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152 Jahre genügen nicht, offiziell tot zu sein

Skurriler Aufruf im Amtsblatt: Ein Jahr lang kann man Hinweise eingeben, die den Tod der 1865 geborenen und verschollenen Pauline Emma Sunier aus Saint-Imier belegen. Es könnte um eine Erbsache gehen.

1865: Das Geburtsjahr von Pauline Emma Sunier.
1865: Das Geburtsjahr von Pauline Emma Sunier.
Keystone

Das langwierige Wirken der Biologie ist für die Justiz offenbar noch kein ausreichender Grund, einen Tod offiziell zu anerkennen. So kommt es, dass das Regionalgericht Berner Jura im aktuellen Amtsblatt des Kantons Bern dazu auffordert, Belege für den Tod von Pauline Emma Sunier zu liefern.

Geboren wurde sie am 18. Juli 1865 – jawohl: 1865 – in Saint-Imier. Nach aller biologischen Wahrscheinlichkeit ist die Dame, die heute 152-jährig wäre, tot. Aber sie ist eben nicht offiziell tot. Denn ihre Spur hat sich verloren, ihr Ableben hat nie jemand bestätigt, sie gilt als verschollen.

Wer weiss von Pauline Suniers Tod?

Mindestens so interessant wie der Aufruf ist die Frage, durch wen und aus welchem Grund er so spät noch erfolgt ist. Geht es um finanzielle Ansprüche oder Streitigkeiten von Frau Suniers Urururenkeln? Darauf könnte in der Publikation des Amtsblatts die namentliche Nennung einer Beiständin und Vertreterin in einer Erbsache sowie die Erwähnung des Friedensgerichts Jura-Waadt verweisen.

Gerichtssprecherin Cristina Breijo will auf Anfrage aber keine Angaben über den konkreten Fall machen. Sie darf nur über das allgemeine juristische Prozedere eines «Verschollenerklärungsgesuchs» Auskunft geben. «Der zeitliche Verlauf allein ist kein offizieller Beleg für einen Tod», erklärt sie. Erst ein Eintrag im Zivilstandsregister, die Auffindung einer Leiche oder wahrschein­liche Todesumstände wie ein Flugzeugabsturz machen den Tod amtlich. Fehlten solche Belege, könne eine Verschollenerklärung Abhilfe schaffen, erläutert die Gerichtssprecherin.

So ein Gesuch könne von einer Privatperson oder von Amtes wegen ausgelöst werden. Eine Privatperson kann behaupten, dass sie als Erbin oder Begünstigte aus dem Tod der gesuchten Person persönliche Rechte und Ansprüche ableite.

Ein Amt publiziert laut Breijo dann eine Verschollenerklärung, wenn die öffentliche Hand mindestens 10 Jahre lang das Vermögen einer vermissten Person verwaltet hat. Oder wenn eine Person über 100 Jahre alt wäre, was bei Pauline Emma Sunier zweifelsfrei der Fall ist.

Und wenn nun auch bis zur Frist vom 31. Januar 2019 weder von Angehörigen noch sonst wie Informierten ein Beleg eingeht, der Frau Suniers Ableben bestätigt? Dann, sagt Gerichtssprecherin Breijo, könne man eine Person für verschollen erklären. Wird dann den Ansprüchen allfälliger Erben stattgegeben?

Eine Verschollen­erklärung sei rechtlich nicht mit dem Tod gleichzusetzen, korrigiert Breijo. Privatpersonen müssten Erbansprüche in einem zweiten Verfahren geltend machen. Handle es sich um ein Gesuch von Amtes wegen ­ohne Privatansprüche, falle die Hinterlassenschaft einer für verschollen erklärten Person an die Heimatgemeinde oder an den Heimatkanton.

Verlorene Spur in Südamerika?

Pauline Emma Suniers Spur könnte sich gemäss dem «Journal du Jura» übrigens in der Emigration verloren haben. Die Zeitung hat nämlich eruiert, dass Mitglieder des im Dorf Nods häufigen Geschlechts der Sunier im 19. Jahrhundert vor der Armut und dem Hunger im Jura nach Südamerika flohen.

Eine Pauline Emma findet sich allerdings nicht unter den aufgeführten Sunier-Auswanderern. Auch Willy Sunier, der frühere Gemeindepräsident von Nods, kann gemäss dem «Journal du Jura» in der Sache nicht weiterhelfen. Man wird den Ablauf der einjährigen Meldefrist abwarten müssen.

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