Berner Labels sorgen für Aufsehen

Plattenlabel haben einen schlechten Ruf: Die Kleinen hält man gern für überflüssig, die Grossen für profitgierig. Die Berner Label Mouthwatering und Voodoo Rhythm Records bekommen am diesjährigen M4Music-Festival einen Preis für ­ihre Arbeit.

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Das Popmusikfestival M4Music zeichnet unabhängige Schweizer Musiklabels für ihre Arbeit aus. Seit einigen Jahren werden auch Plattenlabels für ihre Arbeit ausgezeichnet.Am kommenden Samstag erhalten zwei Berner Plattenlabels – mit dem Basler Label Radicalis – den Preis für die Labelförderung: Mouthwatering Records hat sich auf elektronische Popmusik spezialisiert, Leiter ist Andreas Ryser.

Voodoo Rhythm Records von Beat-Man Zeller ist Berns feine Adresse für gepflegten Trash. Vielsagender Slogan: «Records to ruin any party» – «Platten, um jede Party zu rui­nieren».

Goldene Nase

Die Geschichte von den Plattenlabels, die sich eine goldene Nase verdienen, stimmt so nicht. In den vergangenen Jahren zeigte die Entwicklung der Umsätze laut Branchenverband Ifpi stets in eine Richtung: abwärts. Zu einer Zeit, als Musikaufnahmen ausschliesslich auf Vinyl veröffentlicht wurden, besetzten Labels eine Schlüsselposition und machten ein gutes Geschäft. Später, als die CD das Vinyl ablöste und viele sich ihre Musiksammlung auf dem neuen Medium ein zweites Mal zulegten, war es ein Leichtes, Geld zu verdienen. Aber das ist lange her.

Andreas Ryser, Leiter von Mouthwatering Records und Präsident von Indiesuisse, dem Zusammenschluss der kleinen Labels in der Schweiz, mag nicht in diesen Abgesang einstimmen. «Heute wird so viel Musik konsumiert wie noch nie», sagt er. Die Veränderungen in der Musikbranche sieht Ryser als Chance.

Streaming erweitere die potenzielle Reichweite der Musik. Der Verkauf von Musikalben und Songs könne heute sowieso nur ein kleiner Teil des Geschäfts sein für die kleinen Labels.

Die andere Geschichte, dass heute jede und jeder die eigene Musik veröffentlichen kann, ist zwar korrekt, macht Plattenlabel jedoch nicht überflüssig. Im Gegenteil. Andreas Ryser sagt: «Die Demokratisierung des Musikproduzierens ist eine wunderbare Sache.» Nur führe es dazu, dass man schnell den Überblick verliere. Für ihn sorgen Labels für eine Qualitätssicherung. Sie ordnen für die Konsumenten das Chaos an Veröffentlichungen.

In dieser Hinsicht versteht sich Ryser als Kurator. Und den Musikern gegenüber seien Labels Dienstleister, die ihnen einen Teil der administrativen Arbeit abnähmen und mit ihrem Netzwerk dafür sorgten, dass gute Musik unter die Leute komme.

Künstlerische Belange

Zum Beispiel True. Das Duo ist ein Produkt aus dem Hause ­Mouthwatering Records. Mit unterkühltem, elektronischen R & B sorgt das Duo über die Landesgrenze hinaus für Aufsehen und hat es mittlerweile bis ins Programm von BBC Radio One geschafft. Rico Baumann bildet mit Daniela Sarda das Duo. Er schätzt an einem Label, dass ihm als Künstler jemand den Rücken freihält. «Ganz banal: Es ist jemand da, der auch mal Druck macht und Termine setzt», so Baumann. «Dazu kommt, dass einem ein Label Arbeit abnimmt, wenn es um Administratives geht. Die haben Know-how, das uns als Künstler abgeht.»

Ryser seinerseits betont, dass er sich nicht in künstlerische Belange einmische. Ein Resultat der Zusammenarbeit zwischen dem Label und dem Musikerduo ist die Veröffentlichungsstrategie von True. Vor zwei Jahren startete das Duo mit einer EP.

Seither sind eine Reihe von Singles erschienen, darunter auch die viel gelobte und -gespielte «Colors of My Estimation». Im kommenden Herbst soll das erste Album erscheinen. Ziel sei es, so über die Jahre eine Fanbasis aufzubauen, erklärt Ryser.

Unmöglicher Bandname

Die Arbeitsteilung ist also klar: Das Label ist für den Verkauf zuständig, der Musiker für die Kunst. Trotzdem: Gibt es nie Meinungsverschiedenheiten?

«Doch», sagt Rico Baumann und erwähnt als Beispiel den Bandnamen: «True ist natürlich ein unmöglicher Bandname, weil er kaum zu finden ist im Internet. Ryser wollte ihn ändern. Wir haben uns durchgesetzt. Im Nachhinein muss ich zugeben: Er hatte zwar recht. Aber nur wegen Internetsuchmaschinen den Namen zu ändern, passte uns einfach nicht.»

M4Music-Festival: 14.–16. April, Zürich. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.04.2016, 21:28 Uhr

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