springen

Bödeli-Mord: Haupttäter erhält keine Haftlockerungen

Der Haupttäter im Mordfall auf dem Bödeli ­kämpft vor Obergericht um Haftlockerungen. Er hatte 2001 mit Kollegen aus dem rechtsextremen Umfeld einen Mann ermordet und war zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt worden.

Die Ruine Weissenau in Unterseen: Hier wurde am 27. Januar 2001 ein junger Oberländer auf grausame Weise ermordet (Archivbild).
Die Ruine Weissenau in Unterseen: Hier wurde am 27. Januar 2001 ein junger Oberländer auf grausame Weise ermordet (Archivbild).
Jürg Spori

Es ist 17 Jahre her, dass der Mord an einem jungen Ober­länder die Schweiz erschütterte. Vier junge Männer vom «Orden der arischen Ritter» töteten in Unterseen ihren Kollegen, der das Schweigegelübde der Gruppierung gebrochen hatte. Das Obergericht des Kantons Bern verurteilte den Haupttäter im August 2005 zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe.

Nun musste sich das Obergericht erneut mit dem Mordfall ­beschäftigen: Der Haupttäter verlangte Vollzugslockerungen (Hafturlaube, offener Vollzug), die ihm zuerst die Bewährungs- und Vollzugsdienste und später die Polizei- und Militärdirektion (POM) verweigerten.

Und auch beim Obergericht ist er nun abgeblitzt. Dieses schreibt in seinem Urteil, dass aus heutiger Sicht ­davon auszugehen sei, dass der Mann «noch geraume Zeit im geschlossenen Vollzug verbringen müsse».

Der Anwalt des knapp 40-Jährigen kritisiert in erster Linie das Gutachten, auf das sich der Entscheid der Behörden abstütze. Dieses sei veraltet und nicht beweistauglich. Es handle sich um ein «reines Aktengutachten, das ohne persönliche Untersuchung» angefertigt worden sei.

Die Anhörung vor der Fachkommission sei eine Farce gewesen. Der Entscheid der POM basiere nicht auf einer objektiven Beurteilung des Falles, sondern auf einem «politisch motivierten Ausgangs- und Urlaubsstopp» von Polizeidirektor Käser.

Weiter weist der Anwalt auf das korrekte Verhalten seines Mandanten im Vollzug hin. Er verfüge heute über kein kriminelles Umfeld mehr und sei unpolitisch. Selbst wenn man eine Rückfall­gefahr nicht ausschliesse, seien begleitete Urlaube zu gewähren.

Er verweigert Therapie

Das Obergericht folgt den Argumenten der Vollzugsdienste und der POM. So gebe es objektive ­Anhaltspunkte dafür, dass die ­behauptete Distanzierung von rechtsextremen Ideologien ein reines Lippenbekenntnis sei. Die Aussagekraft des Aktengutachtens sei zwar beschränkt. Das hänge aber damit zusammen, dass er sich nicht persönlich untersuchen lasse.

Entscheidend für das Obergericht ist, dass der Verurteilte sich weigert, sich therapeutisch mit den Delikten auseinanderzusetzen. Nur mit einer aktiven Mitwirkung verfüge der Mann «längerfristig durchaus über eine Lockerungs- oder letztlich eine Freiheitsperspektive».

Zurzeit stehe aber sowohl die Rückfall- wie auch die Fluchtgefahr Vollzugslockerungen entgegen. Und seien das nur begleitete Ausgänge oder Urlaube, stellt das Gericht zusammenfassend fest.

Das Urteil des Obergerichts ist nicht rechtskräftig. Eine Beschwerde ist beim Bundesgericht hängig.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch