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Unter dem Korb sind alle gleich

Der BC Femina aus Brünnen wurde von der Stadt Bern mit dem Integrationspreis 2018 ausgezeichnet. Für die Mädchen der Jugendmannschaft ist der Verein «wie eine zweite Familie».

Nikola Stosic
Die Augen auf den Ball gerichtet: Die Juniorinnen des BC Femina beim Training.
Die Augen auf den Ball gerichtet: Die Juniorinnen des BC Femina beim Training.
Beat Mathys

Seit mittlerweile 61 Jahren versenken die Basketballspielerinnen des BC Femina aus Brünnen einen Ball nach dem anderen. Am Dienstag wurde der Verein mit einem speziellen Preis für seine Leistungen ausgezeichnet: dem Integrationspreis der Stadt Bern und mit ihm 10'000 Franken für die Vereinskasse. «Für seine besonderen Verdienste um die Integration der Migrationsbevölkerung in Bern», begründet die Jury um die Gemeinderätin Franziska Teuscher.

Vielfalt ist Normalität

Heute vereint der BC Femina unter seinen 120 Mitgliedern über 30 Nationalitäten. Vielfalt ist beim Verein die Normalität. Der Club ist sich seiner gesellschaftlichen Aufgabe bewusst.

«Hier findet einfach jeder seinen Platz», sagt Ania Sobiechowska, Verantwortliche für Mini- und Juniorinnenbasketball. Sie ist selber seit 2013 im Verein dabei. Aufgrund ihrer biografischen Erfahrungen, sie stammt ursprünglich aus Polen, ist Ania vom integrativen Potenzial des Sports überzeugt: «Mein Leben hat sich durch den Verein grundlegend verändert. In der Schweiz sind alle stets verplant, man lernt nicht einfach so Leute auf der Strasse kennen, im Verein ist die Offenheit viel grösser. Gerade Kinder definieren sich nicht über die Sprache. Beim Sport sind alle gleich.»

Mädchen haben eine «Gotte»

Der Sport unterstützt den Inte­grationsprozess von Mädchen mit oder ohne Migrationshin­tergrund. Das Engagement des BC Femina ist gerade deshalb wichtig, da laut Bundesamt für Sport Mädchen mit Migrationshintergrund deutlich weniger Sport treiben als ihre Altersgenossinnen.

So bietet der Verein auch ein internes «Gotte»-Projekt an. Jedes Mädchen aus dem U-15-Team hat eine «Gotte» aus der ersten Mannschaft. Die jungen Spielerinnen, darunter auch Migrantinnen und Asylsuchende, erhalten so eine Vertrauensperson, die auch Unterstützung bei ­beruflichen oder schulischen ­Herausforderungen bietet.

«Hier dürfen und können alle anders sein.»

Adam Bodo, U-15-Trainer

Ausserdem bietet der Verein in Zusammenarbeit mit der Schule Stapfenacker Basketballtrainings im Schulsport für Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 16 Jahren an.

Soziale Verantwortung

Seit letztem März hat der Verein auch konkret ein Leitbild aufgestellt. Man habe im Vorstand gemerkt, dass die Nachfrage in den letzten Jahren gestiegen ist und soziale Verantwortung stets wichtiger wird. «Integration heisst für uns nicht nur, Spieler mit aus­ländischen Wurzeln aufzunehmen», sagt Adam Bodo, Trainer der U-15-Mannschaft. Schlichtweg alle seien beim BC Femina willkommen: «Hier dürfen und können alle anders sein.»

Mit dem Integrationspreis hatte der Verein nicht gerechnet. «In die Fussstapfen von Organisationen wie der Beratungsstelle für Sans-Papiers zu treten, ist eine grosse Ehre und bestätigt unsere Arbeit», sagt Vorstandsmitglied ­Lena Erni. Das zeige, dass man mit dem geleisteten Einsatz auf dem richtigen Weg sei. Der Preis sei auch ein zusätzlicher ­Ansporn.

«Unser Verein geht weit über das Sportliche hinaus», so Vereinspräsidentin ­Anja Heggli. Mädchen mit den unterschiedlichsten sozialen Hintergründen, die sonst nie etwas miteinander zu tun hätten, kämen im Verein zusammen. «Es ist wie eine zweite Familie», schwärmt etwa die 14-jährige Loise während einer Verschnaufpause im Training.

Zum letzten Mal verliehen

Mit seiner fünfzehnten Ausgabe wird der Integrationspreis dieses Jahr zum letzten Mal vergeben. Engagements im Bereich der Integration werden aber dennoch weiter gefördert, etwa in Form des Sozialpreises für freiwilliges Engagement, der das nächste Mal im Dezember verliehen wird.

Dies ist Teil des «Schwerpunkteplans Integration 2018 bis 2021», der Ende Januar vom Gemeinderat verabschiedet worden ist. Die Ehrung des BC Femina, der ein «Vorzeigeprojekt für die Stadtberner Vielfalt» sei, wie es bei der Preisverleihung hiess, steht für die Förderung der Teilhabe von Migrantinnen und Migranten in der Stadt Bern.

Ebenfalls am Dienstag vergab die Stadt den mit 3000 Franken dotierten ­Förderpreis. Dieser geht an Künstler, die im Progr das Projekt «Kreativ-Asyl» ins Leben gerufen haben.

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