Beruhigen statt Zuschlagen

Ein Buschauffeur soll einen Fahrgast getreten haben. Wie reagieren Fahrerinnen und Fahrer richtig, wenn ihre Gäste provozieren?

Falsch reagiert: Der Buschauffeur interpretierte die Weisung zum «deeskalierenden Verhalten» auf seine Art und Weise.
Video: Leserreporter 20 Minuten

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am Mittwoch publizierte «20-Minuten online» das Video eines Leser-Reporters: Ein wutentbrannter Mann – gemäss Artikel ein Postauto-Chauffeur – tritt schreiend nach einem Fahrgast. Der Passagier habe den Fahrer auf der Linie 101 von Bern nach Hinterkappelen gereizt, bis es zu einem Handgemenge gekommen sei.

Wie sollen Buschauffeure mit provozierenden Fahrgästen umgehen? Katharina Merkle, Mediensprecherin bei Postauto, erklärt auf Anfrage, das Personal solle in Konfliktsituationen deeskalierend wirken. Mit verbalen Angriffen sei das Personal täglich konfrontiert. «Die Fahrerinnen und Fahrer sollen kein Öl ins Feuer giessen – und einer physischen Auseinandersetzung aus dem Weg gehen.» Das oberste Ziel sei es, die anderen Fahrgäste und sich selber zu schützen.

Der Umgang mit ähnlichen Situationen werde in Antistresskursen und Weiterbildungen geübt, beispielsweise mit Rollenspielen. «Die Chauffeure lernen, aufgebrachte Fahrgäste oder Verkehrsteilnehmer zu beruhigen. Ausserdem legen sie sich Taktiken zu, um sich nicht stressen zu lassen», so Merkle. Die Postauto-Statistik zeigt keine steigende Tendenz während der letzten zehn Jahre. Merkle betont, dass jeder Vorfall eine Belastung für das Personal darstelle. Gespräche mit dem internen Sozialdienst oder einer vorgesetzten Person könnten jeweils helfen.

Kameramaterial auswerten

Deeskalation ist auch das Stichwort für brenzlige Situationen bei Bernmobil, aber: «Gewalttätige Übergriffe auf das Fahrdienstpersonal kommen selten vor. Wenn, dann kommt es eher zu verbalen Belästigungen», teilt Tanja Flühmann, Mediensprecherin bei Bernmobil, mit. Werden Chauffeure belästigt, könnten sie über Funk die Leitstelle verständigen, damit der Kontrolldienst oder die Polizei beigezogen werden können. Letztere werde eher bei Vandalismus aufgeboten. Auch das Bernmobil-Personal wird in Kursen darauf geschult, in Stresssituationen ruhig zu bleiben. Ausserdem achte Bernmobil schon bei der Rekrutierung «auf die emotionale Stabilität des Fahrdienstpersonals».

Was den Fall der Linie 101 betrifft, bestätigt Postauto, dass ­Gespräche mit dem Fahrer am Laufen sind. Auch mit dem betroffenen Fahrgast stehe man in Kontakt. Noch sei das Unternehmen dabei, den genauen Ablauf des Vorfalls zu ermitteln, unter anderem würden die Aufnahmen der Überwachungskamera ausgewertet. (akn)

Erstellt: 07.12.2017, 18:58 Uhr

Artikel zum Thema

Buschauffeur prügelt sich mit Fahrgast

Bern Wenn Busfahrer einen aggressiven Fahrgast transportieren, sollten sie gemäss Leitlinien deeskalierend eingreifen. Ganz anders ein Berner Chauffeur am Dienstagabend. Er liess die Fäuste sprechen. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Blogs

Echt jetzt? Bündner Brücke der Rekorde
Sportblog Saure Milch

Die Welt in Bildern

Von einem anderen Stern: Star-Wars-Fans heben gemeinsam ihre Lichtschwerter bei einem Treffen in Los Angeles. (16. Dezember 2017)
(Bild: Chris Pizzello) Mehr...