Bern

Bilder eines besonderen Orts

BernIn einem Buch lässt der Fotograf Ulrich Gribi den Autofriedhof Gürbetal noch einmal aufleben. Und sorgt damit an der Vernissage für etwas Wehmut.

Vergangene Zeiten: Eines von 5000 Bildern, die Ulrich Gribi in den letzten drei Jahren vom Autofriedhof gemacht hat.

Vergangene Zeiten: Eines von 5000 Bildern, die Ulrich Gribi in den letzten drei Jahren vom Autofriedhof gemacht hat. Bild: zvg

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Peter Gasser schüttelt den Kopf. Es scheint fast, als könne er immer noch nicht fassen, dass der Autofriedhof in Kaufdorf Geschichte ist. «Es ist einfach jammerschade.» Am Donnerstagabend sitzt Gasser im Säli des Restaurants Bahnhof in Kaufdorf. Hier findet die Vernissage zum Buch «Silent Cars» statt.

Ulrich Gribi aus Büren an der Aare hat ein Fotobuch zum Autofriedhof zusammengestellt. Jetzt stellt er es vor. Gasser will dabei sein, er lebte einmal selbst beim Gelände, als Mieter im Haus von Inhaber Franz Messerli. «Es war ein besonderer Ort», sagt er.

«Immer ein offenes Ohr»

Ulrich Gribi beginnt zu erzählen. Es ist, als würde die Zeit um ein paar Jahre zurückgedreht. 20 Personen sind anwesend. Martin Meyer etwa, der Gemeindepräsident. Markus Borer, sein Vorgänger, in dessen Amtszeit das Ende des Friedhofs fiel. Die Hauptperson aber fehlt, Messerli musste aus gesundheitlichen Gründen absagen.

Erstmals besuchte Hobbyfotograf Gribi den etwas verwunschenen Ort in den Achtzigerjahren als Mitglied des Fotoclubs Solothurn. «Ich war fasziniert», sagt er. Als sich vor rund zehn Jahren das Ende des Friedhofs abzeichnete, wollte er ihn auf vielen Bildern festhalten.

Von 2007 bis 2009 besuchte er das Areal regelmässig. Zu jeder Jahreszeit und zu jeder Tages-und Nachtzeit. Mit Messerli habe er nie Probleme gehabt, er habe immer Zugang erhalten. «Er hatte immer ein offenes Ohr.» Manchmal gegen eine Flasche Wein. Am Ende blieben 5000 Fotos. Aber erst jetzt, seit er pensioniert ist, fand er Zeit für ein Buch.

«Alles ist vergänglich»

Besonders beeindruckte Gribi der Kreislauf, der für ihn auf dem Friedhof augenfällig wurde. Zuerst werde der Natur ein Rohstoff entzogen. Daraus werde ein edles Produkt hergestellt, das am Ende wieder von der Natur zurückgenommen werde. «Die Natur ist stark», sagt Gribi. «Und alles ist vergänglich.»

Er bedauerte die Schliessung. Doch er findet, dass heute ein Autofriedhof nicht mehr die gleiche Anziehungskraft auf ihn ausüben würde. Heute stecke viel Kunststoff in den Autos. «Die runden Formen, das Blech und der Rost – es hat einfach gepasst», sagt Gribi. Jedes Auto hätte eine Geschichte erzählen können.

«Stolz auf Kaufdorf»

Martin Meyer, der Gemeindepräsident, mag die Geschichte vom Autofriedhof. Ab und zu treffe er Franz Messerli in der Beiz bei einem Kaffee. «Wir sind nicht Freunde und nicht per Du.» Aber er schätze Messerli, und man spürt eine gewisse Verbundenheit mit dem «Querdenker, Macher und Gesetzlosen», wie er sagt. Auch wenn sein Vorhaben, das betont er, «nicht im Sinn des Gesetzgebers» war.

Meyer erinnert an Messerlis Vater, der den Autofriedhof eröffnete. Wie dann die Unfallautos nach Kaufdorf kamen. «Das war sicher nicht immer lustig, nicht immer schön, aber immer spannend», sagt Meyer. An der Kunstausstellung 2008, die von Heinrich Gartentor organisiert wurde, betrat Meyer das erste Mal das Gelände des Autofriedhofs.

Heute werde er immer wieder auf den Autofriedhof angesprochen. Nicht selten fragten ausländische Besucher nach dem Weg. Gribis Bilder bewahrten die Erinnerung. «Ich bin», sagt der Gemeindepräsident, «etwas stolz auf Kaufdorf.»

«Grosse Attraktion»

Das Dorf machte viele Schlagzeilen. Mit der Kunstausstellung, dem Streit zwischen den Behörden und Messerli, der Schliessung. Peter Gasser bekam das alles hautnah mit in der Wohnung, die von den alten, rostenden Wagen umgeben war. Er hat es nie verstanden, dass der Friedhof geräumt werden musste. Eine Gefahr für die Umwelt bestand aus seiner Sicht nicht. «Als die Autos weggebracht wurden, war der Boden darunter staubtrocken.»

Er ist sich sicher: «Heute wäre der Autofriedhof die grosse Attraktion im Naturpark Gantrisch.»

Fotobuch: www.editiongribi.ch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.11.2015, 12:02 Uhr

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