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Bierselige BEA

Die Bernexpo wirbt seit Jahren für das Nachtleben an der BEA. Wir haben uns angeschaut, was abgeht, wenn im Ausstellungsbereich das Licht ausgeht.

Im Feldschlösschen-Zelt wird gejohlt, gesungen, getrunken und getantzt: Ob dieser Obelix noch ganz nüchtern war, lässt sich nicht mit abschliessender Sicherheit beurteilen.
Im Feldschlösschen-Zelt wird gejohlt, gesungen, getrunken und getantzt: Ob dieser Obelix noch ganz nüchtern war, lässt sich nicht mit abschliessender Sicherheit beurteilen.
Enrique Muñoz García
Auf der Kreuzung zwischen Feldschlösschen-Zelt und Grizzly Saloon vermischen sich die verschiedenen Besuchergruppen zu einer Menge.
Auf der Kreuzung zwischen Feldschlösschen-Zelt und Grizzly Saloon vermischen sich die verschiedenen Besuchergruppen zu einer Menge.
Enrique Muñoz García
Sie lieben, was sie tun und wollen Freude weitergeben. Das vierköpfige Fraktion Tanz-Kollektiv komplett: Tiano Thomas, Max Fischer, Simon Anneler, Alain Neuenschwander (von ganz links im Bild nach rechts).
Sie lieben, was sie tun und wollen Freude weitergeben. Das vierköpfige Fraktion Tanz-Kollektiv komplett: Tiano Thomas, Max Fischer, Simon Anneler, Alain Neuenschwander (von ganz links im Bild nach rechts).
Enrique Muñoz García
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Rauch liegt über dem Freigelände, es riecht nach gebratenem Fleisch. Im Scheinwerferlicht und Fast-Food-Dunst sind die Leute kaum mehr als Silhouetten. Sie grölen und klatschen, hüpfen Arm in Arm, trinken Bier, essen BurgerS und suchen sich gegenseitig per Handyanruf. Man trägt High Heels und Turnschuhe, Cowboystiefel und Bikerboots. Ein bisschen Dorffest, ein bisschen Ausgang, ein bisschen Frühling.

Durch eine Saloon-Schwingtür betreten wir den Red Grizzly Saloon, ein Festzelt mit aufwendigem Innenausbau. Die Flaschen hinter der Bar stehen in gedrechselten Regalen aus Holz, dahinter eine Wildwest-Tapete. Über die Tanzfläche wirbeln Paare in wildem Rock’n’Roll. Ein Elchkopf und ein Braunbär überblicken die Szenerie von ihrem Platz an der Wand aus.

Nebenan, vor der Tür des Feldschlösschen-Zelts, trocknet eine Pfütze pinkfarbenes Erbrochenes. Wir nehmen einen grossen Schritt darüber hinweg und stossen die Tür auf. Dahinter ist es heiss und zum Bersten voll. Menschen mit roten Backen und kurzen Ärmeln krähen «vöööll-iig losgelöööst, von der Eeerde...» und hopsen im Gedränge. Irgendwo erspähen wir einen Obelix. An der Decke hängen Kränze, die Wände hoch klettert Plastikefeu, und aus den Zapfhähnen im Zelt fliesst das goldene Äquivalent eines stolzen Getränkeumsatzes.

Eine Vision von Sommer

Nach einer halben Stunde: Dichtestress. Wir machen uns aus dem Staub. Vor dem Zelt treffen wir auf eine Exil-Frutigerin, die uns ihr geheimes BEA-Hobby verrät: ahnungslosen Verehrern Bären aufbinden. Zum Beispiel, dass sie Tierpräparatorin sei. Und wie genau man eine Hyäne fachgerecht ausstopft.

Trotz dem ganzen Gerede über tote Tiere bekommen wir Hunger und genehmigen uns einen Burger, der leider abgesehen vom ideenlos gewürzten Fleisch mehrheitlich kalt und abgesehen von der scharfen Sauce mehrheitlich langweilig ist.

Ein paar Schritte weiter breitet sich auf dem Baumdach-Areal der Stadtgarten aus, eine Vision von Sommer auf rund 600 Quadratmetern. Zwischen breiten Lounge-Sofas tanzen hier etwa 150 junge Leute inmitten der Pflanzen zu flirtenden Technoklängen unter bunten Lichtgirlanden. Betrieben wird die Oase von der Fraktion Tanz in Zusammenarbeit mit Rugenbräu.

Das vierköpfige Kollektiv hat sich in der Stadt Bern vor allem mit seinen Freilichtparties einen Namen gemacht. Die Jungs sind zum ersten Mal an einer BEA mit dabei und das Areal, das Stadtgrün gehört, wird zum ersten Mal für die Messe genutzt. Alain Neuenschwander von der Fraktion Tanz erklärt den Grund: «Wir möchten den Leuten Freude, gute Musik und Erlebnisse schenken. In der Stadt besteht die Nachfrage nach unseren Events. Die BEA hingegen besuchen viele Stadtberner nicht. Darum möchten wir da eine Brücke zwischen Stadt und Land schlagen.»

Sein Kollege Tiano Thomas pflichtet ihm bei: «Wir machen Techno, um den Leuten ein gutes Gefühl zu geben. Egal, ob sie aus Interlaken Ost oder aus Langenthal kommen.» Grundsätzlich, fasst Neuenschwander zusammen, «machen wir an der BEA das, was wir immer machen und am besten können: Party.»

Mit der Venus in die Nacht

Wir wollen wissen, ob das auch andere können und begeben uns über einen roten Plastikteppich in die Oldies Bar. Ganz hinten, wo sonst der Blick ins Stadion und aufs Eisfeld fällt, ist es zappenduster. Anders als die Eisfläche ist die Meisterstimmung aber noch nicht abgetaut.

«Mir si Bärner, mir si di geilschte», ruft der DJ ins Mikrofon. Die Menge johlt. «Wo si di geile YB-Fans?», fragt der DJ, worauf die Menge noch etwas mehr johlt. Ein As hat er noch im Ärmel. Auf sein: «U Thun isch im Cupfinau» finden wir, dass wir jetzt genug alte News gehört haben. Die «Venus vo Bümpliz» aus vielen biergetränkten Kehlen trägt uns aus der Oldies Bar, übers Messegelände hinaus in die Nacht.

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