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Berner Medienleute sind besorgt

BernMit einem gemeinsamen Risottoessen machten die Redaktionen von BZ und Bund am Donnerstagmittag auf die voraussichtlich drastischen Sparpläne der Tamedia aufmerksam.

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Die Redaktionen von «Berner Zeitung» und «Der Bund» haben am Donnerstag ihrer Besorgnis über mögliche Abbaupläne des Tamedia-Konzerns Ausdruck verliehen. Vor dem Redaktionsgebäude trafen sich die Journalistinnen und Journalisten zu einem Risottoessen.

«Vielfalt statt Einheitsbrei» lautete das Motto der Veranstaltung. Grund zur Verunsicherung gibt den Belegschaften, insbesondere jener in Bern, der Mutterkonzern Tamedia. Er soll Ende August voraussichtlich über ein Sparpaket befinden. Bisher ist offiziell noch nichts über dessen Inhalt bekannt.

Aus den bisherigen Andeutungen müsse man schliessen, dass sich die Pläne von Tamedia sehr unvorteilhaft auswirken dürften, betonten Vertreter der beiden Redaktionen. Vermutet wird unter anderem, dass künftig Kompetenzzentren gebildet werden, von wo aus die verschiedenen, gemeinsamen Mäntel für alle Tamedia-Tageszeitungen erstellt würden.

Markus Dütschler, Präsident der Personalkommission bei der Tageszeitung «Der Bund», bezeichnete das Risotto-Essen als Zeichen gegen Innen und Aussen. «Von Tamedia, dem Platzhirsch der Branche, darf man erwarten, dass er Publizistik nicht nur mit dem Rotstift betreibt.»

Jürg Steiner, Präsident der Personalkommission der «Berner Zeitung» gab zu bedenken, dass es dieses Mal nicht darum gehe, einen der beiden Titel zu retten. Vielmehr seien beide Lokalkonkurrenten bedroht, «und zwar von innen und von aussen, weil sie ausgehöhlt werden könnten».

Mit immer weniger Leuten würden immer mehr Kanäle bedient, führte Steiner aus. Es wäre vielleicht sogar bequemer, wenn die Lokalkonkurrenz auf einmal nicht mehr da wäre, «aber genau das wollen wir nicht». Die Redaktionen engagierten sich genau dafür, besser sein zu wollen und die Dinge anders anzuschauen.

«Wir reden hier von Engagement, von Leidenschaft, aber vor allem auch von Qualität, die wir als Journalistinnen und Journalisten der Öffentlichkeit schuldig sind», sagte Steiner. Dies sei die Währung, die die Medienschaffenden in die Waagschale werfen würden. Von der Unternehmensleitung erwarte man, dass sie dieser Währung Rechnung trage.

Weiterhin zwei Berner Titel

Zeitungen, Zeitschriften und Newsportale «sind und bleiben unser Kerngeschäft und tragen 70 Prozent zu unserem Umsatz bei», sagte Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer am Donnerstag auf Anfrage. Der Werbemarkt sei aber weiter stark rückläufig. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres sei er gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent zurück gegangen.

Laut Zimmer muss sich der Konzern vor diesem Hintergrund deshalb die Frage stellen, wie man auch in drei oder fünf Jahren mit deutlich weniger Werbeeinnahmen noch gute Tageszeitungen bieten und gleichzeitig in den digitalen Journalismus investieren könne.

«Unser Ziel ist es, in Bern weiterhin zwei Tageszeitungen mit unterschiedlichem Profil anzubieten», führte Zimmer aus. Da aber noch keine definitiven Entscheidungen gefallen seien, wolle er nicht über Szenarien spekulieren.

Zimmer sprach auch das Dilemma zwischen möglichst grosser Vielfalt und Qualität an. Guter Datenjournalismus und Tools dafür, investigative Rechercheteams oder gute Video-Angebote seien nur in Redaktionen mit einer gewissen Grösse möglich, umgekehrt sei auch Vielfalt und eine starke Verankerung vor Ort wichtig.

«Wir sind uns dieses Dilemmas und unserer Verantwortung für den Medienplatz Schweiz bewusst und werden versuchen, möglichst alle Aspekte zur berücksichtigen», sagte Zimmer.

Die Journalistinnen und Journalisten von «Bund» und «BZ» wurden von der Gewerkschaft Syndicom und dem Berufsverband Impressum unterstützt. Rund hundert Personen beteiligten sich an dem Risottoessen. (sih/sda)

Erstellt: 17.08.2017, 16:39 Uhr

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