Bern, möbliert

Neu öffnet die Turnhalle-Bar auch zur Hodlerstrasse hin, und seit Freitag ist die Mittelstrasse donnerstags und freitags am Abend autofrei. Hinter beiden Projekten steckt Ursula Wyss.

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Christoph Hämmann
Jürg Steiner@Guegi

Die «Aneignung des öffentlichen Raums» durch die Bevölkerung, wie sie Berns Stadtregierung, ­angeführt von Gemeinde­rätin Ursula Wyss (SP), propagiert, ist nicht mehr zu bremsen.

Nachdem Wyss vor drei Wochen an der Kreuzung Schwarztor-/Monbijoustrasse unter dem Titel «Pop-up Bern» gezeigt hat, wie auch kleine öffentliche Flächen aufgewertet werden können, poppte diese Woche an der Hodlerstrasse schräg vis-à-vis dem Kunstmuseum ein Podest mit ­Tischen und Stühlen auf.

Die treibende Kraft dahinter: natürlich Wyss und ihr Tiefbauamt. Der grössere Zusammenhang: Entlang des Progr wurden die Parkplätze aufgehoben, in einer Vorstudie wird derzeit eine Verengung der Fahrbahnen und die Einführung von Tempo 30 geprüft. Schliesslich sieht das Entwicklungskonzept Schützenmatte auch eine Aufwertung der Hodlerstrasse vor.

Dafür ist das Turnhalle-Podest allenfalls ein Mosaiksteinchen. Das Projekt sei zunächst als zweimonatiger Pilot angelegt, sagt Ursula Wyss. «Wir beginnen – wie immer – klein, probieren aus, was funktioniert und was nicht.»

Selfservice hinter dem Progr

Dafür habe sich die Turnhalle gern einspannen lassen, sagt Michael Fankhauser, Mitglied der Geschäftsleitung. «Wir begrüssen die Idee, dass es in der Innenstadt mehr Platz für Fussverkehr und mehr Orte zum Verweilen hat, und wir finden eine belebtere Hodlerstrasse eine spannende Vorstellung.» Man müsse aber realistisch sein, findet er. «Wir haben einen wunderschönen Hof, in dem der ganze Tag die Sonne scheint – da hat es die Hodlerstrasse nicht einfach.»

Dennoch freue er sich bereits nach wenigen Tagen über die «angenehme Begleiterscheinung», dass die Turnhalle dem Kunstmuseum, dem Caffè Roma und dem Restaurant Bay an der Hodlerstrasse sowie dem Kapitel am Bollwerk näher gekommen sei. «Wir merken, dass wir Partner haben, und haben uns darauf verständigt, uns gemeinsam über die Perspektiven für die Hodlerstrasse auszutauschen.»

An den neuen Tischen auf der Progr-Rückseite wird laut Fankhauser Selbstbedienung herrschen. Er sei gespannt, wie es sich auf den Betrieb in der Turnhalle auswirke, wenn bei den Türen, die erst seit der Progr-Sanierung vor sechs Jahren überhaupt existieren, plötzlich Leute ein und aus gingen. Bisher seien sie vor allem für die Anlieferung von Ware fürs Restaurant und von Bandequipment genutzt worden.

Mediterrane Mittelstrasse

Die nächste Entwicklungsstufe der frenetischen Aussenmöblierung der Stadt Bern weihte Ursula Wyss am Freitag in aufgeräumter Stimmung zur Apérozeit in der Länggasse ein.

Ein Teil der dicht bevölkerten Begegnungszone Mittelstrasse – im Bereich von Gelateria und Sattler – wird ab sofort am Donnerstag- und Freitagabend zwischen 17 und 24 Uhr für den Verkehr gesperrt. Versuchsweise bis 21. September. Die Quartierkommission Länggasse-Engehalbinsel will Erfahrungen sammeln mit der Flanierzone ­– und der Umleitung des Verkehrs.

Vis-à-vis der Bäckerei Glatz an der Mittelstrasse 9 installierte die Stadt auf zwei Parkplätzen zudem eine etwas frei schwebende Freiluftlounge – bepflanzt mit einem exotisch anmutenden Palmengewächs.

Offenbar geht in der Stadtgärtnerei langsam der Vorrat an einheimischen Pflanzen für die umfassende Bespielung des öffentlichen Raums aus. Und so weit, dass Palmen wachsen, ist die Mediterranisierung an der wohligen Wärme in den Begegnungszonen im rot-grünen Bern doch nicht. Oder noch nicht.

Berner Zeitung

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