Berufsverbot für Treuhänderin

Bern

Sie hat eine alte Frau betrogen und Geld veruntreut. Deshalb muss eine Treuhänderin für 24 Monate ins Gefängnis. Das Kreisgericht verbietet ihr zudem für drei Jahre, ihren Beruf selbstständig auszuüben.

Gemeinsam mit ihrer Schwester hatte eine alte Dame Geld gespart, 397'000 Franken. Heute ist nichts mehr davon übrig. Denn eine Treuhänderin und Vermögensverwalterin aus einem Berner Vorort hat das Geld veruntreut. Ausserdem hat sie eine weitere Seniorin um 100'000 Franken betrogen.

Das Kreisgericht Bern-Laupen verurteilte die Treuhänderin gestern wegen Veruntreuung und Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Ausserdem verfügt das Gericht ein dreijähriges Berufsverbot als selbstständige Treuhänderin und Vermögensverwalterin. Dieses Berufsverbot wird im Amtsblatt publiziert.

Mit dem veruntreuten Geld hat die Treuhänderin eigene Finanzlöcher gestopft. Diese waren durch Bauprojekte entstanden, die nie umgesetzt wurden. «Sie wollte sich aus einer hoffnungslosen finanziellen Situation befreien», sagte Gerichtspräsident Hanspeter Kiener bei der Urteilseröffnung. Dass sie dabei alte und schwache Menschen um ihr Geld gebracht habe, wirke sich erhöhend auf die Strafe aus.

Ein Verfahren lief bereits

Die Verurteilte war durch eine Vollmacht an die 397'000 Franken Erspartes gekommen. «Gerade einer Treuhänderin vertraut man Geld an», sagte Gerichtspräsident Kiener. Deshalb sei das Strafmass bei Veruntreuung höher, wenn eine Person als berufsmässige Vermögensverwalterin gehandelt habe. Dies sei bei der Verurteilten der Fall gewesen.

Die Treuhänderin handelte zudem nicht zum ersten Mal gegen das Gesetz: Sie steckte bereits in einem Strafverfahren, als sie das Ersparte der alten Dame veruntreute. «Das ist happig», sagte Gerichtspräsident Kiener. In diesem ersten Verfahren sprach das Obergericht in zweiter Instanz eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten aus.

Dieses Mal unbedingt

Das erste Verfahren war noch nicht abgeschlossen, als die Treuhänderin wieder zuschlug. Deshalb musste das Kreisgericht alle, auch die vorherigen Taten, berücksichtigen. Zusammengerechnet ergeben diese eine Freiheitsstrafe von 48 Monaten. «Von diesen werden die 24 Monate, die das Obergericht ausgesprochen hat, abgezogen», erklärte Kiener. Was bleibt, sind die 24 Monate, welche das Kreisgericht gestern verhängte.

Auch bei der Frage «bedingt oder unbedingt» ging das Gericht von dem Gesamtstrafmass aus. «Bei 48 Monaten kann die Freiheitsstrafe nicht mehr bedingt ausfallen», so der Gerichtspräsident. Die 24 Monate Freiheitsstrafe, welche das Kreisgericht gestern verhängte, sind deshalb unbedingt. Das Urteil des ersten Verfahrens ist aber bereits rechtskräftig. Deshalb bleiben die 24 Monate, die damals verhängt wurden, unbedingt. «Für die Verurteilte wirkt sich diese Situation nun positiv aus», so Kiener.

Bauprojekt als Vorwand?

Treuhänderin ist ein Beruf, der einer behördlichen Bewilligung obliegt. Wenn in dessen Ausübung ein Vergehen begangen wird, kann dies zu einem Berufsverbot von bis zu fünf Jahren führen. «In diesem Fall besteht die Gefahr eines Missbrauchs des Berufes», sagte Kiener. Deshalb darf die Frau, die heute als selbstständige Treuhänderin arbeitet, dies für drei Jahre nicht mehr tun.

Kiener zeigte sich skeptisch, was die Aussagen der Treuhänderin betrifft: «Ob die Gelder – es handelt sich um rund eine Million Franken – tatsächlich alle in Bauprojekte flossen, wissen wir immer noch nicht mit Sicherheit. Ich kann es mir kaum vorstellen.»

Berner Zeitung

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