Geldsuche für die Eventhalle gestaltet sich schwierig

Bern

Bernexpo holt sich Verstärkung. Für die Realisierung der neuen Eventhalle spannt das Berner Messeunternehmen mit der Immobilienentwicklerin HRS zusammen. Die Finanzierung der Halle steht aber noch nicht.

Vor der alten Festhalle: Franziska von Weissenfluh, Verwaltungsratspräsidentin der Bernexpo Holding AG, will mit HRS Investoren für die neue Eventhalle suchen.

Vor der alten Festhalle: Franziska von Weissenfluh, Verwaltungsratspräsidentin der Bernexpo Holding AG, will mit HRS Investoren für die neue Eventhalle suchen.

(Bild: Christian Pfander)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Das Ende der alten Festhalle rückt nun vielleicht etwas näher. Das Berner Messeunternehmen Bernexpo arbeitet bei diesem Projekt künftig eng mit der Immobilienentwicklerin HRS zusammen.

Nach diversen Rückschlägen ist das ein Erfolg für Bernexpo-Präsidentin Franziska von Weissenfluh. «HRS ist für uns der ideale Partner», sagte sie am Mittwoch. Ihr Stolz ist unüberhörbar. Der Schulterschluss stelle sicher, dass mit der Eventhalle ein Generationenprojekt umgesetzt werden könne.

Guter Draht zu Investoren

Doch mit dem Entscheid ist der Bau der Eventhalle noch nicht gesichert. HRS ist nämlich eine Entwicklerin von Immobilienprojekten, jedoch keine längerfristige Investorin. Doch das Unternehmen verfügt aus unzähligen Projekten über beste Kontakte zu Investoren. Diese Beziehungen könnten für Bernexpo im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert sein.

Neben der Realisierung der Eventhalle hat von Weissenfluh noch eine zweite Aufgabe für HRS. Sie hatte im November angekündigt, dass Bernexpo die Mehrheit an der Tochtergesellschaft Messepark AG abgeben will. Diese ist die Besitzerin der Messehallen. Auch dafür sind Investoren gesucht.

Damit das Portefeuille möglichst attraktiv ist, sollte es eine gute Auslastung vorweisen. Und hier will von Weissenfluh ansetzen: «Wir werden gemeinsam mit HRS nach neuen Nutzungen suchen, um die Messehallen besser auszulasten. HRS ist einer der bedeutendsten Projektentwickler, und wir wollen das Know-how von HRS in diesem Bereich nutzen.»

Tiefe Auslastung der Hallen

Das Problem von Bernexpo besteht darin, dass ausserhalb der grossen Veranstaltungen wie zum Beispiel der BEA, den Swiss Skills, dem Caravan-Salon oder der Agrama ein Teil der Hallen leer steht. Die Bernexpo-Präsidentin schiebt noch nach, dass sich Bernexpo nicht vollständig von den Immobilien trennen will. Die Gruppe will auch künftig einen Teil der Aktien an der Messepark AG halten. «Und Bernexpo will Hauptmieterin und Betreiberin des Areals bleiben», sagt von Weissenfluh.

Staatsgeld ist eingeplant

Die Eventhalle soll bis zu 9000 Personen Platz bieten. Zudem ist ein Kongresssaal mit 1200 Plätzen geplant. Dieser stiess beim Kursaal auf Kritik, weil er einen ähnlichen Saal betreibt. Das Budget für die neue Eventhalle beträgt 80 Millionen Franken. Auch nach dem Einstieg von HRS rechnet Bernexpo nach wie vor mit Geld von der öffentlichen Hand, um die Eventhalle zu realisieren. «Wir gehen weiterhin davon aus, dass Stadt und Kanton Bern sowie die Burgergemeinde sich für einen starken Messeplatz einsetzen und die in Aussicht gestellten Beiträge leisten werden», sagt Franziska von Weissenfluh.

Enthusiasmus bei der Stadt

Das sieht auch der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) so. «Der Gemeinderat will, dass die neue Eventhalle kommt. Sie ist wichtig für den Messeplatz Bern. Die Stadtregierung hat im Jahr 2015 einen Beitrag von 15 Millionen Franken in Aussicht gestellt. Dies gilt bei unveränderten Rahmenbedingungen nach wie vor.» Auch die Tatsache, dass Bernexpo die Mehrheit an ihren Immobilien abgeben will, «ändert daran nichts», erklärt von Graffenried. «Für uns ist wichtig, dass Bernexpo Generalmieterin der Hallen bleibt», fügt er an.

Und über die Wahl von HRS als Partnerunternehmen zeigt sich von Graffenried erfreut: «HRS ist ein seriöser Partner, der auch in Bern bekannt ist. Das Unternehmen verfügt über eine grosse Erfahrung bei der Entwicklung von Immobilienprojekten. Nun warten wir auf das Ergebnis der Verhandlungen.»

Zögern beim Kanton

Deutlich zurückhaltender ist die Tonalität beim Kanton Bern. Dieser hatte in der Vergangenheit einen Beitrag in gleicher Höhe, wie ihn die Stadt bezahlt, in Aussicht gestellt. Die zuständige Volkswirtschaftsdirektion betont die Wichtigkeit des Neubaus: «Eine Eventhalle ergänzt das Angebot am Standort und ist für die Entwicklung des Messeplatzes und Veranstaltungsortes Bern wichtig», heisst es in einer Stellungnahme. Aber einen konkreten Betrag, mit dem Bern­expo rechnen kann, will die Direktion nicht in Aussicht stellen.

Sie verspricht bloss, dass sie mit den Aktionären der Messepark AG Gespräche führen wird. Der Grund für die Zurückhaltung dürfte sein, dass es derzeit noch zu viele Unbekannte in diesem Geschäft gibt. Und schliesslich wird man beim Kanton darauf achten müssen, dass die künftigen Privatinvestoren bei der Eventhalle keine überhöhte Rendite erzielen können. Das verlangen die Grundsätze der guten Regierungsführung.

Auch die Burgergemeinde ist in das Projekt involviert. Sie ist die Landbesitzerin und hat wie Stadt und Kanton einen namhaften Beitrag an den Bau der neuen Eventhalle in Aussicht gestellt. Doch auch dieser Beitrag ist noch keineswegs gesichert. «Es hat sich eine neue Ausgangslage ergeben. Wir werden das Geschäft neu beurteilen», sagt Mediensprecherin Stefanie Gerber auf Anfrage.

Berner Zeitung

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