Beten ist keine Kunst – Kein Geld für Haus der Religionen

Das Haus der Religionen erhält die beantragte Million Franken vom Bundesamt für Kultur nicht. Für das Bundesverwaltungsgericht ist das Projekt «nicht kulturell».

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Wolf Röcken

Seit letztem Sommer entsteht in Ausserholligen das Haus der Religionen. Der Neubau ist Bestandteil der Überbauung Europaplatz, zu der auch Wohnungen und eine Coop-Filiale gehören. Das Haus der Religionen alleine kostet 10 Millionen Franken. Diese Summe ist gesichert. Im Herbst 2014 werden, wenn alles nach Plan läuft, Aleviten, Buddhisten, Christen, Hindus und Muslime ihre Räume beziehen.

Noch sammeln die Trägerstiftung und der Verein Haus der Religionen bis zu 2 Millionen weitere Franken für den Ausbau. Die Stiftung muss bei dieser Geldsuche nun aber einen Dämpfer hinnehmen. Sie hatte beim Bundesamt für Kultur (BAK) ein Gesuch für eine Unterstützung in Höhe von einer Million Franken gestellt. Das BAK lehnte dies im Januar 2011 ab – worauf die Trägerschaft des Hauses der Religionen Beschwerde einreichte.

In einem am Dienstag publik gewordenen Urteil stützt das Bundesverwaltungsgericht nun den BAK-Entscheid. Das Haus der Religionen sei keine «kulturelle Institution» im Sinne der Förderpraxis. Und Rituale von religiösen Gruppen seien keine «künstlerischen Produkte», ebenso wenig die Pflege von interreligiösen und interkulturellen Dialogen, wie sie im Haus stattfinden sollen.

«Keine nationale Bedeutung»

Beten ist also keine Kunst, halten die Richter sinngemäss fest. Aber auch wenn das Projekt als kulturelles Vorhaben eingestuft würde – das Bundesverwaltungsgericht sieht dennoch keinen Grund für eine Unterstützung mit Bundesgeld. Denn das Haus der Religionen habe vorwiegend «regionalen Charakter und keine gesamtschweizerische Bedeutung».

Doch noch Bundesgeld?

Diese Einschätzung wertet Christoph Reichenau als «Uninformiertheit». Der frühere städtische Kultursekretär ist Stiftungsrat der Trägerstiftung. Das Einzugsgebiet des Hauses der Religionen reiche bis weit über die Kantonsgrenzen hinaus. Auch die Feststellung der Richter, es gäbe in der Schweiz durchaus vergleichbare Projekte, kann Reichenau nicht nachvollziehen. Ein Projekt, das den Dialog verschiedener Religionsangehöriger unter einem Dach pflege, gäbe es in der Schweiz und im nahen Ausland nicht (siehe auch Kasten).

Reichenau hält fest: «Für uns ist das Haus der Religionen trotz des Urteils nach wie vor auch eine kulturelle Institution.» In der Trägerstiftung werde man nun eine Auslegeordnung vornehmen. Es gibt Hoffnung auf Bundesgelder – einfach bei anderen Departementen. «Es wird möglich sein, den Bund einzubeziehen», sagt Hartmut Haas, Geschäftsführer des Trägervereins.

Beitrag zur Integration

Bevor die Trägerstiftung die Beschwerde einreichte, wandte sie sich nämlich auch ans Eidgenössische Departement des Innern (EDI). Der damalige Vorsteher Didier Burkhalter wollte sich nicht zu einer Unterstützung äussern, solange die Beschwerde hängig sei. Das Gesuch könnte nun an den jetzigen EDI-Vorsteher Alain Berset erneuert werden, so Reichenau. Hartmut Haas erwähnt zudem Kontakte zur in Ausserholligen direkt benachbarten Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) und zum Bundesamt für Migration.

Das Haus der Religionen leiste schliesslich einen Beitrag zum Zusammenhalt in der Gesellschaft, so Haas. Zudem will man sich auf Absatz 2 des Artikels 72 der Bundesverfassung beziehen. Dort steht, dass Bund und Kantone «im Rahmen ihrer Zuständigkeit Massnahmen zur Wahrung des öffentlichen Friedens zwischen Angehörigen der verschiedenen Religionsgemeinschaften treffen können».

Kein «vollständiger» Ausbau

Zu Abstrichen am Ausbau des Hauses komme es wegen der derzeit fehlenden Bundes-Unterstützung nicht, sagt Reichenau. Wenn doch noch Bundesgelder fliessen sollten, würde der Ausbau des Hauses aber «vollständiger» ausfallen, wie er es ausdrückt.

Finanziert wird das Haus der Religionen mit Beiträgen von Privaten, Stiftungen, der Burgergemeinde und mit Darlehen von Kirchgemeinden. Der Kanton Bern zahlt 2,2 Millionen Franken. Das Stadt-Parlament hat unter anderem im letzten September 3,25 Millionen Franken für die Gestaltung und Beleuchtung des Europaplatzes gesprochen.

Berner Zeitung

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