Bern ohne RGM: Bürgerliche und Mitte wittern ihre Chance

Das Ende von Rot-Grün-Mitte weckt Hoffnungen bei den Bürgerlichen und in der Mitte. Allerdings unterschiedliche Hoffnungen.

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Ralph Heiniger

Aufgrund der jüngsten Entwicklungen habe ihn das Ende von RGM gestern nicht mehr wirklich überrascht, sagt FDP-Präsident Philippe Müller. «Es ist an der Zeit, dass sich die ehemaligen RGM-Partner selbst hinterfragen.» Mit ihrer Politik des rot-grünen Vorschlaghammers habe sich RGM nun sich selbst eingeholt.

Doch das sei nichts Schlechtes, findet der FDP-Präsident. «Das führt zu einer Revitalisierung der Politik und zu wechselnden Allianzen, und das ist gut für eine lebendige Demokratie.» Für die Bürgerlichen sei ein Ende von RGM eine grosse Gelegenheit. «Alle bürgerlichen Parteien sollten jetzt noch einmal miteinander reden», fordert Müller.

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«Hochmut kommt vor dem Fall.» Diese alte Weisheit ist SVP-Fraktionschef Roland Jakob als erstes in den Sinn gekommen, als er vom die Nachricht RGM-Aus vernommen hatte. «Die SP hat ihre eigenen Interessen höher gewichtet als die Koalition. Das zeigt, welche Art von Bündnispartner die SP ist.»

Zu den FDP-Avancen wegen einem grossen bürgerlichen Schulterschluss wollte sich Jakob nicht äussern. «Wir müssen zuerst sehen, wie es mit den Partnern des RGM-Bündnisses weitergeht.» Solange die nicht feststehe wer, wie, mit wem antrete, werde die SVP einfach beobachten.

Eine Chance für die Mitte

BDP/CVP-Fraktionschef Philip Kohli ist einerseits überrascht, sieht aber andererseits in dem Scheitern von RGM eine Chance für die Mitte-Liste mit BDP, CVP, GLP und EVP. «Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte», so Kohli.

Einen grossen bürgerlichen Schulterschluss hält er für unrealistisch. «In den letzten Wochen hat sich die Mitteliste gefestigt. Für uns macht es keinen Sinn, jetzt wieder alles über den Haufen zu werfen.» Zudem habe man mit den jetzigen Mittepartner gute Erfahrungen gemacht, sagt Kohli.

Auch GLP-Gemeinderatskandidatin Melanie Mettler sieht im Ende von RGM eine Chance für ihre eigene Partei. «Wir können uns jetzt als «M» in der Stadt Bern positionieren.» Inhaltlich ändere sich bei der GLP dadurch nichts. Und auch ich der Entscheid der GLP, gemeinsam mit CVP, BDP und EVP die Mitte-Liste zu bilden, werde deswegen nicht infrage gestellt.

«Wir haben der GFL seit Jahren das Angebot gemacht, gemeinsam die ökologische Mitte zu bilden, doch die GFL wollte das nicht.» Dafür sei der Zug – jedenfalls für die diesjährigen Wahlen – abgefahren. Die Mitte-Liste stehe bereits, «unser Handschlag gilt», sagt Mettler.

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