Berner SP-Politikerin nervt sich über Back-Werbung

Lea Kusano und andere SP-Exponentinnen prangern in den Sozialen Medien eine Werbung von Dr. Oetker an. Dabei wurde diese Werbung von SP-Wählerinnen selbst erarbeitet.

Die Berner SP-Politikerin Lea Kusano (rechts) findet, das neue Werbesujet von Dr. Oetker (links) transportiere und zementiere ein altbackenes Rollenverständnis.

Die Berner SP-Politikerin Lea Kusano (rechts) findet, das neue Werbesujet von Dr. Oetker (links) transportiere und zementiere ein altbackenes Rollenverständnis.

(Bild: zvg)

Quentin Schlapbach@qscBZ

«Back deinen Mann glücklich – auch wenn er eine zweite Liebe hat» – Der Slogan prangt auf einem Bild, das eine Frau mit einer Kochschürze zeigt. Mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht präsentiert sie dem Betrachter einen Kuchen in Form eines Fussballs. Was die neue Werbung von Dr. Oetker auszeichnet: Man weiss sofort, worum es geht. Eine Frau verwöhnt ihren fussballverrückten Mann mit einem Kuchen.

Aber genau diese Werbebotschaft stösst in feministischen Kreisen nun sauer auf. Die Berner SP-Politikerin Lea Kusano postete das Sujet Ende letzte Woche auf Facebook und Twitter. Mit dem ironischen Kommentar: «Ladies: Die Fussballsaison beginnt und Dr. Oetker gibt uns den Tarif durch.»

Der Beitrag wurde mehrere Male geteilt und löste hämische Reaktionen aus. «Sind wir werbetechnisch wieder in den 50er Jahren?», fragte sich eine. «Dr. Oetker ist nicht ganz gebacken», meinte ein anderer.

Auf Nachfrage konkretisiert Lea Kusano, was genau sie an der Werbung stört: «Das Sujet transportiert und zementiert ein altbackenes Rollenverständnis.» Die Darstellung der Frau als brave und fürsorgende Hausfrau, die sich vor allem um das leibliche Wohl ihres Mannes kümmert. Bei ihr löse das Kopfschütteln aus. «Ich frage mich auch rein fachlich, wie man in der heutigen Zeit noch so kommunizieren kann», sagt Kusano, die beruflich selbst in der Kommunikation tätig ist.

Keine Provokation

Ist das Werbesujet etwa eine bewusste Provokation? Überhaupt nicht, sagt Sybille Peisker. Sie ist Geschäftsführerin der Bieler Werbeagentur erdmannpeisker, welche die Kampagne zusammen mit Dr. Oetker erarbeitet hat. «Es liegt uns fern mit dieser Kampagne ein altes Frauenbild zu unterstützen», sagt sie.

Mit dem konkreten Motiv habe man eine «souveräne Frau» zeigen wollen, die trotz des fussballverrückten Verhaltens ihres Mannes über den Dingen stehe und ihm mit einem Kuchen eine kleine Freude bereiten wolle, so Peisker. Sie sehe aber, dass man das Sujet auch anders lesen kann. «Falls sich jemand dadurch angegriffen fühlt, entschuldigen wir uns in aller Form», sagt Peisker.

«Schade ums Geld»

Dass es den Werbeverantwortlichen mit dem Echo auf ihre neue Kampagne nicht ganz so wohl ist, zeigt auch die Reaktion der Digital Media Managerin von Dr. Oetker. Sie schrieb Kusano auf ihren Post hin eine Mail, die diese danach öffentlich machte. «Diese Kampagne (und auch dieses Motiv) wurde bei Dr. Oetker und bei der Agentur erdmannpeisker von einem Team fast ausschliesslich aus berufstätigen und modernen Frauen entwickelt, die noch dazu grössenteils zur SP-Wählerschaft gehören», schreibt sie darin.

Kusano findet es zwar gut, dass sich die Verantwortlichen der Diskussion stellen, kann die Erklärungen aber nicht vollends nachvollziehen. «Gerade in linken, urbanen Kreisen gibt es auch viele Männer, die gerne backen. Und Frauen, die sich für Fussball interessieren.» Dass Dr. Oetker diese Zielgruppe mit so einer Kampagne habe ansprechen wollen, sei letztlich nur schade ums Geld.

Berner Zeitung

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