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Besitzer bleiben hart - Karton Deisswil wird geschlossen

Das Aus für die Kartonfabrik Deisswil ist definitiv. Der Verwaltungsrat des österreichischen Mutterhauses Mayr- Melnhof hat am Mittwoch seinen Entscheid bekräftigt und die Entlassung der über 250 Mitarbeitenden beschlossen, wie das Unternehmen mitteilte.

Gewerkschafter Pardini: Er stimmt die Gewerkschafter auf einen harten Kampf ein.
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Stefan Anderegg
Der Kampf ist vorbei, die schwarze weht Flagge als Symbol für Trauer, Wut und Ohnmacht: Deisswil wird definitiv geschlossen
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Iris Andermatt
Die Demonstranten skandierten Slogans wie «Giu le mani»: Finger weg von der Fabrik.
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Claudia Salzmann
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Mayr-Melnhof hatte das Werk in Deisswil bereits am 8. April stillgelegt. Im Rahmen der Konsultationsfrist haben die Belegschaft und die Sozialpartner Alternativen zur Schliessung erarbeitet und Mayr-Melnhof vorgelegt.

Diese Alternativszenarien habe Mayr-Melnhof zurückgewiesen, teilte die Gewerkschaft Unia am Mittwoch mit. Zu den Szenarien gehörte unter anderem eine Übernahme des Betriebs durch das örtliche Management oder einen Investor.

Geld in die Hand nehmen

Belegschaft und Gewerkschaft sind überzeugt, dass die Kartonfabrik Deisswil eine Zukunft hätte, wenn die Besitzer oder anderweitige Investoren das Geld für die nötigen Investitionen in die Hand nehmen würden. Dies geht aus ihrer Eingabe im Rahmen des Konsultationsverfahrens hervor.

Das wirtschaftliche und internationale industrielle Umfeld habe das Mutterhaus zur Aufgabe des Standortes Deisswil gezwungen, bekräftigte indessen Mayr-Melnhof am Mittwoch den Entscheid.

Mitverantwortlich für die Schliessung sei unter anderem die CO2- Abgabe, hatte Mayr-Melnhof-Sprecher Stephan Sweerts-Sporck schon Anfang April betont.

Kein Investor gefunden

Zwar ist das Werk Deisswil von der CO2-Abgabe befreit, aber nur wenn dafür wie vereinbart Investitionen für eine bessere Umweltverträglichkeit der Fabrik getätigt werden.

Genau diese Investitionen habe das österreichische Mutterhaus aber nicht getätigt, kritisiert die Gewerkschaft Unia. Der Investitionsbedarf bewegt sich zwischen 50 und 150 Millionen Franken. Ein betriebsfremder Investor fand sich allerdings nicht, wie Roman Herzog von der Gewerkschaft Unia auf Anfrage einräumte.

Auch andere wirtschaftliche Argumente des Mutterhauses zerpflückte die Gewerkschaft. Zwar habe das Deisswiler Traditionsunternehmen in der Wirtschaftskrise tatsächlich Federn lassen müssen, doch habe auch in dem wirtschaftlich schwierigen Umfeld noch ein kleiner Gewinn resultiert.

Ausserdem wären die konjunkturellen Aussichten wieder etwas besser. Die Kartonproduktion in Deisswil könnte auf absehbare Zeit hinaus rentabel weitergeführt werden, sind sich Belegschaft und Gewerkschaft sicher.

Gemeinde mit Investor im Gespräch

Das österreichische Mutterhaus hat am Mittwoch mitgeteilt, man wolle Hand bieten, um alternative Nutzungen des Fabrikareals zu ermöglichen. Die Kartonproduktion bleibe aber auf Dauer eingestellt.

Die Gemeinde Stettlen, auf deren Gebiet die Kartonfabrik steht, ist im Gespräch mit einer Investorengruppe, die das Areal übernehmen würde. Wie es dann weiter genutzt würde, ist noch offen, wie Gemeindepräsident Lorenz Hess auf Anfrage sagte. Klar sei aber, dass dort kein Karton mehr produziert werde.

Ziel sei, auf dem Areal möglichst wieder Arbeitsplätze anzusiedeln. Mit der Übernahme des Geländes durch die Investorengruppe hofft die Gemeinde zu verhindern, dass eine grosse Industriebrache auf ihrem Gebiet entsteht oder das weitläufige Gelände «in unseriöse Hände» gerät.

Sozialplan für Mitarbeiter

Für die betroffenen Mitarbeiter wird ein Sozialplan erstellt. Hier dürfe sich der Konzern nicht aus der Verantwortung stehlen, betonte die Gewerkschaft. Ein vorbildlicher Sozialplan sei «absolute Pflicht».

Die Kartonfabrik Deisswil ist ein 134-jähriges Traditionsunternehmen, das die Region stark mitgeprägt hat. In der «Kartoni» arbeiteten zahlreiche langjährige Mitarbeiter. Bis 1990 war die Fabrik ein Familienunternehmen. Dann ging sie an Mayr- Melnhof.

(SDA)

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