Berner Trottoir-Deponien sind ein teures Ärgernis

Bern

Was im Haushalt nicht mehr gebraucht wird, landet oft auf dem Trottoir mit dem Vermerk «Zum Mitnehmen». Solche wilden Deponien verursachen jährlich Kosten von 550 000 Franken.

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Markus Ehinger@ehiBE

«Tatort» Lorraine: Seit mehreren Tagen steht ein senfgelbes Sofa auf dem Trottoir. Trotz eines Zettels «Gratis zum Mitnehmen» scheint sich niemand dafür zu interessieren. Und so kommen zwei Männer von Entsorgung und Recycling Stadt Bern und transportieren es ab. So etwas komme ­immer wieder vor, das sei ärgerlich, sagt einer der Männer.

«Wir wurden hierhergeschickt, um das Sofa zu entsorgen. Bezahlt wird das aber von der Allgemeinheit», sagt der Mann.Ob Tische, Stühle, Geschirr, Küchengeräte, Bücher – oder eben sogar Sofas: Es sind jeweils halbe Haushalte, die auf Trottoirs mit dem Vermerk «Zum Verschenken» oder «Gratis» deponiert werden.

Solange sich solche Gegenstände im Eingangsbereich von Wohnhäusern befinden und tatsächlich von jemandem mitgenommen werden, ist das rechtlich kein Problem. Verboten ist hingegen, nicht mehr gebrauchten Hausrat auf öffentlichem Grund «zum Mitnehmen» anzubieten.

550 000 Franken pro Jahr

«Wir unterscheiden ‹wilde Deponien› und solche ‹Trottoir-Entsorgung›», sagt Walter Matter, Leiter Entsorgung und Recycling Stadt Bern. «Letzteres stellen wir häufiger fest.» Das sei nicht der richtige Weg, sagt Matter. Korrekt wäre es, wenn solche Habseligkeiten beispielsweise in einer Brockenstube abgegeben oder direkt in einem Entsorgungshof entsorgt werden.

«Wenn in der Öffentlichkeit abgestellte Dinge nicht abgeholt werden, sprechen wir von einer wilden Deponie», sagt Matter. Im letzten Jahr hat Entsorgung und Recycling Stadt Bern rund 210 Tonnen Material, das in der Öffentlichkeit oder bei den Wertstoffsammelstellen deponiert wurde, eingesammelt. «Für das Einsammeln, die Reinigung und die Entsorgung fallen so Kosten in der Grössenordnung von 550 000 Franken pro Jahr an», sagt Matter.

Ein Ärgernis

Es ist für Entsorgung und Recycling Stadt Bern ein Ärgernis, dass viele Leute wohl aus Bequemlichkeit anonym Material auf der Strasse abstellen. «Wir erachten es aber nicht als Plage», sagt Walter Matter. Das Ziel sei es, solche deponierten Sachen möglichst rasch zu räumen, damit kein Nachahmungseffekt entstehe, also weitere Leute ihre nicht mehr gebrauchten Dinge ebenfalls deponieren würden.

«Wir sind keine Detektive»

Mitarbeiter von Entsorgung und Recycling Stadt Bern versuchen jeweils, bei anonym abgestelltem Material die Besitzer ausfindig zu machen. «Das ist aber bei klassischen wilden Deponien nicht einfach, zumal wir keine Detektive oder Polizisten sind», sagt Matter.

«Wenn wir aber einen Verantwortlichen finden, verrechnen wir unsere Aufwandskosten in Höhe von etwa 100 Franken und bringen die entsprechende Person beim Polizeiinspektorat zur Anzeige.»

Übrigens: Anonym deponierter Hausrat ist ein ganzjähriges Problem. Eine Häufung von im öffentlichen Raum abgestelltem Material, vor allem Möbeln, wird aber vor den üblichen Zügel­terminen festgestellt. Zum Glück kommt der nächste ortsübliche Termin erst am 1. April 2018 ­wieder.

Berner Zeitung

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