Bio Schwand ohne Bioladen

Münsingen

Sigi Bürgi musste seinen Bioladen auf der Schwand schliessen. Nun übt er Kritik an Bio Schwand. Es fehle ein Konzept. Initiant Heinz Iseli setzt nun vor allem auf die Ausbildung.

Aus für den Bioladen:?Zu wenige Kunden fanden den Weg auf die Schwand. Zurück bleiben leere Regale.

Aus für den Bioladen:?Zu wenige Kunden fanden den Weg auf die Schwand. Zurück bleiben leere Regale.

(Bild: Andreas Blatter)

Johannes Reichen

Auf der Schwand bei Münsingen gibt es keinen Bioladen mehr. Im Dezember hat Inhaber Sigi Bürgi sein Geschäft «Agora natura» geschlossen. «So konnte der Laden nicht rentieren», sagt Bürgi. Mit dieser Lage und den Räumlichkeiten habe man nicht genügend Kundschaft anlocken können. Der Laden sei auch nicht in ein Konzept eingebettet worden.

Dabei gibt auf dem Areal inzwischen die Bio Schwand AG den Ton an – für einen Bioladen sollte die Schwand also ein gutes Pflaster sein. Aber Bürgi sagt es so: «Bio Schwand lebt mehr oder ­weniger von der Vermietung der Liegenschaften und nicht vom Biogedanken.» Was schade sei.

Ein absehbares Ende

Im Wöschhüsli, dem Bürogebäude von Bio Schwand, sitzt Heinz Iseli. Er ist der Initiant und Verwaltungsratspräsident der Bio Schwand AG und sieht die Geschichte anders. «Das Ende des Ladens war absehbar, Laufkundschaft gibt es hier nicht.» Bis vor anderthalb Jahren hatte Bio Schwand den Laden noch selbst geführt. Hätte Bürgi, damals noch Angestellter, ihn nicht übernommen, wäre der Shop schon damals geschlossen worden.

Iseli bedauert das Aus, es passt auch nicht ins Bild, das er von Bio Schwand zeichnet. Er wähnt sich auf gutem Weg, jenes «Kompetenzzentrum der grünen Branche» zu werden, das es gemäss früheren Plänen schon heute sein sollte. Dazu beitragen soll nun auch ein neuer Geschäftsführer (siehe Kasten).

Wichtige Einnahmen

Auf der Schwand war früher eine kantonale landwirtschaftliche Schule angesiedelt. Dann setzte der Kanton auf Iseli und verkaufte 2011 die Gebäude im Baurecht an die Bio Schwand AG, die bis dahin während Jahren unentgeltlich Gebäude benützen konnte. Zum Beispiel haben sich nun der Staatsforstbetrieb, das Jagdinspektorat oder die Abteilung Naturförderung bei Bio Schwand eingemietet.

Iseli macht keinen Hehl daraus, dass diese Einnahmen wichtig sind. Sie erlaubten es, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren: Auf der Schwand werden Seminare durchgeführt und Biolandwirte ausgebildet. Im Februar werde etwa ein zweiwöchiger Lehrgang zu biologischem Gemüseanbau stattfinden.

Versprechen nicht gehalten

Ursprünglich hatte Bio Schwand andere Pläne und setzte auf Werkstätten. «Hier sollen Besucher, Schulklassen und Bioschüler erfahren können, wie hochwertige Nahrungsmittel aus biologischem Anbau zu Käse, Wurst, Brot, Pasta, Tofu, Glace usw. verarbeitet und veredelt werden», hiess es vor vier Jahren zum Beispiel. Jetzt gibt es nicht einmal mehr einen Laden, wo man solche Produkte kaufen könnte.

Am Anfang habe er Versprechungen erhalten, sagt Ex-Ladenbetreiber Bürgi. Aber letztlich sei die Eingangsfassade nicht erneuert worden und auch kein attraktives Werbekonzept erstellt worden. Die Zusammenarbeit sei eher belastend denn unterstützend gewesen.

Dabei sieht er durchaus Potenzial: «Sicher liessen sich die Möglichkeiten optimaler nutzen, wenn ein Wille zur Zusammenarbeit vorhanden wäre.» Dafür müsste auch das Bio-Schwand-Konzept überdacht werden.

Immer neue Projekte

Heinz Iseli erwidert, dass auch die Zusammenarbeit mit Bürgi nicht immer einfach gewesen sei. Ansonsten lässt er sich nicht be­irren. Es gebe immer neue Projekte. Zwar laufe hier alles langsam – wie überall in der landwirtschaftlichen Branche. «Aber es läuft.»

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