Zum Hauptinhalt springen

Kein Durchkommen im Auto, die Biker sind los

Auf einer Rundstrecke von der Stadt Bern über Rubigen nach Münsingen und über Belp wieder zurück waren am Sonntag die Velofahrer ganz unter sich. Unterwegs wurden sie verpflegt, unterhalten und beworben.

«Hallo Velo» – ein Festival, um aufzuzeigen, was man mit dem Zweirad alles machen kann, so das Ziel der Organisatoren.

Auf der linken Seite die Gerechtigkeitsgasse runter, in einer Schlangenlinie den Muristalden hoch. Bei jeder Kreuzung Vortritt und keine roten Ampeln. So dürfen sich an diesem Sonntag die Velofahrerinnen und Velofahrer durch die Stadt Bern bewegen. Für einmal ganz legal. Das Velofestival «Hallo Velo» macht das möglich.

Und nicht nur das: Auf einer Rundstrecke durchs Aaretal sind die Biker unter sich, jede mögliche Einfahrt in die Strecke wird von Hunderten von Helferinnen und Helfern bewacht. «Ich muss hier schauen, dass keine Autos auf die Velostrecke fahren», erklärt beispielsweise oben am Muristalden Streckenposten Joel Rindlisbacher, Mitglied des Berner Landhockeyclubs.

Eine anstrengende Aufgabe, nicht nur weil sie von 9 bis 18 Uhr dauert, sondern weil nicht alle Automobilisten begreifen, dass gewisse Strassen für sie an diesem Sonntag tabu sind. Kurz nach 9 Uhr ist das eigentlich nicht verwunderlich, denn die Velofahrer sind tatsächlich noch nicht zahlreich unterwegs. Auf einen fluchenden Autofahrer kommen eineinhalb vorbeifahrende Biker.

Um 9 Uhr gehts los: Die Eröffnung des Velofestivals «Hallo Velo» fand für geladene Gäste auf dem Bundesplatz statt. Die ganze Strecke war aber so angelegt, dass die Biker auch unterwegs irgendwo dazustossen konnten.
Um 9 Uhr gehts los: Die Eröffnung des Velofestivals «Hallo Velo» fand für geladene Gäste auf dem Bundesplatz statt. Die ganze Strecke war aber so angelegt, dass die Biker auch unterwegs irgendwo dazustossen konnten.
Walter Pfäffli
Charles Mayor pedalt für guten Kaffee. Kunde Ulrich Streit jedenfalls schmeckt er. Renate Mayor sorgt für Nachschub und saubere Tassen.
Charles Mayor pedalt für guten Kaffee. Kunde Ulrich Streit jedenfalls schmeckt er. Renate Mayor sorgt für Nachschub und saubere Tassen.
Walter Pfäffli
Viel Action im Marzili, wo eine Mountainbike Jump Show bewundert werden konnte.
Viel Action im Marzili, wo eine Mountainbike Jump Show bewundert werden konnte.
zvg
1 / 10

Doch schon bald ist dieses Bild Vergangenheit, denn die Strecke führt über Land. Vorbei an den ersten weidenden Kühen und Rindern in Wittigkofen und weiter durch die Wohnquartiere von Gümligen durch den Hüenliwald Allmendingen entgegen. Wer seinen Morgenespresso noch nicht getrunken hat, kommt mitten im Wald dazu.

Dort nämlich steht das Vehikel mit Namen Café ­Cycliste von Charles und Renate Mayor. Eine gasbetriebene Kaffeemaschine. Das Wasser wird mittels Pedalkraft in die Maschine gepumpt. Auch für das Mahlen der Kaffeebohnen muss Mayor kräftig in die Pedale treten. Das Gefährt auf drei Rädern sei eine englische Erfindung, und das Ehepaar Mayor ist damit an ­verschiedenen Veranstaltungen unterwegs. «Im Wald haben wir aber noch nie Kaffee verkauft», sagt Charles Mayor während einer kleinen Verschnaufpause.

Radball und Bratwurst

Nach einem wirklich guten Espresso geht die Fahrradtour weiter nach Allmendingen. Der Verkehr wird dichter, Erwachsene und Kinder teilen sich die schmalen Strässchen und Wege. Schnellere überholen Langsamere, die Stimmung ist gut. Auf dem Schulhausplatz in Allmendingen zeigen Mitglieder des Radsportclubs Gümligen, was man sonst noch so mit einem Velo anstellen könnte. Das Fahren auf einem Radball­velo sei gar nicht so einfach, sagen diejenigen, die es versucht haben. Daneben gibts Bratwürste vom Dorfmetzger, Glacen und ein kühles Bier.

Die Bratwurst auf dem Grill duftet verführerisch, doch sie und das Bier müssen warten. Weiter geht es mit dem Velo in Richtung Münsingen. Dort locken sowohl beim Psychiatriezentrum als auch beim Parkbad Verpflegung, Unterhaltung – und die Werbestände der einschlägigen Bikefirmen. Im Wettbewerb beim Parkbad geht es für einmal nicht darum, möglichst schnell zu fahren. Nein, es gilt, in 30 ­Sekunden eine möglichst kurze Strecke zurückzulegen.

Zurück über Belp

Mit frischen Kräften pedalen die Velofahrer über die Aare und auf engen Strässchen Belp entgegen. Leider haben nicht ganz alle die Pfeile auf dem Plan gesehen, welche die Richtung angeben. Plötzlich taucht in einer Linkskurve Gegenverkehr auf – eine nicht ungefährliche Situation. Fast ­hätte es gekracht.

Nach dieser Aufregung geht die Veloreise immer weit vorausschauend weiter in Richtung Stadt. Das Hinterteil schmerzt, aber «schön isch es gsy». Allerdings ist aus der von der Stadtberner Gemeinderätin Franziska Teuscher am Start angekündigten Aussicht vom Aaretal in die Berge an diesem trüben Sonntagvormittag nichts ge­worden.

Ob für den puren Spass oder als Training: Die Beweggründe der «Hallo Velo»-Teilnehmer sind unterschiedlich. Video: Jan Weisstanner

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch