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Berner Juso fordert Menstruationsurlaub für Frauen

Wenn Frauen ihre Tage haben, sollen sie Ferien bekommen. Das fordert die Juso Stadt Bern. Auf Twitter löst der Vorschlag Häme aus. Aber ganz so abwegig ist die Idee gar nicht, wie Beispiele zeigen.

Jede dritte Frau hat während ihren Tagen Schmerzen. Die Juso Stadt Bern will, dass die Frauen in dieser Zeit zu Hause bleiben dürfen.
Jede dritte Frau hat während ihren Tagen Schmerzen. Die Juso Stadt Bern will, dass die Frauen in dieser Zeit zu Hause bleiben dürfen.
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Am kommenden Samstag treffen sich die Schweizer Jusos im Sternensaal in Bümpliz zu ihrer Jahresversammlung. «Zwei Tage Politik, Spass, Party und tolle Menschen» versprechen die Organisatoren. Für Teilnehmer mit schmalem Budget gibt’s für 18 Franken die Übernachtung in der Zivilschutzanlage.

In den Sozialen Medien löst die Veranstaltung bereits Tage zuvor ein starkes Echo aus. Der Grund: Die politischen Forderungen der Jungsozialisten. Jede Juso-Sektion konnte im Vorfeld ihre Vorschläge einreichen. Der Kreativität und der potentiellen Umsetzbarkeit der Ideen waren dabei keine Grenzen gesetzt. Die Zürcher Jusos fordern etwa die Abschaffung von Weihnachten und Gefängnissen, die Juso-Geschäftsleitung will Feminismus als Schulfach einführen.

Recht und keine Pflicht

Auch die Stadtberner Jusos machten sich ihre Gedanken. Zu reden gibt nun vor allem einer ihrer Vorschläge: einen bezahlten Menstruationsurlaub. «Jede Frau hat während der Menstruation Urlaub. Keine soll dazu gezwungen sein, mit Schmerzen zur Arbeit zu gehen», schreiben sie in ihrem Forderungspapier.

Julia Münch von der Juso Stadt Bern präzisiert: Es handele sich beim Menstruationsurlaub um ein Recht und nicht um eine Pflicht. «Wer sich wegen den Schmerzen nicht in der Lage fühlt, arbeiten zu gehen, soll frei bekommen», sagt Münch.

Menstruationsbeschwerden sind sehr individuell. Während manche Frauen kaum Schmerzen haben, ist für andere Frauen die Menstruation mit Strapazen verbunden. Gemäss Studien ist etwa jede dritte Frau von teils starken Menstruationsbeschwerden betroffen.

Häme und Spott auf Twitter

In den Sozialen Medien kommt der Juso-Vorschlag dennoch schlecht weg. Viele werfen ihn in denselben Topf mit anderen utopischen Juso-Ideen, etwa die Abschaffung von Weihnachten oder gratis Wohnraum, ÖV und Sozialversicherungen für alle.

Die negativen Reaktionen führt Julia Münch vor allem auf das fehlende Einfühlungsvermögen - gerade von Männern - zurück. «Viele Männer können nicht nachvollziehen, was manche Frauen in dieser Zeit durchmachen», sagt Münch. Dabei sei dieser Widerstand völlig unnötig. «Es wird ja niemandem etwas weggenommen.»

In Japan bereits Tatsache

Der Blick in andere Länder zeigt: Ganz so abwegig ist die Idee von einem Menstruationsurlaub tatsächlich nicht. In einzelnen asiatischen Ländern haben Frauen bereits heute das Recht, während ihren Tagen zu Hause zu bleiben. In Japan wurde bereits 1947 ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, in Südkorea existiert es seit 2001. In Italien wird derzeit über die Einführung eines solchen Urlaubs diskutiert. Maximal drei Tage pro Monat könnten Frauen mit starken Menstruationsbeschwerden frei nehmen, wenn der Gesetzesentwurf durchkommt.

Die Erfahrungen aus Japan zeigen allerdings, dass die wenigsten Frauen von ihrem Recht Gebrauch machen. In der Schweiz würde es wohl ähnlich aussehen. So oder so: Etwas mehr Verständnis von der Männerwelt für Menstruationsbeschwerden kann sicherlich nicht schaden.

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