Worblaufen

Marthe Gostelis Kampf für die Frauenrechte ist zu Ende

WorblaufenMarthe Gosteli, Gründerin des Archivs zur Schweizer Frauenbewegung, ist am Freitag kurz vor ihrem 100. Geburtstag gestorben.

Starb am Freitag im Alter von 99 Jahren: Die Berner Frauenrechtlerin Marthe Gosteli.

Starb am Freitag im Alter von 99 Jahren: Die Berner Frauenrechtlerin Marthe Gosteli. Bild: Urs Baumann

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Eigentlich wollte Marthe Gosteli den Kulturpreis der Burgergemeinde Bern am 30. März noch persönlich entgegennehmen – jenen Preis, der ihr Frauenarchiv in Worblaufen ehrt. Ein Sturz verunmöglichte dies allerdings. Stattdessen besuchte eine Delegation der Burger Gosteli am Krankenbett. Erholen konnte sie sich nicht mehr: In der Nacht auf Freitag starb sie 99-jährig.

Noch im Februar trafen wir sie zum Gespräch. Dabei schöpfte Gosteli aus ihrer reichhaltigen Erinnerung, aus ihrer «langen Geschichte»: Seit den Sechzigerjahren setzte sich die bürgerliche Frauenrechtlerin in verschiedenen Funktionen für die Gleichberechtigung ein – als Präsidentin des bernischen Frauenstimmrechtsvereins oder als Vizepräsidentin des Bundes Schweizerischer Frauenvereine.

1982 gründete sie die nach ihr benannte Stiftung und baute auf dem Landsitz ihrer Familie in Worblaufen das Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung auf. «E Chrampf, ich war oft müde!»

Gosteli lebte umgeben von ihrem Lebenswerk, dort, wo sie am 22. Dezember 1917 als Bau­erntochter geboren wurde, in Räumen, die bis unter die Decke gefüllt sind mit Büchern und Archivalien. Ab und zu mischte sie sich noch in die Arbeit ihres Teams ein.

«Aber heute nehme ich es schon ruhiger», versicherte uns die Frau, die bis zum Unfall zwar am Rollator, aber immer noch mit kerzengeradem Rücken ging. «Die Haltung verdanke ich dem Reiten», erklärte Gosteli, die auch mitgeholfen hat, das therapeutische Reiten in der Schweiz zu etablieren.

Für ihr Engagement verzichtete sie auf Ferien, führte stets ein arbeitsintensives Leben, in dem es keinen Raum gab für eine Familie. «Zum Heiraten fehlte die Zeit», erklärte Gosteli trocken.

Zeit für ein Mittagessen lag indes immer drin. Dann ging Gosteli mit dem Stiftungsteam essen im Bistro des nahe gelegenen Tenniszentrums Tivoli. Gosteli verkehrte schon immer in Restaurants – aus einem pragmatischen Grund: «Mir fehlte die Zeit zum Kochen. Also jagte ich mit dem Wagen den guten Lokalen nach.»

In den letzten Jahren hat Gosteli die Frauenbewegung nicht mehr konsequent mitverfolgt. «Es hat sich punkto Lohn und Stellung viel gebessert für die Frauen. Aber die Anforderungen sind heute ganz anders, ich kann das nicht mehr beurteilen. Ich stehe auf dem Abstellgleis», sagte sie.

Damit ihre wichtigen Errungenschaften erhalten bleiben, kämpft das Frauenarchiv derzeit für seine Zukunft. Trotz dem 100 000-Franken-Preisgeld der Burgergemeinde geht der Stiftung das Geld aus. Gespräche mit dem Bundesarchiv und dem Kanton sind am Laufen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.04.2017, 19:02 Uhr

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