Ostermundigen frühestens in 6 Jahren Teil Berns

Bern/Ostermundigen

Im Herbst 2024 finden möglicherweise erstmals Wahlen in der fusionierten Gemeinde Bern-Ostermundigen statt. Die beiden Gemeinderegierungen haben sich auf eine Machbarkeitsstudie und einen Fusionsfahrplan geeinigt.

Im Fusionsexpress: Alec von Graffenried und Thomas Iten.

Im Fusionsexpress: Alec von Graffenried und Thomas Iten.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Jürg Steiner@Guegi

«Das ist strategisch sicher das wichtigste Dossier dieser Legislatur», sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL). Er meint das Projekt zur Fusion mit Ostermundigen, und das Tempo, das er und seine Regierung in der jahrzehntelang «vergifteten» Fusionsfrage vorlegen, rührt daher, dass sich die Stadtregierung in den letzten zwei Jahren in das Thema hineinkniete.

Man sah sich überall um, wo im urbanen Raum Fusionen aufgegleist wurden, auch dort, wo es Probleme gab, in Luzern etwa. Vor allem aber in Lugano und Bellinzona: Die beiden Tessiner Städte haben ihr spezifisches Gewicht – finanziell grosszügig unterstützt durch den Kanton – entschlossen erhöht und sich mit je über zehn Agglomerationsgemeinden zusammengelegt.

Bern beginnt jetzt mal mit einem einzigen Fusionspartner. Nachdem das Ostermundiger Parlament im August den Gemeinderat beauftragt hatte, eine Heirat mit Bern zu prüfen, liegt nun seit Donnerstag bereits eine von beiden Exekutiven abgesegnete Roadmap vor: 2019 soll eine Machbarkeitsstudie erarbeitet werden, die es den beiden Parlamenten bis Mitte 2020 ermöglicht, einen Grundsatzentscheid zu fällen: Abbruch des Fusionsprojekts oder Weiterverfolgung.

Volk hat das letzte Wort

Findet die Option Fusion Mehrheiten, würde ein Fusionsvertrag ausgehandelt und Mitte 2023 den Stimmberechtigten von Bern und Ostermundigen vorgelegt. Nimmt das Volk die Fusion an, fänden im Herbst 2024 erstmals Wahlen in der vereinigten Gemeinde Bern-Ostermundigen statt.

Die Machbarkeitsstudie kostet 490'000 Franken, ein Siebtel davon – entsprechend dem Bevölkerungsanteil – übernimmt Ostermundigen, den Rest die Stadt. Dass der Stadtrat diesen Kredit gutheisst, ist praktisch sicher. Auch ausserhalb der Politik stösst der Fusionseifer auf Wohlwollen: Bernhard Emch etwa, Präsident des Handels- und Industrievereins Sektion Bern, hält es aus wirtschaftlicher Sicht für überfällig, dass «man effizientere Strukturen schafft, wenn das möglich ist». Allerdings, fügt er an, müssten Effizienzgewinne aus einer Fusion der Bevölkerung und der Wirtschaft zugutekommen und nicht, wie das die rot-grüne Stadt mitunter zu tun pflege, für neue Ausgaben entfremdet werden.

Die Strategen in Bern und Ostermundigen glauben sogar daran, dass ihr forsches Vor­wärtsgehen weitere Fusionslust weckt. Deshalb laden sie alle Agglomerationsgemeinden mit einem Brief ein, sich an der Machbarkeitsstudie zu betei­ligen.

«In aller Gelassenheit»

Angesichts der plötzlichen Euphorie fragt man sich, ob es überhaupt Fusionsgegner gibt. Thomas Iten, parteiloser Gemeindepräsident von Ostermundigen, hat, wie er sagt, diese Woche erstmals jemanden getroffen, der ihm klarmachte, er sei gegen eine Fusion. «Die schwierigen, auch emotionalen Themen werden noch kommen», sagt Iten. Aber das sei der Sinn des Prozesses, den Bern und Ostermundigen nun «auf Augenhöhe» begonnen haben: die offenen Fragen zu klären, danach Schritt für Schritt und «in aller Gelassenheit» die nötigen Entscheide zu fällen.

Berner Zeitung

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