Bern will vor dem Bahnhof Tempo 30 einführen

Bern

Die rot-grüne Stadtregierung will auf weiteren Strassenabschnitten ­Tempo 30 in Kraft setzen. ­Umstritten wird der ­Abschnitt rund um den Bahnhof sein.

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Karte: Auf diesen Strassenabschnitten (rot markiert) plant die Stadt Bern, die Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 30 zu beschränken. (Smartphone-Nutzer können die Karte mit zwei Fingern bedienen oder oben rechts auf Vollbild wechseln.)

Die Einführung von Tempo-30-Strecken ist fester Bestandteil des Regierungsprogramms der rot-grünen Stadtregierung. Bislang ging sie dabei zumeist einzelsprungweise vor. Doch nun hat sie einen Strategiewechsel vorgenommen. Der Gemeinderat hat die nächsten geplanten Tempo-30-Abschnitte in einem Paket zusammengefasst. Auf insgesamt vierzehn Strassenabschnitten von unterschiedlicher Länge will die Stadt Tempo 30 einführen.

Neben diesem «Paket 2018» wird Tempo 30 im Rahmen von anderen ­Projekten auf weiteren Strassen geprüft, so zum ­Beispiel auf der Marzilistrasse, der ­Marienstrasse, der Stadtbachstrasse oder der Sandrainstrasse. Vom paketweisen Vorgehen ­erhofft sich der Gemeinderat einen tieferen Verwaltungsaufwand. Die Tempobeschränkungen werden bis Herbst 2019 realisiert sein, sofern keine ­Einsprachen eingehen.

Zwei Hauptabschnitte

Am meisten zu diskutieren geben ­dürfte der geplante Tempo-30-Abschnitt zwischen der ­Lorrainebrücke und dem Hirschengraben. Diese stark ­befahrene Strasse rund um den Hauptbahnhof ist eine der zentralen Verkehrsarterien in Bern und eine wichtige Verbindung ­zwischen dem ­Norden und dem Süden der Stadt. Der längste Abschnitt, auf dem Tempo 30 eingeführt werden soll, ist derjenige auf der Länggassstrasse. Er ist über einen Kilo­meter lang und führt durch das ganze Quartier vom Bahnhof bis zum Bremgartenwald.

Der Gemeinderat begründet die Einführung von Tempo-30-Zonen mit zwei Argumenten. Er erhofft sich zum einen eine ­Er­höhung der Verkehrssicherheit. Das Bundesgericht habe in einem Urteil aus dem Jahr 2017 bestätigt, dass Tempo 30 als Massnahme zur Erhöhung der Sicherheit zweckmässig sei, wenn die Gefährdung schwächerer Verkehrsteilnehmer verringert ­werden könne. Zudem erhofft sich der Gemeinderat dank Tempo 30 eine geringere Lärmbelastung.

Kritik von FDP und SVP

Die Oppositionsparteien FDP und SVP goutierten die am Donnerstag vorgestellten Pläne nicht. ­FDP-Fraktionschef Bernhard Eicher hielt sich mit der Kritik nicht zurück: «Das planwirtschaftliche Vorgehen zeigt ­einmal mehr, dass der rot-grüne ­Gemeinderat über­bordet. Bisher wurde Tempo 30 eingeführt, wenn dies eine Mehrheit der ­Anwohnenden forderte. Neu werden die Zonen von oben verordnet. Das geht gar nicht.» Auch SVP-Fraktionschef ­Alexander Feuz weist die Pläne der Stadt­regierung zurück: «Wir lehnen die Einführung dieser Massnahmen klar und entschieden ab», betont er.

Begegnungszone im Obstberg

Schliesslich hat der Gemeinderat entschieden, dass im Obstbergquartier die fünfte gross­flächige Begegnungszone der Stadt entstehen soll. Sie umfasst das Wohngebiet zwischen Laub­egg- und Schosshaldenstrasse, Kleinem Muristalden sowie Brügglerweg und Haspelgasse. Der Planungskredit beläuft sich auf 270'000 Franken.

Berner Zeitung

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