Behinderte mögen den Eigerplatz

Bern

Die Grossbaustelle am Eigerplatz dient als Vorzeigebeispiel: So will die Stadt künftig möglichst viele Hindernisse für Behinderte, Alte, Kinderwagen und Rollkoffer beseitigen. Oft geht es dabei nur um Zentimeter.

Trotz der Grösse der Baustelle kommen Behinderte und Betagte am Eigerplatz gut zurecht.<p class='credit'>(Bild: Beat Mathys)</p>

Trotz der Grösse der Baustelle kommen Behinderte und Betagte am Eigerplatz gut zurecht.

(Bild: Beat Mathys)

Mustergültig stehen die Bauabschrankungen am Eigerplatz: Nicht nur auf Bauchhöhe sind die rot-weissen Latten montiert, sondern auch knapp über dem Boden. So können sie Sehbehinderte mit ihrem Stock ertasten.

Die vielen Umleitungsschilder sind vorbildlich aus dem Weg geräumt und weder für Kinderwagen ein Hindernis noch für Behinderte und Betagte eine Stolperfalle. Tadellos sind auch die provisorischen Haltekanten für Sehbehinderte vor den Fussgängerstreifen: Überall, wo es gefährlich wird, signalisiert das eine drei Zentimeter hohe Holzlatte.

Planer haben klare Vorgaben, wie sie möglichst hindernisfrei bauen. Das soll nicht nur Behinderten, sondern auch alten Menschen, Eltern mit Kinderwagen oder Passanten mit Rollkoffern zugutekommen. «Oft entscheiden wir mit ein paar Zentimetern, wen wir ausschliessen und wen nicht», sagte Verkehrs­direktorin Ursula Wyss (SP) am Donnerstag.

Teils freiwillig, teils Pflicht

Herbert Bichsel, Geschäftsleiter der Behindertenkonferenz Stadt und Region Bern, bestätigte das: «Wenn ich früher mit dem Rollstuhl an eine Grossbaustelle kam, sagte ich mir: Die musst du möglichst weiträumig umfahren.» Er hofft, dass er künftig in der Stadt Bern nicht mehr an überraschenden Hindernissen kapitulieren muss, wenn er unterwegs ist.

Für die Behörden sei das unter dem Strich nicht aufwendiger, betont Stadtingenieur Hans-Peter Wyss. «Wenn wir schon im Voraus die Bedürfnisse von Behinderten berücksichtigen, erspart uns das lange Einspracheverhandlungen und teure Nachbesserungen.» Viele Verbesserungen, welche die Stadt plant, sind freiwillig. Aber bei den Tram- und Bushaltestellen haben die Behörden gar keine Wahl. Das Gesetz zur Gleichstellung von Behinderten verlangt, dass in gut sieben Jahren alle Haltestellen hindernisfrei ausgestattet sind.

Unterschiedliche Bedürfnisse

Dass der ganze öffentliche Raum hindernisfrei wird, werden die Planer jedoch kaum erreichen. Am Eigerplatz ragt in einem schmalen Durchgang zwischen einem Gebäude und der Baustelle unvermittelt ein Klotz zum Verankern eines Absperrgitters in den Weg. Ein Arbeiter hat ihn wohl verschoben und dann nicht mehr so gedreht, dass er nicht stört.

Nicht nur wegen solcher kleiner Unachtsamkeiten wird Bern wohl nur etwas ärmer an Hindernissen, jedoch nicht völlig hindernisfrei werden. «Wir müssen viele Ansprüche unter einen Hut bringen; auch jene der Velofahrer, der Tram- und Buschauffeure und der Autofahrer», erklärte Stadtingenieur Wyss.

Das ist ein Problem, wenn die Stadt an Haltestellen hohe Randsteine baut, die für Rollstuhlfahrer freie Fahrt in den Bus oder ins Tram bieten, für Velofahrer hingegen ein gefährliches seitliches Hindernis sind. Auch die drei Zentimeter hohen Haltekanten für Sehbehinderte können Velofahrer zu Fall bringen oder schaden zumindest den Felgen.

Berner Zeitung

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