Bieler Westast-Gegner präsentieren Alternative

Seit bald zwei Jahren kämpfen die Gegner des Bieler Westasts immer zahlreicher gegen die Autobahnumfahrung in der geplanten Form. Nun haben sie ein Alternativprojekt entwickelt, das ohne die beiden Anschlüsse Bienne-Centre und Seevorstadt auskommen soll.

«Viel übersichtlicher und günstiger»: Bauingenieur Martin Gysel erklärt die Vorteile der Alternativlösung «Westast – so besser!».<p class='credit'>(Bild: Matthias Käser/BT)</p>

«Viel übersichtlicher und günstiger»: Bauingenieur Martin Gysel erklärt die Vorteile der Alternativlösung «Westast – so besser!».

(Bild: Matthias Käser/BT)

Mehr als 40 Personen haben bei der Ausarbeitung eines Gegenvorschlags zur geplanten Autobahnumfahrung im Westen der Stadt Biel mitgearbeitet. Am Dienstag nun haben Vertreter des Komitees «Westast – so nicht!» unter dem Titel «Westast – so besser!» eine Alternativvariante vorgestellt.

Der von der Opposition ausgearbeitete Vorschlag kommt ohne die beiden geplanten Anschlüsse «Bienne-Centre» und «Seevorstadt» daher. Der Verkehr soll unter anderem durch einen fünf Kilometer langen Tunnel führen, der von der Verzweigung Brüggmoos bis nach Vingelz reicht. Bemerkenswert: Der Tunnel soll unter dem Grundwasser zu liegen kommen und deshalb beim Bau deutlich weniger Kosten verursachen als die vorgesehene Autobahn.

«Wir wollen nicht nur kritisieren, sondern auch Lösungen aufzeigen», sagte am Dienstag Kaspar Meuli vom Komitee, das seit bald zwei Jahren gegen den Westast in der geplanten Form kämpft. 1700 Mitglieder zählt es unterdessen.

Bäume und Häuser bleiben

Dass der alternative Westast besser werde, sei keine kühne Behauptung, sondern eine nicht zu bestreitende Tatsache, schreibt das Komitee in einer Zeitung, die heute an die Haushalte der Stadt und Umgebung verteilt wird. In der Alternativ-Variante werde kein einziger Baum gefällt und kein einziges Haus abgerissen werden, heisst es. Ganz anders in der geplanten Ausführung: 745 Bäume und 74 Häuser müssten weichen. Weiter behaupten die «Westast – so nicht!»-Vertreter, dass die Kosten von 2,2 Milliarden Franken auf die Hälfte reduziert würden. Die Bauzeit soll statt der vorgesehenen 20 Jahre nur 10 Jahre betragen. Dadurch könne auf viel Lärm, Staub und Lastwagenverkehr verzichtet werden.

Über dem Tunnel, der unter der Achse Ländte-, Aarberg- und Bernstrasse verläuft, soll ein Boulevard entstehen, der nicht zuletzt den Bedürfnissen von Velofahrern und Fussgängern gerecht werde. «Beim Boulevard handelt es sich um ein Rückgrat des lokalen Verkehrs und um den Autobahnzubringer», sagt Lars Michkulnig vom Komitee. Auf dem zweispurigen Boulevard, zu dem fünf Kreisel gehören, soll der Verkehr mit reduzierter Geschwindigkeit fahren.

Porttunnel bleibt bestehen

Dass das Alternativprojekt realisierbar sei, belege eine im Auftrag von «Westast – so nicht!» erarbeitete Studie der auf Tunnelfragen spezialisierten Badener Firma Gysel Engineering. «Weil das Projekt praktisch nur aus einem Tunnel besteht, ist es viel übersichtlicher und auch günstiger als das herkömmliche», sagt der Verfasser der Studie, Martin Gysel, der sich bei seiner Beurteilung auf seine jahrzehntelange Erfahrung als Bauingenieur bei der Planung und Realisierung komplexer Tunnel-Grossprojekte im Autobahn- und Eisenbahnbau stützt.

Für die Sicherheit sind im Tunnel mehrere sogenannte Multifunktionalstellen vorgesehen, durch die man einen Rettungsschacht und über eine Treppe die Oberfläche erreicht.

Laut dem Komitee soll mit der Alternativ-Variante der Verkehr auf Stadtgebiet um 50 Prozent abnehmen. Diese Abnahme ist zwar nicht höher als beim herkömmlichen Westast, die oberirdisch verbleibende Verkehrsmenge soll sich aber besser verteilen.

«Nicht mehr verhandelbar»

Der Porttunnel wird vom Komitee als vernünftig beurteilt und bleibt Teil der Alternativlösung. Und: «Mit ‹Westast – so besser!› wird an den Vorgaben des Nationalstrassenbaus festgehalten. Der Tunnel schliesst die Lücken im Nationalstrassennetz», sagt Lars Michkulnig.

Westastbefürworter reagierten am Dienstag umgehend und bezeichneten die Tunnelvariante als «Rückschritt statt Fortschritt». «Die Anzahl Anschlüsse, die Zahl der Fahrspuren sowie die Länge der unterirdischen, respektive oberirdischen Strassenführung sind nicht mehr verhandelbar», heisst es. «Eine reine Tunnellösung ist in der Vergangenheit bereits einmal verworfen worden, der Vorschlag ist nicht vereinbar mit dem generellen Projekt und hätte eine zeitliche Verzögerung von zehn Jahren zur Folge», sagt der Co-Präsident von Pro-Westast, Peter Bohnenblust.

Der Bieler Stadtpräsident Erich Fehr sagt: «Inhaltlich können wir das Projekt noch nicht beurteilen.» Man müsste es nun zuerst mit dem Kanton und dem Bund genauer anschauen. Erst dann könne man entscheiden, wie man mit diesem Vorschlag umgehen werde. «Ein Alternativprojekt sollte nach Auffassung des Gemeinderats von Kanton und Bund dann vertieft geprüft werden, wenn es die gleiche verkehrliche Entlastung mit sich bringt wie die geplante Variante.»

So sieht der Vorschlag der Gegner aus: Grün ist die alternative Variante, rot die teilweise offene Autobahn des offiziellen Projekt. Zum Vergrössern hier klicken.

Berner Zeitung

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