Berner Symphonieorchester zieht in den Kursaal

Bern

Der Kursaal soll während der Sanierung des Kultur-Casinos zur Ersatzspielstätte werden. Ein Drittel der Konzerte will das Berner Symphonieorchester aber an anderen Orten veranstalten – zum Beispiel in Kirchen.

Zur Ersatzspielstätte gekürt: Der Kursaal bietet 1000 Gästen Platz.

Zur Ersatzspielstätte gekürt: Der Kursaal bietet 1000 Gästen Platz.

(Bild: Urs Baumann)

Oliver Meier@mei_oliver

Im Theater National, in den Messehallen von Bernexpo – oder gar in der früheren Kartonfabrik Deisswil? Seit Monaten sucht Konzert Theater Bern nach einer Ersatzspielstätte für das Berner Symphonieorchester (BSO). Hintergrund sind die Pläne der Burgergemeinde: Die Eigentürmerin des Kultur-Casinos wird das prunkvolle Gebäude ab Sommer 2017 umfassend sanieren und für zwei Jahre schliessen. Zunächst wollten die Burger selber für eine Ersatzspielstätte sorgen, brachen die Suche diesen Sommer jedoch ab.

Die Bedürfnisse der verschiedenen Veranstalter seien zu unterschiedlich, lautete die Begründung. Nicht nur Konzert Theater Bern, auch andere Klassikanbieter wie der Meisterzyklus oder die Migros-Kulturprozent-Classics reagierten überrascht und irritiert. Theater­direktor Stephan Märki warf gar die Forderung in den Raum, die Sanierung müsse um ein Jahr verschoben werden.

Unterstützung durch Burger

Doch nun zeichnet sich eine Lösung ab. Der Berner Kursaal kristallisiert sich als Ersatzspielstätte heraus. Zwar sind die Verträge noch nicht unterschrieben, dies sei aber Formsache heisst es aus dem Umfeld von Konzert Theater Bern. Lukas Meier, derzeitiger Betriebsleiter des Kursaals, bestätigt auf Anfrage die Gespräche und spricht von einem «positiven Verlauf». Meier will zwar keine Details nennen, klar ist aber, dass es in der letzten Verhandlungsrunde vor allem um den Preis für die Einmietung geht.

Im Kultur-Casino muss Konzert Theater Bern zwar formell eine Miete bezahlen, wird aber im gleichen Umfang von der Burgergemeinde subventioniert. Stefanie Gerber Frösch, Kommunikationsleiterin der Burgergemeinde, bekräftigt, dass Konzert Theater Bern auch während des Umbaus finanziell unterstützt wird. Der konkrete Betrag stehe aber noch nicht fest.

Das Berner Symphonieorchester plant im ersten Jahr ins­gesamt zwölf Kursaal-Auftritte, Gala- und Neujahrskonzerte inbegriffen. Dies entspricht zwei Dritteln des Angebots an Symphoniekonzerten. Die restlichen Konzerte sollen an anderen Orten stattfinden – zum Beispiel in Kirchenräumen. Im zweiten Jahr dürfte das Angebot im Kursaal weiter ausgebaut werden.

Auch der Meisterzyklus und Migros-Kulturprozent-Classics planen, ihre Konzerte während der Umbauzeit im Kursaal zu veranstalten. Laut Thomas Pfiffner, künstlerischer Leiter des Meisterzyklus, ist allerdings noch kein definitiver Entscheid gefällt worden.

Demnächst wird der Kursaal von den Veranstaltern gemeinsam besichtigt. Dabei wird es laut Pfiffner auch um die Frage gehen, ob für die Konzerte zusätzliche akustische Massnahmen im Saal notwendig sind, was die Kosten für die Veranstalter weiter erhöhen würde. Schon heute sind die Berner Mietpreise für nicht subventionierte Anbieter wie den Meisterzyklus relativ hoch.

Probenräume bei der Vidmar

Noch offen ist derzeit, wo und in welchem Rahmen das BSO künftig seine Proben abhält. Das gilt nicht nur für die Sanierungszeit. Die Burger haben grosse Pläne für das Casino, von einer «zeitgemässen Konzert- und Kulturstätte von nationaler Ausstrahlung» war zuletzt die Rede.

Dass der Seeländer Starkoch Ivo Adam nächsten Frühling die Geschäftsleitung des Kultur-Casinos übernimmt, ist nicht nur beim Hauptmieter Konzert Theater Bern als Signal aufgefasst worden. Stefanie Gerber Frösch indes sagt: «Auch nach dem Umbau stehen die Türen für Konzert Theater Bern offen.» So oder so plant Theaterdirektor Märki, bei den Vidmarhallen in Liebefeld Probenräume für das Orchester einzurichten.

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