Bern

Besteht Bern den Fussgängertest?

BernDie Organisation Umverkehr prüft Schweizer Städte auf ihre Fussgängerfreundlichkeit. Letzte Woche testete sie die Berner Strassen.

Die «Fussgängerfreundlichkeit» in Bern erhält nicht nur gute Noten. Das Gesamtresultat gibts im Herbst.

Die «Fussgängerfreundlichkeit» in Bern erhält nicht nur gute Noten. Das Gesamtresultat gibts im Herbst. Bild: Keystone

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Wie viel öffentlichen Verkehr braucht es bei einem Hauptbahnhof? Ist es sinnvoll, Fussgänger- und Velozonen zu mischen? Solche Fragen stellt sich die Umweltorganisation Umverkehr. Letzte Woche lud sie zu einem Fussverkehrstest in der Stadt Bern ein. Interessierte und Fachleute folgten der Einladung.

Begrüssung: Bahnhofplatz

Die erste Diskussion entsteht bereits beim Start. Den Bahnhofplatz empfinden die Spaziergänger als zu stark befahren und nicht fussgängerfreundlich. Aus dem Bahnhofplatz könne noch einiges herausgeholt werden, sagt Karl Vogel, Verkehrsplaner der Stadt Bern. Grössere Veränderungen werde es sicherlich während des Projekts «Zukunft Bahnhof Bern» geben.

Die anwesende SP-Stadträtin Gisela Vollmer wünscht sich an dieser Stelle mehr Parkbänke oder sonstige Vorzüge für Fussgängerinnen und Fussgänger und einen zweiten Übergang zum Bahnhof und zu den Bushaltestellen.

1. Halt: Waisenhausplatz

Nach dem Gang durch die Neuengasse kommt zum ersten Mal die Velo-Offensive der Stadt zur Sprache. Was passiert eigentlich mit dem Platz für Fussgänger, wenn Bern zur Velostadt werden soll? Die Velos aus der Stadt zu verbannen, nur weil viel Fussverkehr herrscht, sei nicht in Erwägung zu ziehen, sind sich die Teilnehmer einig.

Dass es nicht zu Zusammenstössen kommt, dafür haben die Raumplaner eine Lösung: keine Mischzone. Die beiden Verkehrsflüsse voneinander zu trennen, sei immer die beste Option, sagt eine Raumplanstudentin. Besonders wichtig in der Raumplanung für Fussgänger seien zudem Bedürfnisse von Seh- oder Gehbehinderten. «Eine Patentlösung für Interessenkonflikte zwischen Velofahrern und Vertretern von Behindertenorganisationen haben wir aber nicht», erklärt Bernhard Piller, Geschäftsleiter von Umverkehr.

2. Halt: Zeughausgasse

Der nächste Streckenabschnitt bringt Gehwege mit zu hohen Absätzen, einige Werbeschilder mitten auf dem Trottoir und suboptimal gelegene Veloparkplätze mit sich. Karl Vogel äussert seine Sorge: «Hoffentlich finden wir auch noch ein positives Beispiel.»

Und schon entdeckt Bernhard Piller eine Baustelle mit Vorzeigeeffekt vor dem Hotel Kreuz in der Zeughausgasse. Der eine oder andere Passant fragt sich vielleicht, weshalb eine Gruppe von zwölf Personen eine Baustelle in der Berner Innenstadt bestaunt. Für Umverkehr sind auch solche temporären Einrichtungen für die Auswertung entscheidend.

3. Halt: Kornhaus

Einen der schmalsten Gehwege findet Umverkehr neben der Französischen Kirche. Davon lenkt einige Minuten später der Raum um das Kornhaus ab. Viel Platz nimmt hier der öffentliche Verkehr in Anspruch. Der Rest sei sehr ausgiebig genutzt. Veloparkplätze sowie Stühle und Tische decken einen Grossteil der Fläche ab. Ein freier Platz wie der Bundesplatz findet in der geführten Gruppe mehr Anklang. Auch ein solches Modell könne die Stadt beleben, werde aber nicht oft gewählt. Gisela Vollmer spricht von einer «Aversion gegen leere Räume», die in Städten oft herrsche.

Endstation: Viktoriaplatz

Den letzten Fussgängerschreck findet Bernhard Piller auf dem Viktoriaplatz, wo die haltenden Trams den Fussgängern den Weg abschneiden. Der geplante Kreisel auf dem Viktoriaplatz könne ab 2020 einige Verkehrskonflikte auf dem viel befahrenen Platz beheben, sagt Karl Vogel.

Ob Bern den Fussgängertest bestanden hat, erfährt die Stadt im Herbst. Im Rahmen des Projekts prüft Umverkehr zehn Städte. Gemeinsam mit Klaus Zweibrücken, Professor für Raumplanung an der Hochschule für Technik in Rapperswil, realisiert die Organisation einen Bewertungsbericht zu den Fussgängerwegen in der Deutsch- und Westschweiz.

Mehr Informationen unter: www.umverkehr.ch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.07.2016, 18:48 Uhr

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