Berner Paar hilft auf Kos

Bern/Kos

Brigitte Vögele und Yosef Habte aus Bern verbrachten ihre Sommerferien auf Kos - mit dem Ziel, sich vor Ort für die Flüchtlinge zu engagieren. Das Paar konnte unter anderem bei der Essenausgabe in einem stillgelegten Hotel helfen.

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Sibylle Hartmann@sibelhartmann

Das Urlaubsziel Kos für ihre Sommerferien im August stand schon länger fest. Auch als Anfang Monat die Berichterstattung über den starken Zustrom der Flüchtlinge auf der griechischen Insel und die katastrophalen Zustände vor Ort zunahm, änderte dies nichts am Vorhaben von Brigitte Vögele und Yosef Habte aus Bern. Im Gegenteil: «Wir wollten trotzdem unsere Ferien dort verbringen und gleichzeitig vor Ort helfen», so Habte telefonisch aus Kos gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz.

Die Woche vor dem Abflug nutzen die beiden für die Vorbereitung ihres Einsatzes. «Wir suchten in den News konkret nach Helfern und Hilfsorganisation vor Ort». So seien sie auf Reinhilde Michalakopoulos gestossen, eine Deutsche, die gemeinsam mit ihrem Sohn Pedros in der Stadt Tigaki das Hotel Kos Palace führt.

Im Einsatz für «Solidarität Kos»

Seit Ende Mai kocht das Hotel zwei Mal die Woche für Flüchtlinge, die in einem leer stehenden Hotel ausserhalb der Stadt Kos einquartiert sind. Die Essensausgabe wird organsiert von «Kos Solidarity», eine von Einheimischen gegründete Hilfsorganisation. Seit Beginn der Krise Anfang Mai versorgen sie die Flüchtlinge ehrenamtlich mit Lebensmitteln, Kleidern und Hygieneartikeln. Die Spenden stammen von Hotels, Supermärkten und Privaten.

Das Berner Paar zeigt sich tief beeindruckt von «Kos Solidarity». Die Organisation bestehe hauptsächlich aus Lehrern, die neben ihrem Job den Flüchtlingen helfen, erzählt Habte. «Sie haben uns mit offenen Armen empfangen. Es war ein Privileg für uns, dass wir mit unserem Einsatz zumindest einen ganzen kleinen Beitrag für die Organisation leisten konnten.»

Bei der Essenausgabe helfen konnte das Paar aus Bern ein erstes Mal am vergangenen Montag. «Wir fuhren mit dem Taxi von Kos Stadt etwa fünf Minuten zu diesem leer stehenden Hotel, wo rund 600 Flüchtlinge untergebracht sind», erzählt die 28-Jährige, die in Olten Soziale Arbeit studiert. «Es war schon schockierend, diese beiden Welten zu sehen». Von den Bildern aus den Medien sei sie zwar auf die Situation vor Ort vorbereitet gewesen. Aber gerade die Zelte, welche die Flüchtlinge vor dem Hotel aus den einfachsten Mitteln wie Palmblätter aufgebaut haben, hätten sie schockiert.

«Man macht einfach und hilft, wo man kann»

Während der Essenausgabe sei ihm kaum Zeit geblieben zum Nachdenken, so gross sei der Andrang der Flüchtlinge gewesen, erzählt Habte, der bei der Swisscom am Service-Desk arbeitet. «Man macht einfach und hilft, wo man kann. Aber am Abend war ich jeweils extrem erschöpft.» Der 29-Jährige ist Ende der 80er Jahre selber mit seiner Familie vor dem Unabhängigkeitskrieg in Eritrea geflüchtet. An die Flucht selber könne er sich nicht mehr erinnern, weil er noch ein Baby war.

Für das Berner Paar war es nicht der erste humanitäre Einsatz. So war Vögele bereits auf einem Medizinschiff in Papua Neuguinea und Habte unter anderem im Rahmen seiner Freiwilligenarbeit bei der Evangelisch-methodistischen Kirche Bern-Bümpliz in Rumänin, Moldawien und in seinem Heimatland Eritrea im Einsatz. Am Samstag kehrten die beiden nach einer Woche Kos nach Bern zurück. Und dies wird bestimmt nicht ihr letzter Einsatz sein.

«Kos Solidarity» kann mittels Spenden via www.flying-help.de direkt unterstützt werden.

Berner Zeitung

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