Berner Stadtrat setzt aufs Velo

In der Stadt Bern sollen Velofahrer mehr Raum, sichere und direkte Wege erhalten. Diese Richtung spurte am Donnerstag die Rot-Grün-Mitte-Mehrheit im Stadtrat ein.

Eingeklemmt im Verkehr: Solche heiklen Situationen soll es in einer «Velostadt Bern» nicht geben.

Eingeklemmt im Verkehr: Solche heiklen Situationen soll es in einer «Velostadt Bern» nicht geben.

(Bild: Beat Mathys)

Es war kein einfacher Abend für Stadträte, die dem Verkehrsmittel Velo kritisch gegenüberstehen: «Heute reden wir ja nur über Velos», seufzte Alexander Feuz (SVP) vor Beginn der Sitzung. Elf Geschäfte waren zum Thema Fahrrad traktandiert. Die grosse Mehrheit von ihnen war von rot-grüner Seite eingespurt und die Richtung klar: Velofahrer sollen in der Stadt mehr Raum, mehr Sicherheit und mehr Komfort erhalten. Denn: «Das Velo ist im urbanen Verkehr der Zukunft der Dreh- und Angelpunkt.» Das sei nicht etwa eine linksgrüne Utopie, sagte GB-Stadträtin Franziska Grossenbacher, sondern ein Zitat aus einer Studie des bürgerlichen TCS.

Doch die bürgerlichen Berner Stadträte lassen sich auch von solchen Studien nicht überzeugen. SVP und FDP wollen bei der Veloförderung bremsen und orten in Bern gar «Veloverschmutzung» (O-Ton Postulat SVP). Will heissen: Wild parkierte Velos oder Radler, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten. Zudem, so SVP-Stadtrat Rudolf Friedli, habe man etwas gegen «Umerziehungsversuche». Es sei «Planwirtschaft», wenn Rot-Grün bis ins Jahr 2030 den Anteil des Veloverkehrs auf 20 Prozent verdoppeln wolle. Die entsprechende Motion der Fraktion GB/JA wurde aber mit 39 zu 25 Stimmen befürwortet. Ebenso stimmte der Rat dafür, die regionale Zusammenarbeit bei der Planung von Velorouten zu verstärken.

Kritik an Rytz und Wyss

Kritik für ihre Velopolitik mussten eine ehemalige und die aktuelle Verkehrsdirektorin einstecken. Claudio Fischer bemängelte im Namen der Fraktion BDP/CVP eine fehlende Gesamtstrategie. Das regierende Rot-Grün-Mitte-Bündnis habe in all den Jahren die Veloförderung verschlafen und versuche das nun nachzuholen, fasste Daniel Imthurn (GLP) die Velooffensive zusammen. Die frühere grüne Verkehrsdirektorin Regula Rytz hätte mehr für die Veloförderung machen müssen. Der aktuellen Amtsinhaberin Ursula Wyss (SP) wurde vom GB «mangelnder Mut» vorgeworfen. Aus Angst, den ÖV zu stark einzuschränken, werde auf grosse Würfe fürs Velo verzichtet.

Ursula Wyss betonte, dass die Velooffensive aus zahlreichen kleinen Massnahmen bestehe. Wichtig sei es auch, sich klar messbare Ziele zu stecken. Die Verdoppelung des Veloverkehrs basiere auf Berechnungen. «Wir zwingen niemanden aufs Velo.»

Velohauptroute vertagt

Gewichtigstes Geschäft war ein Kredit von 1,74 Millionen, den der Gemeinderat vorlegte. Damit soll die erste Velohauptroute realisiert werden. Sie soll zwischen Wankdorfplatz und Bahnhof eine sichere Verbindung bieten. Um 22.30 Uhr musste Ratspräsident Claude Grosjean den Entscheid über den Kredit vertagen – es lagen noch zu viele Anträge auf dem Tisch.

Berner Zeitung

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