Riggisberg

Berner SVP-Stadtrat kämpft um Gurnigel-Berghaus

Riggisberg Der ehemalige Wirt Roland Iseli will das Gurnigel-Berghaus kaufen. Die Gemeinde ebenfalls. Iseli hofft, dass die Gemeindeversammlung den Kauf ablehnt und er den Zuschlag erhält.

Roland Iseli erklärt der Bevölkerung von Riggisberg, weshalb er das Gurnigel-Berghaus kaufen möchte. Der Gastronom möchte unbedingt im Berggebiet wirten.

Roland Iseli erklärt der Bevölkerung von Riggisberg, weshalb er das Gurnigel-Berghaus kaufen möchte. Der Gastronom möchte unbedingt im Berggebiet wirten. Bild: Raphael Moser

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Das sind ja mehr Leute als an einer Gemeindeversammlung», sagt Michael Bürki. Der Gemeindepräsident von Riggisberg sitzt im vollen Saal des Restaurants Adler, während immer mehr Stühle hereingetragen werden. Menschen strömen herein, bald sitzen rund hundert Personen an und zwischen den Tischen, stehen die Wänden entlang und im Korridor. Der Anlass: eine Informationsveranstaltung zum Gurnigel-Berghaus, organisiert vom Berner SVP-Stadtrat Roland Iseli (siehe Kasten). Punkt acht Uhr ergreift er das Wort: «So, es isch achti», und erklärt gleich seine Sicht der Dinge. Genauer: warum er und nicht die Gemeinde Riggisberg das Gurnigel-Berghaus kaufen sollte.

Nach langem Hin und Her will die Gemeinde das Berghaus erwerben und an Hans-Ulrich Müller von der Bernapark AG weiterverkaufen. Dieser will es an die vom Naturpark initiierte Gantrisch plus AG verpachten.

Kritik an Gemeinde

Roland Iseli begrüsst den Gemeindepräsidenten, Michael Bürki (SVP), gleich mit einer kalten Dusche: Er kritisiert ihn wegen seiner früheren Aussage, dass der Kauf eines Restaurants nicht Aufgabe einer Gemeinde sei. «Und jetzt steht dieser Kauf auf der Traktandenliste der Gemeindeversammlung!», sagt Iseli und betont, er fühle sich als David, der den Kampf gegen Goliath – Gemeinde und Gantrisch plus AG – aufnehme. «Ich will antreten, finanziere alles und will auch selber wirten.» Zum Publikum: «Ich wäre dankbar, wenn ihr mich unterstützen und an der Gemeindeversammlung den Kauf des Berghauses ablehnen würdet.»

Rund hundert Personen hörten Iselis Ausführungen zu. Foto: Raphael Moser.

Mehrere aus dem Publikum stellen sich auf Iselis Seite. Einer sagt: «Genau so einen Mann brauchen wir. Trotz Naturpark geht hier oben alles vor die Hunde.» Es gehe nur noch bergab im Gurnigelgebiet. «So eine Vision, wie sie Herr Iseli hat, gab es hier noch nie.» Auf dieses Votum folgt kräftiger Applaus.

Die Käserei

Im Berghaus ist eine Schaukäserei vorgesehen. Diese findet Iseli unnötig, diejenige in Affoltern habe ja ständig Geldprobleme. Zudem seien die Kühe ja nur rund hundert Tage pro Jahr auf und um den Gurnigel. Den Rest des Jahres müsste man täglich die Milch hinaufkarren, um käsen zu können. «Das ist weder wirtschaftlich noch ökologisch. Ich würde auf die Käserei verzichten und mich auf das Restaurant und die Unterkünfte konzentrieren.» Letztere möchte er entstauben und modernisieren. «Aus den Massenlagern könnte man Doppelzimmer mit Bad machen», sagt Iseli und wendet sich an Daniel Baumann von der Gantrisch plus AG: «Was sagen Sie zu meinen Plänen?» Baumann reagiert rasch: «Schön zu hören, wie Herr Iseli schwärmt. Ich bin überzeugt, dass er das Berghaus führen könnte. Eigentlich sollten wir zusammenarbeiten.»

Das Vorkaufsrecht

Die Gemeinde hat ein Vorkaufsrecht, aufgrund dessen sie der Armasuisse die Liegenschaft zum Verkaufsrichtpreis von 620 000 Franken abkaufen kann. Diesen Betrag hat auch Iseli offeriert. Er gibt sich überzeugt: «Wenn die Gemeindeversammlung den Kauf des Berghauses ablehnt, kriege ich es. Das kann ich euch versprechen.» Und erntet Widerspruch von Gemeindepräsident Michael Bürki: «Das Vorkaufsrecht erlaubt uns, die Liegenschaft zum Schatzungspreis zu kaufen. Auf dem freien Markt wäre das Berghaus wesentlich teurer.»

Zudem sei unterdessen der Passus, dass das Berghaus ein Restaurant bleiben müsse, in den Verkaufsbedingungen der Armasuisse gestrichen worden, sagt Bürki. Um das Berghaus als solches zu erhalten, müsse die Gemeinde das Haus kaufen. Iseli entgegnet: «Falls es eine Option wäre, könnte ich anstelle der Bernapark AG der Gemeinde das Berghaus abkaufen.» Bürki überlegt und sagt: «Das wäre möglich. Aber es müsste zu den gleichen Bedingungen sein, die wir beim Verkauf an die Bernapark anwenden würden.»

Die Freiluftküche

Eine grosse Röstipfanne hat der langjährige Wirt des Berner Restaurants Fischermätteli bereits gekauft. Er will nicht mehr in der Stadt wirten, sondern auf dem Land oder in den Bergen. Er möchte auf der Terrasse des Gurnigel-Berghauses Rösti und Bratwürste braten, draussen Fondue und Risotto kochen – unkompliziert und rustikal. Und für die, welche nicht im Restaurant essen wollen, gäbe es einen Kiosk. «Ich mag es einfach und bodenständig», erklärt Iseli und zählt auch gleich seine Hobbys auf: kochen, Gäste bewirten und Töff fahren. «Da wäre ich ja richtig auf dem Gurnigel.»
GemeindeversammlungRiggisberg, Aula Schule. Mo, 18. Juni, 20 Uhr. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.06.2018, 19:40 Uhr

Artikel zum Thema

Wer kauft das Berghaus Gurnigel?

Riggisberg Die Gantrischplus AG, eine vom Förderverein des Naturparks gegründete Firma, möchte das Berghaus Gurnigel kaufen. Die Gemeinde Riggisberg dagegen hat auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet. Mehr...

«Jetzt müssen wir Erfolg haben»

Gantrisch Der Präsident des Förder­vereins Naturpark Gantrisch gibt sich selbstkritisch: Bis in zwei Jahren müsse der Naturpark seine Daseinsberechtigung unter Beweis stellen. Mehr...

Roland Iseli - Stadtrat, Kioskpächter und Wirt

Wer ist Roland Iseli? Viele Bernerinnen und Berner wissen es: Der 52-jährige SVP-Mann sitzt seit 2015 im Stadtrat. Schweizweit bekannt wurde Iseli, als er in der TV-Sendung «10 vor 10» über die No-Billag-Initiative in einen Fettnapf trat: Er sagte, um Geld zu sparen, sollten die rätoromanischen Sendungen abgeschafft werden, weil ja alle Rätoromanen eine andere Landessprache beherrschten. Bei den Rätoromanen schlug dieser Sparvorschlag hohe Wellen. Roland Iseli wirkte als Wirt. Er führte 20 Jahre die Berner Quartierbeiz Fischermätteli, stellte aber wegen eines Knochenbruches am Fuss einen Pächter ein. Einige Jahre war Iseli auch Pächter des Kiosks beim Bärenpark. Derzeit ist er nicht berufstätig und sagt: «Ich bereite mich moralisch auf die Übernahme des Gurnigel-Berghauses vor.» (lfc)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Die Welt in Bildern

Kampf gegen Rassismus: Ein Demonstrant protestiert gegen die Kundgebung «Liberty of Death», eine Versammlung von Rechtskonservativen vor der Seattle City Hall in Seattle, Washington. (18. August 2018)
(Bild: Karen Ducey/AFP/Getty) Mehr...