Bewährungsprobe für Bolligens neue Regierung

Bolligen

Redaktor Markus Zahno über die Verlegung der Bolliger Gemeinde­verwaltung.

Als Beobachter reibt man sich verwundert die Augen. Mit überwältigendem Mehr hat die Bolliger Gemeindeversammlung dem Gemeinderat eine Generalvollmacht gegeben. Er darf nach eigenem Gutdünken entscheiden, wo genau eine neue Verwaltung gebaut wird. Er darf alle nötigen Kredite sprechen, ohne das Volk zu befragen.

Vorgegeben ist einzig, dass der Neubau auf einer von drei möglichen Parzellen im Bahnhofgebiet zu stehen kommen muss und nicht mehr als 6,4 Millionen Franken kosten darf. 6,4 Millionen sind eine Menge Geld für eine Gemeinde wie Bolligen, in der deutlich kleinere Beträge schon viel kritischer hinterfragt wurden. Wie kann es sein, dass Volk und Parteien dem Gemeinderat diesmal fast blind vertrauen?

Das entscheidende Stichwort ist «Vertrauen». Das Gemeinderatsgremium, das bis Ende 2016 im Amt war, hatte eine schwierige Zeit. Wichtige Planungsgeschäfte kamen ins Stocken, die Steuern mussten innert vier Jahren zweimal erhöht werden – da leidet das Vertrauen. Man braucht kein Prophet zu sein, um zu behaupten: Letztes Jahr hätte der Gemeinderat vom Volk keine Generalvollmacht bekommen. Nach den letzten Wahlen hat der Wind aber gedreht.

Eine neue Gemeindepräsidentin und vier neue Gemeinderatsmitglieder sind am Drücker. Sie packen alte Geschäfte neu an, machen rasch Nägel mit Köpfen. Im vorliegenden Fall blieb ihnen auch nichts anderes übrig: Dort, wo die alte Verwaltung steht, ist eine neue Überbauung geplant. Der Baurechtsvertrag zwang den Gemeinderat, die Lösung für die neue Verwaltung diesen Dienstag vors Volk zu bringen. Detaillierte Abklärungen waren da gar nicht möglich.

Der neue Gemeinderat hat sich eine heikle Aufgabe aufgeladen. Denn auf dem Weg zur neuen Verwaltung stehen noch einige Hürden. Die Gemeinde muss mit der Landi und dem Regionalverkehr Bern-Solothurn verhandeln, wie das Bahnhofgebiet künftig aussehen soll. Dann braucht es Investoren, eine Zonenplanänderung, eine Bewilligung – und bereits in fünfeinhalb Jahren soll der Neubau fertig sein. Dazu kommt der Kostendruck. Ohne eine konkrete Berechnung zu haben, verspricht der Gemeinderat: «Die 6,4 Millionen werden ausreichen.» Falls er sich täuscht, ist Kritik garantiert.

Wie meistert der Gemeinderat das Projekt «Neubau Gemeindeverwaltung»? An dieser Frage wird er bei den nächsten Wahlen in drei Jahren gemessen.

Mail: markus.zahno@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt