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«Bern muss über die Bücher»

Der Flughafen Bern-Belp müsse sich neu positionieren, sagen Aviatikexperten. Und sie prognostizieren: Skywork wird für lange Zeit die letzte Berner Airline gewesen sein.

Schockstarre im Belpmoos: Die Skywork-Flugzeuge bleiben am Boden, und der Fall der Berner Airline kommt vor Gericht.
Schockstarre im Belpmoos: Die Skywork-Flugzeuge bleiben am Boden, und der Fall der Berner Airline kommt vor Gericht.
Franziska Rothenbühler
Am Donnerstag geht nichts mehr: Die Flugzeuge von Skywork stehen auf dem Flughafen Bern-Belp still.
Am Donnerstag geht nichts mehr: Die Flugzeuge von Skywork stehen auf dem Flughafen Bern-Belp still.
Keystone
Skywork-CEO Martin Inäbnit konnte im Oktober 2017 das Ruder noch herumreissen. Nun sieht es aber nach einem definitiven Grounding aus.
Skywork-CEO Martin Inäbnit konnte im Oktober 2017 das Ruder noch herumreissen. Nun sieht es aber nach einem definitiven Grounding aus.
Raphael Moser
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Für Stefan Eiselin kommt nur der Zeitpunkt des Skywork-Groundings überraschend. «Man wusste, wie schwierig es ist, in Bern eine Fluggesellschaft zu betreiben», sagt der Chefredaktor des Luftfahrtportals Aerotelegraph. Skywork habe alles versucht – und sei ja nicht die erste Airline in Bern, die pleite gehe.

Der Fluggesellschaft sei es nie gelungen, ein Polster zu schaffen. «Es hat einfach immer gerade so gereicht.» Mehrmals hätten die Aktionäre Geld einschiessen müssen. Und die Aktienkapitalerhöhung von Ende August habe faktisch nicht mehr Geld reingespielt. «14,5 Millionen Franken Schulden wurden in Kapital umgewandelt.»

Immer Geldprobleme

Skywork habe immer unter Geldproblemen gelitten, sagt der Zürcher Aviatikjournalist. In der Expansionsphase mit Investor Daniel Borer zwischen 2011 und 2015 seien 70 Millionen Franken verbrannt worden. Danach habe der neue Airlinechef Martin Inäbnit einen vernünftigeren Ansatz gewählt. «Aber auch das hat nicht geklappt.»

«Solange es den Zug nach Zürich gibt, gibt es keinen Grund, ab Bern zu fliegen.»

Aviatikexperte Sepp Moser

Mit zum Verhängnis seien Skywork nun die Kerosinpreise geworden, die seit Anfang Jahr um 38 Prozent gestiegen seien. Für eine kleine Fluggesellschaft sei eine solche Zunahme sicher stark spürbar. Ein Schlag sei auch der Einstieg von Easyjet auf der Strecke Graz-Berlin gewesen, die auch Skywork angeboten hatte. «Damit gingen ihr viele Businesskunden verloren.»

Linienfliegerei ohne Zukunft

Nach dem Grounding von Skywork steht der Flughafen Bern-Belp ohne heimische Fluggesellschaft da. Eiselin ist sicher: «Das wird für lange Zeit so bleiben.» Für den Flughafen sei das Aus der einheimischen Airline brutal. «Ein Flughafen ohne Linienflüge wird generell stark abgewertet.»

Das Grounding bedeute für den Standort Bern-Belp nicht das Ende. «Der Flughafen muss nun aber über die Bücher und sich grundsätzlich überlegen, wie er sich positionieren will», so Eiselin. Für ihn ist es denkbar, dass die Businessfliegerei noch mehr an Bedeutung gewinnt. Bern könnte davon profitieren, dass Zürich überlastet sei. Für ein grosses Linienflugangebot sieht er in Bern keine Zukunft.

Bis jetzt war die nun gegroundete Skywork gemäss Flughafendirektor Mathias Gantenbein für 30 Prozent des Ertrags des Flughafens verantwortlich. Für Eiselin ist klar, dass der Flughafen Bern-Belp nun sparen muss. «Er kann nicht so weitermachen wie bisher.»

Die Realität anerkennen

«Bern braucht einen Flugplatz», sagt Aviatikexperte Sepp Moser. Das ansehnliche Volumen der Businessfliegerei, das saisonale touristische Angebot oder die Flugschulen rechtfertigten den Flughafen Bern-Belp durchaus.

Es sei auch gerechtfertigt, dass eine Airline den Flughafen anfliege. «Es kann durchaus sinnvoll sein, wenn beispielsweise eine belgische oder englische Fluggesellschaft anfliegt.» Zum Beispiel ein- oder zweimal täglich von Brüssel nach Bern zu fliegen, das könne funktionieren.

Als Heimbasis für eine Fluggesellschaft sieht er für Bern-Belp keine Zukunft. «Solange es den Zug nach Zürich gibt, gibt es keinen Grund, ab Bern zu fliegen.» Dies sei die Realität, die Bern nun endlich zur Kenntnis nehmen müsse.

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