Bernexpo und die Stadt betreiben Geheimniskrämerei

Bei der Planung der Eventhalle spielen die Akteure nicht mit offenen Karten.

Stefan Schnyder@schnyderlopez

In der Berner Festhalle haben Rockstars wie die Rolling Stones ihre Fans zur Ekstase gebracht. Das ist lange her. Heute ist die Halle veraltet. Ein Neubau ist überfällig. Doch die Verantwortlichen lassen derzeit grosse Zweifel aufkommen, ob sie Meister ihres Fachs wie die Rolling Stones sind. Die Bern-expo-Spitze um die Präsidentin Franziska von Weissenfluh und CEO Jennifer Somm hat sich für ein intransparentes Vorgehen entschieden, das Misstrauen weckt. Das ist bei einem Projekt, das die Steuerzahler mit gegen 30 Millionen Franken unterstützen sollen, eine gefährliche Strategie.

Doch der Reihe nach: Ursprünglich wollte die Messebetreiberin Bernexpo eine Eventhalle mit 9000 Plätzen als Ersatz für die Festhalle bauen. Bald wurde klar, dass es dazu auch die finanzielle Unterstützung von Stadt und Kanton Bern braucht. Bernexpo erwirtschaftet im hart umkämpften Messegeschäft nicht genügend Geld, um den Bau einer rund 80 Millionen teuren Halle finanzieren zu können. In der Folge stellen der Gemeinderat der Stadt Bern und der Regierungsrat des Kantons Bern in Aussicht, den jeweiligen Parlamenten einen Beitrag von bis zu 15 Millionen Franken zu beantragen. Auch die Burgergemeinde gab bekannt, dass sie das Projekt in ähnlicher Höhe unterstützen will.

Irgendwann vor der Publikation der Unterlagen für den Architekturwettbewerb vom Februar 2017 kam Bernexpo zum Schluss, dass eine Eventhalle mit 9000 Plätzen allein nicht ausreicht, sondern dass es zusätzlich ein Kongresszentrum mit 1200 Plätzen braucht. Man hielt es weder bei Bernexpo noch bei der Stadt oder dem Kanton für nötig, die Öffentlichkeit explizit auf diesen Teil des Projektes aufmerksam zu machen.

Der Konkurrenz jedoch ist das Kongresszentrum nicht entgangen. Der Kursaal, der einen Saal mit 1500 Plätzen betreibt, liess im Verlaufe dieses Jahres seine guten Drähte in die Burgergemeinde spielen. Es gelang ihm, diese davon zu überzeugen, das Projekt nochmals zurück an die Absenderin zu schicken. Allzu schwierig dürfte das nicht gewesen sein, denn die Burgergemeinde investiert derzeit 77 Millionen Franken in den Umbau des Casinos. Da sich dieses künftig stärker im Kongressgeschäft positionieren will, wäre das Kongresszentrum von Bernexpo ebenfalls eine direkte Konkurrenz für das Casino.

Anfang Oktober hätten die Messebetreiberin, die Stadt und der Kanton eine weitere Gelegenheit gehabt, um offen zu informieren. Bernexpo entschied sich damals, die Detailplanung zu sistieren, um die Grösse der Halle und den Investorenkreis zu überprüfen. Doch die Messebetreiberin verzichtete auf eine Kommunikation des Entscheids. 

Nachdem diese Zeitung den Marschhalt publik gemacht hatte, führte Bernexpo das schwierige Umfeld im Messe- und Eventgeschäft als Begründung an. Doch den Hauptgrund – nämlich die Bedenken der Burgergemeinde wegen der Konkurrenzierung durch das Kongresszentrum – verschwieg Bernexpo.

Mit der intransparenten Informationspolitik schürt Bernexpo Argwohn. Auch der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) und der kantonale Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP) haben es versäumt, Transparenz zu schaffen und von Bernexpo eine offene Informationspolitik zu verlangen. Sie nehmen so das Risiko in Kauf, dass das Geschäft in den jeweiligen Parlamenten oder beim Volk abstürzt.

Die Verantwortlichen gefährden mit ihrem Vorgehen ein Projekt, das für Bern eine grosse Chance darstellt. Denn Bern braucht eine moderne Eventhalle. Damit wieder so legendäre Konzerte stattfinden können wie dasjenige der Rolling Stones.

Berner Zeitung

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