Berner Arzt muss Krankenkassen 400'000 Franken zurückzahlen

Ein Mediziner aus der Region muss diversen Krankenkassen insgesamt 402'000 Franken zurückzahlen. Ein Berner Schiedsgericht befand: Der Arzt hatte seine Patienten «überarztet».

Im Vergleich zu seinen Kollegen fielen die Rechnungen des Arztes aus der Region Bern viel höher aus.

Im Vergleich zu seinen Kollegen fielen die Rechnungen des Arztes aus der Region Bern viel höher aus. Bild: Keystone

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Die Kosten im Gesundheitswesen steigen, und die Krankenkassen erhöhen die Prämien. Massnahmen gegen diesen Trend gibt es viele. Manche richten sich direkt an Ärztinnen und Ärzte. Sie müssen Rechenschaft ablegen über ihre Kosten. Die Krankenkassen kontrollieren diese Abrechnungen regelmässig.

Eine solche Kontrolle ist einem Arzt aus der Agglo Bern nun zum Verhängnis geworden. Er muss den Versicherern 402'000 Franken zurückbezahlen. Das befand das Schiedsgericht in Sozialversicherungsstreitigkeiten des Kantons Bern gemäss einem am Montag veröffentlichten Urteil.

Der Krankenkassenverband Santésuisse hatte im Namen von 34 Mitgliedern gegen den Facharzt geklagt. Die Kläger – unter ihnen auch die Branchenschwergewichte Visana, Helsana und Assura – warfen dem Arzt vor, 2014 deutlich zu teuer gewesen zu sein. Insgesamt hatte er den Kassen 670'000 Franken in Rechnung gestellt, die verlangten 574'000 Franken zurück. Das Gericht gab den Klägern teilweise recht.

«Überarztet»

Hintergrund: Ärzte sollen bei ihrer Arbeit nicht bloss das Wohlergehen ihrer Patienten im Auge behalten. Das Krankenkassen­gesetz schreibt ihnen vor, auch die Interessen der Versicherer zu berücksichtigen. Leistungen, die zulasten der obligatorischen Krankenversicherung abgerechnet werden, müssen zwar «wirksam und zweckmässig», aber eben auch «wirtschaftlich» sein.

Stellt ein Arzt im Durchschnitt deutlich höhere Beträge in Rechnung als Berufskollegen aus der selben Region und Fachrichtung – ohne dass er das rechtfertigen kann –, liegt eine «Überarztung» vor. Gemäss Santésuisse müssen sich Mediziner dann erklären, wenn sie 30 Prozent teurer sind als vergleichbare Kollegen.

Der Berner Arzt hatte argumentiert, die hohen Kosten seien auf sein Behandlungsangebot zurückzuführen. So verfüge er etwa über einen ambulanten Praxis-OP, führe kostenintensive Eingriffe vor Ort durch, für die Kol­legen auf Spitäler ausweichen würden.

Das Schiedsgericht hielt dem Arzt zwar zugute, dass er im besagten Jahr unterdurchschnittliche Medikamentenkosten ausgelöst hatte, und rechnete ihm eine «Praxisbesonderheit» an. Bei der «Überarztung» blieb es aber. Der Mediziner war 2014 deutlich zu teuer – 402'000 Franken zu teuer. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.07.2017, 11:39 Uhr

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