Berner Integrationspreis für Sans-Papiers-Beratungsstelle und Müslüm

Bern

Die Stadt Bern vergab am Montag den zehnten Integrationspreis. Diesmal gewann die Beratungsstelle für Sans-Papiers, die Menschen ohne Aufenthaltsbewilligung im Alltag begleitet. Müslüm erhielt den Förderpreis.

Der Berner Entertainer Müslüm erhält den Förderpreis der Stadt Bern.

Der Berner Entertainer Müslüm erhält den Förderpreis der Stadt Bern.

(Bild: Keystone)

Die Wahl mag erstaunen: Die Preisträgerin des Jubiläumsintegrationspreises, die Berner Beratungsstelle für Sans-Papiers, unterstützt mit ihrem Engagement just jene Menschen, die nach Schweizer Gesetz gar nicht da sein dürften. Der mit 5000 Franken dotierte Integrationspreis gehe dennoch an die richtige Institution, meint Jurymitglied und Leiterin des Kompetenzzentrums Integration, Ursula Heitz: «Sans-Papiers sind schliesslich eine Realität in unserer Gesellschaft, da müssen wir den Mut haben, eine Institution auszuzeichnen, die sich für die Betroffenen einsetzt.»

Prekäre Arbeitsverhältnisse

Schätzungen gehen davon aus, dass in der Schweiz auf hundert Personen eine bis drei Personen ohne Aufenthaltsbewilligung kommen. Diese Menschen leben meist im Schatten der Gesellschaft und leiden unter prekären Arbeits- und Existenzbedingungen. Dies führt zu erheblichen Problemen im Alltag. So können beispielsweise Arztbesuche, Einschulungen der Kinder oder Eheschliessungen zu fast unüberwindbaren Hürden werden.

Das Problem sei, so Heitz, dass es den Sans-Papiers oft an Wissen um ihre eigenen Rechte und Pflichten fehle. «Die Stadt Bern ist dafür verantwortlich, dass die hier lebenden Menschen ein Leben in Würde führen können.» Die Beratungsstelle für Sans-Papiers leiste deshalb einen wertvollen Anteil an die Integration, indem sie Brücken baue zwischen den Betroffenen und den hiesigen Institutionen.

Der «Süper-Immigrant»

Ebenfalls eher unkonventionell ist die Wahl des Trägers des Förderpreises, welcher besonders innovatives Engagement im Integrationsbereich auszeichnet: Dieser ging nämlich an Semih Yavsaner alias Müslüm. Müslüm, der sich selbst «Süper-Immigrant» nennt und türkische Wurzeln hat, ist bekannt für seine mit gesellschaftspolitischen Seitenhieben gespickte Songs und seine direkte Art, wie er Ausländerfragen thematisiert.

Der Mann mit den markanten Augenbrauen und dem pinken Anzug konnte damit auch die Jury überzeugen: «Müslüm thematisiert Vorurteile gegenüber der Migrationsbevölkerung durch Comedy mit einem ganz neuen Ansatz. So erreicht er neue Kreise, insbesondere auch Jugendliche», sagt Gemeinderätin Franziska Teuscher, ebenfalls Mitglied der Jury. Er erziele somit möglicherweise sogar eine grössere Wirkung als eine herkömmliche Sensibilisierungskampagne, so Teuscher. «Und er zeigt, dass Integration nicht immer anstrengend ist, sondern auch lustvoll sein kann.»

Der Integrationspreis wird jährlich durch die Direktion für Bildung, Soziales und Sport verliehen. Der Hauptpreis ist mit 5000 Franken dotiert, der Förderpreis mit 2000 Franken. Im vergangenen Jahr ging der Preis an den Fussballclub SC Holligen.

Berner Zeitung

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