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Berner Bauern müssen Bschütti importieren

Der Kanton Bern profitiert nicht nur beim Finanzausgleich am stärksten von den Zuflüssen aus anderen Kantonen, sondern auch bei der Bschütti. Über den Umgang mit seinem Mist muss der ­Landwirt genau Buch führen.

Zu wenig Bschütti im Kanton Bern: Die Landwirte müssen aus anderen Kantonen Jauche importieren.
Zu wenig Bschütti im Kanton Bern: Die Landwirte müssen aus anderen Kantonen Jauche importieren.
Keystone

Bauer wird einer in der Regel, weil er gerne mit Tieren arbeitet und Freude hat, wenn auf seinen Feldern etwas wächst. Und er weiss, dass der Mist, den die Tiere produzieren, gut ist für die Fruchtbarkeit des Bodens. Doch zu viel des Guten schadet, das ist auch beim Hofdünger nicht anders. Früher konnte ein Bauer zweihundert Schweine halten und die Jauche auf dem drei Hektaren grossen Heimet verteilen, wie es ihm gefiel. Doch das führte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer Überdüngung der Böden.

Heute sagt der Bund, wie viel Hofdünger auf welcher Fläche ausgebracht werden darf. Sein Ziel ist es, dass die Phosphor­anreicherung langsam abgebaut und der Dünger gezielt dort eingesetzt wird, wo ihn die Pflanzen nötig haben. Auf Betrieben mit vielen Tieren fallen in Form von Gülle und Mist überschüssige Nährstoffe an, während Acker- und Gemüsebauern zusätzlichen Dünger benötigen.

Mitarbeiter des Kantons Bern und andere Berater erstellen für die Landwirte jeweils im Frühling sogenannte Planbilanzen. Wenn der Bedarf des Bodens mit den vorhandenen Nährstoffen nicht übereinstimmt, muss Gülle oder Mist zu- oder weggeführt werden. «Eine Planbilanz ist freiwillig, aber sinnvoll», sagt Markus Gammeter, Berater am Inforama Waldhof in Langenthal.

Anspruchsvolle App

Bis 2013 konnte der Bauer mit den 200 Schweinen jeweils mit einem Nachbarn einen einfachen Düngerabnahmevertrag aushandeln und festschreiben, wie viel Gülle den Hof verlassen würde. Damit war die Sache für die Behörden im Lot. Doch heute funktioniert das anders. Seit 2014 läuft alles über Hoduflu. Das ist eine schweizweit geltende «internetbasierte Applikation, die der einheitlichen Verwaltung der Hofdüngerflüsse im Zusammenhang mit dem ökologischen Leistungsnachweis dient». So kompliziert das tönt, so anspruchsvoll gestaltet sich die Anwendung für Landwirte, die den Umgang mit dem Computer nicht gewohnt sind. Wenn der Schweinezüchter dem Ackerbauer im Nachbardorf ein Güllefass voll Bschütti bringen will, muss er das im Hoduflu-Programm ankündigen. Dann muss der Ackerbauer die Lieferung mit einem Click bestätigen. «Das klingt einfach, gibt aber dem einen oder anderen sehr viel zu tun», sagt Gammeter, der dafür verantwortlich ist, dass Hoduflu «im Kanton Bern läuft».

Happige Strafen

Wehe, der Gülleabnehmer vergisst, die Lieferung im Computer zu bestätigen. Dann mag in der Praxis zwar alles bodenver­träglich richtig gelaufen sein, aber die Nährstoffbilanz geht nicht auf. Ende Jahr wird nachgerechnet. In der Nährstoffbilanz dürfe der Düngereintrag rechnerisch 10 Prozent des ausgewiesenen Bedarfs übersteigen. «Pro weiteres Prozent werden dem Bauern 5 Prozent seiner Direktzahlungen gestrichen», erklärt Gammeter. Bringe einer etwa 15 Prozent zu viel Dünger aus, drohe ihm die Maximalstrafe: Er muss 70 Prozent der Direktzahlungen zurückgeben. «Dann diente, was er durchs Jahr tat, nur noch der Arbeitstherapie», sagt Gammeter. «Doch das kommt selten vor.» Häufiger werde wegen ein oder zwei Prozent des Zuviels gekürzt.

Während beim Finanzausgleich simples Geld hin- und herfliesst, werden über Hoduflu komplexe Stoffe verschoben. Mist ist nicht gleich Mist. Bei extensiv gehaltenen Biopoulets mit Weidezutritt sei die Nährstoffausscheidung pro Tonne Mist bis zu viermal grösser als bei intensiver Pouletmast, erklärt Gammeter. Während für den einen Landwirt schon das Einloggen in der Datenbank eine Herausforderung ist, flucht der andere erst, wenn er das Dokument hochladen soll, das den Gehalt seines Düngers errechnen soll.

«Landwirtschaft ist halt kompliziert», sagt Gammeter. Aber er setzt sich dafür ein, dass die Hof- und Recyclingdüngerverschiebungen transparent und korrekt verlaufen. «Es ist wichtig, dass der Bauer bekommt, was der Abgeber angegeben hat.» Würde zu wässriges Zeug herumgekarrt, würde der Berner Boden am stärksten darunter leiden. «Der Kanton Bern ist der grösste Nettoübernehmer von Nährstoffen», weiss Gammeter. Laut dem BLW sind es vor allem die tierdichten Kantone Luzern, Schwyz, Zug, St. Gallen, Thurgau und Appenzell Innerroden, die Hofdünger abgeben.

Test bringt Klarheit

Der eine oder andere Berner Bezüger habe «das subjektive Gefühl», ihm seien zu wenig Nährstoffe geliefert worden, weiss Gammeter. Denn mindestens alle 10 Jahre muss der Schweizer Bauer eine Bodenprobe analysieren lassen. Wo der Gehalt in dieser Zeit trotz ausgeglichener Bilanz abgenommen habe, komme rasch der Verdacht auf, die Bschütti-Lieferanten hätten ihre Fuhre zu stark verdünnt. Doch auch eine in der Zwischenzeit geänderte Analysemethode könnte zur Differenz geführt haben, gibt Gammeter zu bedenken. Er rät den Landwirten jedenfalls, nicht über das als kompliziert erachtete Hodu­flu-System zu fluchen. «Dessen Einführung ist gerade für die Bauern im Kanton Bern eine Chance: Wer nicht erhält, was versprochen war, wartet mit der für den Abgeber so wichtigen Bestätigung, bis alles korrekt ist.» Im Verdachtsfall empfiehlt Gammeter, für wenig Geld analysieren zu lassen, wie viel Wasser die Substanz enthält. Denn am Geruch wird er nicht erkennen, ob in der Gülle drin ist, was versprochen wurde.

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