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«Berner Kultur braucht Mut, keine Scheindebatten»

Am Montag findet das «Hearing» über die neue Kulturstrategie der Stadt Bern statt. Ein Kommentar, warum solche Scheindebatte unnötig sind.

Bald werden die neuen Subventionsbeiträge vergeben? Dabei sollte die Kulurabteilung der Stadt Bern mehr Mut beweisen, wie beispielsweise die Berner Tanzcompany «oeff oeff» bei einem Tanz auf dem Dach des Paul Klee Zentrums.
Bald werden die neuen Subventionsbeiträge vergeben? Dabei sollte die Kulurabteilung der Stadt Bern mehr Mut beweisen, wie beispielsweise die Berner Tanzcompany «oeff oeff» bei einem Tanz auf dem Dach des Paul Klee Zentrums.
Archiv, Keystone

Geht da was? Heute trifft sich die Berner Kulturszene mit Kultursekretärin Veronica Schaller zum «Hearing» über eine neue Kulturstrategie – endlich, könnte man sagen: Die letzte stammt noch von Schallers Vorgänger Christoph Reichenau und galt für die Jahre 2008 bis 2011. Dass die Kultursekretärin ein solches Papier bisher schuldig geblieben ist, hat ihr teils heftige Kritik eingebracht. Nicht von ungefähr: Immerhin handelt es sich bei der Kulturstrategie um die Grundlage für die Vergabe von Subventionsgeldern.

Von diesem Papier verspricht sich die Berner Kultur viel. Deshalb wollen plötzlich alle darüber diskutieren. Eine private Initiative um Bernhard Giger vom Kornhausforum und «Ensuite»-Verleger Lukas Vogelsang bereiten eine «breitabgestützte Kulturkonferenz» im März vor. Ihr Motto: «Es geht um Inhalt. Es geht nicht um Geld.»

Bern scheut Aufbruch

Auf den ersten Blick ist die neue Gestaltungslust ein gutes Zeichen. Nüchtern betrachtet, muss man sich allerdings fragen, ob die Hearings, Konferenzen und runden Tische wirklich etwas bringen. Für ein Kulturkonzept, das nicht bloss zum Papiertiger wird, sondern die Kulturstadt weiterbringt, braucht es von der Berner Kultur die Bereitschaft, das Gärtchendenken aufzugeben. Mehr Geld wird der Berner Kultur in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung stehen. Wenn es aber darum geht, Kulturauslagen zu überdenken und Geld für Neues freizuschaufeln, hört in Bern die Diskussion schon auf.

Die Vergangenheit hat das gezeigt. Als das Kino Kunstmuseum und das Kornhausforum infrage gestellt wurden, war der Widerstand gross – am Ende änderte sich nichts. Und als der Jungfreisinn im Sommerloch laut über eine «Umnutzung» der Kunsthalle nachdachte, waren die Bewahrer lautstark zur Stelle. Dass man sich für sein geliebtes Kulturhaus einsetzt, ist gut und recht. Die Erfahrung zeigt aber: Wenn konkrete Vorschläge im Raum stehen, scheut man in Bern den Aufbruch und zieht den Status quo vor. So gesehen klingt es paradox, wenn nun nach einem Leitbild geschrien wird, das eine Entwicklung in die Wege leiten soll.

Gespräche eine Farce?

Von den angekündigten Gesprächen ist nicht allzu viel zu erwarten, was über Worthülsen hinausgeht. Dass es bei einem Kulturkonzept nicht um Geld gehe, wie die Initianten der «Kulturkonferenz» behaupten, ist Unsinn. Wer an einer Entwicklung der Berner Kultur interessiert ist, muss darüber reden, auf welche Schwerpunkte die Stadt künftig setzen soll, was das kostet und worauf man stattdessen verzichten könnte. Und da gilt es Ideen zu formulieren, ohne bereits den Kompromiss vorzuschieben, der niemandem wehtut. Eine «breite Abstützung» ist Visionen alles andere als zuträglich.

Braucht die Berner Kultur überhaupt Veränderung? Der Kultur geht es gut. Es läuft viel. Doch mit der Vielfalt hat man noch kein Profil gewonnen. Auf kantonaler Ebene hat Bern gute Erfahrungen mit einer Fokussierung der Filmförderung gemacht. Wieso sollte in der Stadt Ähnliches nicht auch funktionieren? Vor Jahren wurde Bern zur Tanzstadt erklärt – passiert ist nichts oder gar das Gegenteil: ein Abbau. Wie wäre es mit einem grossen Tanzfestival statt mehrerer kleiner? Eines, das auch auf den Strassen in der Altstadt oder in den Quartieren stattfindet und über die Region ausstrahlt? Die Stadt Bern hätte vor der neuen Subventionsperiode 2016–2019 die Möglichkeit, Akzente und Schwerpunkte zu setzen. Doch der Abteilung Kultur fehlt es an Mut und Gestaltungswillen.

Kultursekretärin Schaller ist unter grossem Zeitdruck. Die neuen Subventionsverträge müssen bald stehen, damit sie durch die politischen Instanzen geschickt werden können. Dabei ist noch nicht einmal klar, welche Institutionen künftig von der Stadt allein und welche gemeinsam mit den Regionsgemeinden finanziert werden müssen. In dieser Situation drohen die angekündigten Gespräche zur Farce zu werden.

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