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Beschimpfungen und Schokolade fürs Dählhölzli

Der Tod zweier junger Bären im Berner Tierpark Dählhölzli hat in Internetforen und in Medienberichten viele Reaktionen ausgelöst, bis zur Empörung und zur Trauer. Fachleute haben Erklärungen.

Zoodirektor Bernd Schildger (links) rechtfertigte den Aufzuchtsversuch.
Zoodirektor Bernd Schildger (links) rechtfertigte den Aufzuchtsversuch.
Susanne Keller
Hier war die Bärenwelt noch in Ordnung: Bärin Masha tollt mit einem der Jungtiere herum.
Hier war die Bärenwelt noch in Ordnung: Bärin Masha tollt mit einem der Jungtiere herum.
zvg/Tierpark
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Viele Reaktionen erhalten hat bis am Dienstag auch der Tierpark. «Sie reichen von anonymen Beschimpfungen bis zur persönlich überbrachten Schachtel Schokolade, verbunden mit guten Wünschen und Verständnis», sagt Cornelia Mainini, Leiterin des Bärenparks und der Zoopädagogik im Dählhölzli.

Tierschutz: Probleme hinlänglich bekannt

Die Verantwortlichen stünden hinter dem Entscheid, Bärenvater «Misha» nicht vom Weibchen «Masha» und den Jungen zu trennen und die Jungtiere der vom Bärenvater ausgehenden Gefahr auszusetzen, sagt Mainini im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. «Es ist unsere Rolle, abzuwägen zwischen dem Wohl der Tiere und Risiko oder Tod.»

«Der Tierpark Dählhölzli hat verantwortungslos gehandelt», sagt dagegen Sara Wehrli, Leiterin der Fachstelle Wildtiere beim Schweizer Tierschutz (STS). Die Probleme mit Braunbären, die sich in Gefangenschaft vermehrten, seien hinlänglich bekannt.

«Bären sind Einzelgänger und brauchen Platz, und in Pärken gibt es schon zu viele Braunbären.» Zuzulassen, dass «Misha» und «Masha» Junge bekommen, sei darum verantwortungslos. Wildtiere in Gefangenschaft könnten nicht einfach der «Natur» überlassen werden. Wer sie halte, müsse für sie Verantwortung übernehmen.

Fokus auf Information und Diskussion

Der Tierschutz beabsichtigt trotz seiner Einwände keine Klage gegen die «Dählhölzli«-Verantwortlichen. Die Tierschutz-Gesetzgebung lasse in diesem Fall zu viel Interpretationsspielraum offen, sagt Wehrli. Es sei zudem schwierig, die Fortpflanzung von Zootieren gesetzlich abschliessend zu regeln. «Man kann nicht alle Tiere über denselben Kamm scheren.»

Information und Diskussionen - zum Beispiel über die Haltung von Wildtieren - und Erklärungen haben im «Dählhölzli» nach dem Tod der Jungbären erste Priorität. «Es geht darum, Verständnis für unseren Entscheid zu wecken», sagt Mainini. Zoos müssten mit Fachkenntnis geleitet werden und nicht gemäss dem Druck der öffentlichen Meinung.

In Gesprächen mit den Menschen vor dem Bärengehege im Dählhölzli hat sie festgestellt, dass jene, die zum Schauen und Hören in den Tierpark gekommen seien, mehr Verständnis für den Entscheid für das Vorgehen mit den Bären äusserten als Menschen, die nur aus den Medien vom Tod der Bärenjungen erfahren hätten.

Aus den Augen, aus dem Sinn

Emotionale Reaktionen auf den Tod der Bärchen hält auch der Basler Philosophieprofessor Markus Wild für angebracht. «Aber man sollte schon darüber nachdenken, weshalb wir bei Nutztieren, die wir züchten, kaufen und essen, offenbar weniger Probleme haben.» Da gelte oft das Prinzip «aus den Augen, aus dem Sinn».

Christine Rüedi, Gründerin und Präsidentin der in Basel ansässigen Stiftung Mensch und Tier, fordert, «dass allen genutzten Tieren dasselbe kritische Hinterfragen zuteil wird wie den jungen Bären», wie sie festhält. Das Mitgefühl für die Bären liege daran, dass diese Tiere von der Gesellschaft speziell beachtet würden.

Die öffentliche Empörung sei angezeigt: «Werden Bärenkinder getötet aufgrund einer absurden Haltung, für die Millionen Franken sinnlos investiert wurden, kann und muss die Öffentlichkeit reagieren.» Die Berner Bären-Anlagen entsprächen den Bedürfnissen der Bären nicht. Die Tiere müssten in einen echten Park auf dem Land verlegt werden.

Haltung von Wildtieren als grundlegendes Problem

Wut über das, was Tieren zustösst, ist für Markus Wild Ausdruck dafür, dass Menschen sich nicht an etwas gewöhnen wollten und Änderungen wollten. Auch der Tod von Kindern bei Unfällen oder in Kriegen löse Trauer aus. «Doch solche Todesfälle werden als eine Art schlimmes Geschick gesehen, über das man nur traurig sein kann.»

Das grundlegende Problem stellt sich für Wild durch die Haltung wilder Tiere in Zoos: «Wenn man Bären nur halten kann, wenn sie entweder ihre Jungen töten oder dauerhaft verhaltensauffällig werden, scheint mir die richtige Konsequenz zu sein, sie nicht in Zoos zu halten.»

Der Tierpark Dählhölzli reagiert wie schon früher angekündigt auf den Tod der Jungbären: Bär «Misha» soll sterilisiert werden und das Bärenpaar nie mehr Junge haben. Das erste der Mitte Januar geborenen Jungtiere starb am 2. April, das zweite wurde am Montag eingeschläfert, um es vor weiterem Stress zu bewahren.

Die Braunbären «Misha» und «Masha» erhielt die Stadt Bern 2009 von der damaligen russischen First Lady, Swetlana Medwedewa, geschenkt. Sie leben nicht im Bärenpark, sondern im Tierpark Dählhölzli.

SDA/mas

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