Bijouterie-Raub in Bern: Fünf Männer gefasst

Fünf Männer müssen sich für den Überfall auf eine Bijouterie in Bern vor Gericht verantworten. Der mutmassliche Haupttäter wurde in Deutschland aufgegriffen. Vom Diebesgut fehlt jede Spur.

Mit diesem Bild hatte die Polizei nach dem Haupttäter gefahndet.

Mit diesem Bild hatte die Polizei nach dem Haupttäter gefahndet.

(Bild: zvg/Kapo Bern)

Michael Bucher@MichuBucher

Der brutale Überfall mitten in der Berner Innenstadt ereignete sich am Nachmittag des 27. Dezembers 2017. Ein Mann überwältigte einen Bijoutier und raubte dessen Geschäft in der Von-Werdt-Passage aus. Zusammen mit Komplizen gelang ihm die Flucht mit der Beute – hauptsächlich Schmuck aus 22-karätigem Gold und im Wert von rund 300‘000 Franken.

Erst knapp 24 Stunden später fanden Polizisten das 76-jährige Überfallopfer in dessen Laden – gefesselt und schwer verletzt. Der Mann wird aufgrund eines Schädelhirntraumas voraussichtlich pflegebedürftig bleiben.

Heute - 14 Monate später - sind die Ermittlungen dazu abgeschlossen. Der Polizei gelang es, die fünf Männer, welche mutmasslich hinter dem Raubüberfall stecken, zu fassen. Vier von ihnen sind zwischen 21 und 28 Jahre alt. Sie sollen die Tat geplant und koordiniert haben, wie die Berner Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte. Sie alle sind geständig und verbrachten mehrere Monate in Untersuchungshaft.

Zwei Obergerichtsurteile aus den vergangenen drei Monaten zeigen, dass die Mittäter bereits im Frühjahr 2018 geschnappt worden sind. Zwei von ihnen wehrten sich Ende letzten Jahres gegen die abermalige Verlängerung der Untersuchungshaft und erhielten vor Obergericht Recht.

Haupttäter in Deutschland gefasst

Schwieriger gestaltete sich die Fahndung nach dem Haupttäter - also jenem Mann, der den Bijoutier angriff und dessen Laden plünderte. Gemäss Medienmitteilung der Staatsanwaltschaft wurde dieser nach «intensiver Personenfahndung im In- und Ausland» in Deutschland aufgegriffen.

Nach einem mehrmonatigen Auslieferungsverfahren konnte der 33-Jährige letzten Herbst in die Schweiz überstellt werden und sitzt seitdem in U-Haft. Im Gegensatz zu seinen Komplizen bestreitet er seine Beteiligung am Überfall. Beim mutmasslichen Haupttäter handelt es sich um einen Ukrainer.

Vier Komplizen aus dem Kanton Bern

Die vier Komplizen sind gemäss Staatsanwaltschaft allesamt im Kanton Bern wohnhaft. Zumindest einer davon hat jedoch ebenfalls ukrainische Wurzeln, wie aus einem der Gerichtsurteile hervorgeht.

Dieser agierte offenbar als Vermittler und Übersetzer des kriminellen Quartetts. In die Schweiz kam er 2004 im Alter von zehn Jahren. Seither lebt er ununterbrochen mit seiner Mutter hier und verfügt über einen Schweizer Pass. Zuletzt arbeitete er als Vermittler von Versicherungen, heisst es im Obergerichtsurteil vom 15. Januar.

Schmuck in Zürich verkauft?

Die Staatsanwaltschaft hat nun Anklage gegen die fünf Männer erhoben. Wann sie vor dem Regionalgericht antraben müssen, ist noch offen. Erschwerend könnte sich auswirken, dass die kriminelle Bande noch weitere Taten auf dem Kerbholz haben soll - unter anderem mehrere Einbruchdiebstähle im Raum Bern-Bümpliz.

Nach wie vor unklar ist der Verbleib des gestohlenen Schmucks. Nach den bisherigen Erkenntnissen dürfte zumindest ein Teil davon im Raum Zürich verkauft worden sein. Entsprechende Ermittlungen vor Ort «laufen auf Hochtouren», wie es in der Mitteilung weiter heisst.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt