Grüne Fusion an der Spitze der Stadt

Bern

Blaise Kropf, Historiker und Grossrat des Grünen Bündnisses, übernimmt zusammen mit Ralf Treuthardt das Generalsekretariat der Präsidialdirektion von Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL).

Blaise Kropf wird zusammen mit Ralf Treuthardt neuer Co-Generalsekretär der Berner Präsidialdirektion.

Blaise Kropf wird zusammen mit Ralf Treuthardt neuer Co-Generalsekretär der Berner Präsidialdirektion.

(Bild: Andreas Blatter)

Jürg Steiner@Guegi

Manchmal können Karrieren im rot-grünen Geflecht der Stadt Bern schon fast ironische Verläufe nehmen. Wie im Fall von Blaise Kropf (44), einem der talentiertesten und strategieaffinsten grünen Berner Politiker seiner Generation. Wie die Stadtregierung gestern mitteilte, wird der frühere Gewerkschaftssekretär Kropf zusammen mit Ralf Treuthardt (49) ab Anfang September Co-Generalsekretär der Präsidialdirektion.

Das Wort Sekretär in der Amtsbezeichnung verschleiert, dass die beiden zu den einflussreichsten Managern des politischen Alltags von Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) werden. Das Duo Kropf/Treuthardt übernimmt einen der wichtigsten Verwaltungsjobs in der Stadt Bern.

Politischen Einfluss in der Stadt Bern suchte Kropf schon früher. Vor den städtischen Wahlen 2012 strebte er für das Grüne Bündnis in den Gemeinderat, doch die Partei zog ihm Franziska Teuscher, die heutige städtische Bildungsdirektorin, vor. Anfang 2016 wurde Kropf in Teuschers Direktion Chefbeamter als Leiter des Alters- und Versicherungsamts, das er nun für den Führungsjob bei von Graffenried verlässt.

Grüne Partner

In der zerklüfteten grünen Polittopografie der Stadt Bern sind Kropf und sein künftiger Chef von Graffenried sozusagen Klassenfeinde – von aussen gesehen: Kropf gehört dem gewerkschaftlich orientierten Grünen Bündnis (GB) an, von Graffenried der linksfreisinnigen Grünen Freien Liste (GFL).

Trotzdem verbindet Kropf und von Graffenried politisch und persönlich viel, denn auf kantonaler Ebene sind die Grünen fusioniert. Und als Kantonalpräsident der Grünen arbeitete Kropf jahrelang eng mit dem ehemaligen grünen Nationalrat von Graffenried zusammen.

Auf Anfrage bestätigt Kropf auch, dass er mit Alec von Graffenried einige Gespräche geführt habe, bevor sich dieser entschied, sich als Alternative zu Ursula Wyss (SP) in den Wahlkampf ums Stadtpräsidium zu stürzen. Als der zentrale Einfädler der Kandidatur von Graffenried, als der er gelegentlich beschrieben wird, sieht sich Kropf indessen nicht.

Auf städtischer Ebene hätte Politiker Kropf eine Bündelung der grünen Kräfte auch gerne ­gesehen. Die Realität blieb störrisch: Im zweiten Wahlgang um das Stadtpräsidium Anfang dieses Jahres unterstützte das Grüne Bündnis Ursula Wyss und nicht von Graffenried. Ironie der Geschichte: Wenigstens als städtischer Chefbeamter erlebt jetzt Blaise Kropf in von Graffenrieds Generalsekretariat eine kleine grüne Fusion.

Schluss mit Politik

Der aktive Politiker Kropf wird bald Geschichte sein: Zum Ende der Legislatur im Frühling 2018 gibt er sein Grossratsmandat auf. «Das ist das Ende meiner politischen Laufbahn», erklärt der leidenschaftliche Politiker Kropf, und ein leises Bedauern schwingt hörbar mit. Aber: «Es ist richtig, dass die nächste Generation den Raum erhält, sich politisch weiterzuentwickeln.»

Die Koleitung des General­sekretariats, die Kropf in vier ­Monaten antritt, sei nicht als Jobsharing zweier Teilzeiter zu verstehen, betont er. Aber auch der Stellenetat auf der Präsidialdirektion werde nicht erhöht.

Das Komodell sei so zu verstehen: Ralf Treuthardt, der bisherige Stellvertreter des heutigen Stelleninhabers Peter Tschanz, der im September pensioniert wird, und er würden hierarchisch bloss nicht nach einem klassischen Stellvertretermodell arbeiten, sondern als gleichgestellte Partner, genau, sagt Kropf, «wie es auch die Realität im Arbeitsalltag ist».

Berner Zeitung

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