Berner KMU sind gegen das Ostermundigen-Tram

Bern

Erstaunlich: Der kantonale Gewerbeverband stellt sich gegen das Tram nach Ostermundigen, über das der Kanton im März abstimmt. Obwohl die Bauwirtschaft von den 100 Millionen kräftig profitieren könnte.

Der Verband Berner KMU stellt sich gegen das Tramprojekt Bern-Ostermundigen.

Der Verband Berner KMU stellt sich gegen das Tramprojekt Bern-Ostermundigen.

(Bild: PD)

Stephan Künzi

Wars das bereits mit dem Tram nach Ostermundigen? Nach dem Nein der SVP, die die kantonale Vorlage vom 4. März schon letzte Woche zur Ablehnung empfohlen hat, folgt das Gewerbe: Auch der kantonale Gewerbeverband Berner KMU empfiehlt den Stimmenden, den 100-Millionen-Kredit bachab zu schicken.

Er tut dies allerdings weniger eindeutig als die SVP, die angesichts der klaren Mehrheit im Saal gar auf das Auszählen verzichtet hatte: In der für die Parole zuständigen Gewerbekammer stand es 24 Nein gegen 20 Ja. Bei 16 Enthaltungen, und damit verhalfen just die Unentschlossenen dem Nein erst richtig zum Durchbruch.

Ob nun die Schienenverbindung, die dem öffentlichen Verkehr auf der Achse vom Bahnhof Bern über den Viktoriaplatz nach Ostermundigen mehr Kapazitäten bringen soll, schon vom Tisch ist?

Erinnerungen werden wach ans Jahr 2004, als das ländliche Bern entscheidend dazu beitrug, dass die Stadt im ersten Anlauf kein Tram in ihren Westen bekam – vor diesem Hintergrund versuchen alle Beteiligten, den Ball flachzuhalten.

Präsident hält sich zurück

Allem voran gilt dies für Toni Lenz, den Verbandspräsidenten. Er könne in der aktuellen De­batte gar keinen Stadt-Land-Graben ausmachen, sagt er und erinnert daran, dass mit Alexander Feuz just ein städtischer SVPler das Gegenreferat vor der Gewerbekammer gehalten hat.

«Das Tram wird in Stadt und Agglo Bern sehr kontrovers diskutiert.»Toni Lenz

Schon im Vorfeld der Versammlung sei die Frage in Stadt und Agglo Bern «sehr kontrovers» diskutiert worden. Der leitende ­Ausschuss habe deshalb als vorberatendes Organ auf eine Empfehlung verzichtet.

Lenz wohnt selber in Langnau und ist damit ein klassischer Vertreter des ländlichen Berns. Als solcher hält er sich zurück: Die Tramvorlage betreffe den städtischen Raum und müsse letztlich auch dort entschieden werden, fährt er fort.

Er jedenfalls masse sich kein Urteil darüber an, ob es nicht auch günstigere Alternativen wie grössere Busse oder den Ausbau der S-Bahn gäbe. Aus diesem Grund habe er sich der Stimme enthalten – wie so viele andere im Verband auch, womit es zu den «ausserordentlich vielen» Enthaltungen gekommen sei.

Baumeister sind erstaunt

Intern stösst diese Haltung nicht überall auf gleich viel Verständnis. Peter Sommer zum Beispiel, der als Geschäftsführer des kantonalen Baumeisterverbands die grösste gewerbliche Berufsgruppe vertritt, macht aus seinem Erstaunen kein Geheimnis.

Nicht allein deshalb, weil seinem Verband bei einem Nein an der Urne Aufträge in Millionenhöhe ent­gehen würden, sich also das Gewerbe mit seiner Haltung quasi selber ins Bein schiesst: Die Parole ergebe auch aus gesamtwirtschaftlicher Sicht keinen Sinn.

Ohne Tram fehle dem wichtigen Korridor die gute Erschliessung, und das werde die Entwicklung, die mit dem Umbau des ehema­ligen Post-Hauptsitzes in der Schönburg bereits Fahrt auf­genommen habe, nachhaltig dämpfen.

So denkt auch Adrian Haas, der Direktor des kantonalen Handels- und Industrievereins und Präsident des regionalen Hauseigentümerverbandes. Nach dem doppelten Nein sei es nun umso wichtiger, entschieden für das Tram einzustehen, sagt er. Dass KMU-Präsident Lenz bereits in Aussicht stellt, nicht aktiv gegen die Vorlage anzutreten, wird ihn dabei wohl beruhigen.

Am Donnerstag werden Haas und seine Leute die Ja-Kampa­gne lancieren. Sie tun es mittags um – Absicht oder nicht – fünf vor zwölf.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt