Bio Schwand: Kauf verzögert, Verwirrung perfekt

Münsingen

Längst hätte die Bio Schwand AG dem Kanton zehn Gebäude abkaufen sollen. Doch bis heute hat das Biozentrum den Millionenbetrag nicht bezahlt – und steht ausgerechnet jetzt ohne Geschäftsführer da.

Münsinger Schwand: Der Deal zwischen Kanton und Bio Schwand ist noch nicht unter Dach und Fach.

Münsinger Schwand: Der Deal zwischen Kanton und Bio Schwand ist noch nicht unter Dach und Fach.

(Bild: Urs Baumann)

Johannes Reichen

Samuel Santschi ist nicht heikel. «Für uns spielt es eigentlich keine Rolle, wem wir unseren Mietzins überweisen», sagt der Geschäftsführer der Agro Treuhand in Münsingen. Bis jetzt zahlte das Unternehmen den Zins für seine Räumlichkeiten auf der Schwand auf ein Konto des Kantons Bern ein. Doch kürzlich bekam Santschi vom Amt für Grundstücke und Gebäude die Anweisung, die Miete neuerdings an die Bio Schwand AG zu überweisen.

Es ist tatsächlich so, dass statt des Kantons längst die Bio Schwand AG Besitzerin von zehn Gebäuden auf der Schwand sein und damit die Mietzinsen eintreiben sollte. Jedoch: Wie Santschi vom Biozentrum erfuhr, ist der Handel nicht unter Dach und Fach. «Jetzt wissen wir nicht, wem wir die Miete für Oktober und November bezahlen sollen», sagt Santschi auf Anfrage.

Es geht um mehr als nur um ein buchhalterisches Verwirrspiel. Es geht darum, ob die Bio Schwand AG nach jahrelangen Verhandlungen und Ankündigungen in der Lage ist, den Preis für die Gebäude zu bezahlen. Und danach gewinnbringend ein Biokompetenzzentrum mit dem Angebot von Ausbildung und Werkstätten betreiben kann.

Start hinausgezögert

Im Herbst 2011 wurde ein Baurechtsvertrag abgeschlossen: Das Unternehmen kauft dem Kanton zehn Gebäude ab, der Baurechtsvertrag läuft bis Ende 2058. «Jetzt können wir richtig loslegen», liess sich Geschäftsführer Dieter Baumann zitieren. Aber es legte niemand los. Es dauerte bis zum Sommer, ehe der Regierungsrat den Vertrag genehmigte und auch die nötige Zonenplanänderung vom Münsinger Parlament gutgeheissen wurde.

Laut Doris Haldner, Leiterin Portfoliomanagement im Amt für Grundstücke und Gebäude, gingen nun Nutzen und Schaden am 28.August 2012 an Bio Schwand über. Denn der Baurechtsvertrag sei abhängig von der rechtskräftigen Umzonung gewesen, die eben per 28.August erfolgt sei.

Neuer Termin: 1.Dezember

Noch ist die Zahlung aber nicht erfolgt. «Der Termin wurde erst 60 Tage nach Rechtskraft vereinbart», sagt Haldner, «weil noch eine Beschwerdefrist von einem Monat eingerechnet und die Schlussfinanzierung durch den Baurechtsnehmer organisiert werden muss.» Die 60 Tage sind vorbei. Laut Heinz Iseli, Verwaltungsratspräsident von Bio Schwand, wird das Geld nun aber erst per 1.Dezember überweisen. Die Sache verzögert sich weiter.

Iseli zeigt sich davon unbeeindruckt. Er hat eine Erklärung parat. Sie gründet auf dem Umstand, dass der Kanton nicht nur bisheriger Besitzer der Gebäude, sondern auch künftiger Mieter ist. Das kantonale Amt für Landwirtschaft und Natur bleibt mit einigen Abteilungen auf der Schwand ansässig. «Der Kanton hat diese Rückmietverträge erst jetzt unterzeichnet», sagt Iseli. Haldner bestätigt dies, der Mietvertrag wurde am Dienstag gegenseitig unterzeichnet.

Über den Kaufpreis schweigen sich beide Parteien aus. Gemäss dem Finanzierungsmodell von Bio Schwand dürfte er aber um die 10 Millionen Franken betragen. Das Eigenkapital macht 2,5 Millionen Franken aus, der Rest werde durch Hypotheken finanziert.

Der Bittbrief an Lieferanten

Die ständigen Verzögerungen sorgen im Umfeld des Unternehmens für Misstrauen (siehe Kasten). Es wurde noch genährt durch einen Brief, der dieser Zeitung vorliegt. «Wie Sie wissen», schrieb Geschäftsführer Baumann am 22.August, «erwirbt die Bio Schwand AG per Ende September 2012 die Liegenschaften auf der Schwand definitiv. Im Zuge dieses Erwerbs benötigen wir sämtliche flüssigen Mittel.»

Bio Schwand hoffe darum auf Verständnis, «wenn Ihre offenen Rechnungen erst Anfang Oktober beglichen werden». Laut Iseli ging der Brief an wichtige Lieferanten – die durchwegs Entgegenkommen signalisiert hätten.

Geschäftsführer ist weg

Baumann dagegen äussert sich nicht mehr zu Bio Schwand, er ist kürzlich «nach getaner Arbeit» als Geschäftsführer zurückgetreten. Ein Nachfolger wurde bis jetzt nicht bestimmt. Bio Schwand steht ohne Chef da.

Dieter Baumann sagt, er wolle sich wieder um sein eigenes Unternehmen kümmern. «Meine Mission bei Bio Schwand ist erfüllt.»

Berner Zeitung

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