Berner Chansons mit Klassik vereint

Am Freitag veröffentlicht der Berner Chansonnier Oli Kehrli sein drittes Album «Zuekunftsnostalgie».

Oli Kehrli featuring Guillaume Hoarau - Les passantes.
Claudia Salzmann@C_L_A

Der Berner Chansonnier Oli Kehrli veröffentlicht am Freitag sein drittes Album, das den klingenden Namen «Zuekunftsnostalgie» trägt. Unter den 22 Chansons findet man nebst nostalgischen, kritischen, witzigen auch einige himmeltraurige Lieder.

Eben diese Traurigkeit wird nebst Kehrli an der Gitarre und Tevfik Kuyas am Kontrabass von Gwendolyn Masin an der Violine und Raphael Heggendorn am Cello noch unterstrichen. Normalerweise erkennt man Troubadouren daran, dass sie alleine mit ihrer Stimme und der Gitarre auftreten. ««Wir sind in die Zeit der grossen französischen Chansonniers zurückgekehrt. Damals gab es ganze Orchester, die den Liedern einen zusätzlichen Charakter verliehen haben», erzählt Kehrli beim Interview.

Die 38-jährige Masin ist keine Unbekannte: Sie hat die künstlerische Leitung am Gaia-Festival in Oberhofen inne, ist Konzertviolinistin von internationalem Rang und Professorin an der Genfer Hochschule für Musik. Derzeit weilt sie in den Niederlanden, wo sie sich für einen Auftritt im holländischen Fernsehen vorbereitet. Pünktlich für die Plattentaufe am 22. April im Bierhübeli werde sie zurück sein, ist sich Kehrli sicher. Der 39-Jährige muss es wissen, da Masin nicht nur mit ihm die Bühne teilt, sondern ist sie auch seine Lebensgefährtin.

Bewegen, nicht unterhalten

Seit er ein kleiner Junge war, haben Kehrli Chansons bewegt. «Ich möchte die Leute bewegen, nicht unterhalten», sagt Kehrli. Spielt er mit dem erweiterten Ensemble, so gelingt ihm das auch. Beispielsweise mit «We Träne nüm chöi fliesse»:

Ein Lied des Albums wurde schon im Vorfeld vorgestellt, «Les Passantes» hat Kehrli mit dem YB-Stürmer Guillaume Hoarau aufgenommen (Video siehe oben). «Das Lied hatte eine sehr gute Resonanz, von Bern über Paris bis La Réunion gab es positive Reaktionen», sagt Kehrli.

Überraschend sei auch gewesen, dass Hoarau in einem solchen Umfeld auftauche. Man kenne ihn mehr als «Filou auf gut Berndeutsch, aber er hat auch das Nostalgische gut gemeistert», so Kehrli. Die Fans dürfen sich freuen, die Kooperation zwischen den beiden ist noch nicht vorbei: Das Lied wird diesen Frühling noch auf Vinyl-Platte erscheinen.

Berner Vorbilder

Auf «Zuekunftsnostalgie» befinden sich auch einige Lieder, die an den Berner Troubadour Fritz Widmer erinnern, wie etwa im Chanson «Lena» in dem Kehrli bewusst Zeilen im Versmass unterbrochen habe, oder im Stück «Ä Jeger im Wald» eine Anlehnung an Widmers Lied «Drei Manne». Bei weiteren wie «Dr wunderbarscht Mönsch» bekommt der Zuhörer Wortzwitz mit Ironie als auch Emotionen mitgeliefert:

Seit vergangenem Herbst läuft es bei Kehrli nicht nur in der Musik rund: Er steckt im zweiten Semester seines Rechtswissenschaftstudiums und hat nun seinen Job als Lehrer an den Nagel gehängt. «Am Mittwoch hatte ich meinen letzten Arbeitstag», sagt er. Alles zusammen sei etwas viel gewesen, und da es gerade mit der Musik so gut laufe, wolle er sich noch mehr darauf konzentrieren. Somit musste die Schule daran glauben.

Wir verlosen 2 x 2 Tickets für die Plattentaufe am 22. April im Bierhübeli. Versuchen Sie Ihr Glück:

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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