Berge statt Beizen in der Markthalle

Bern

Keine mediterrane Oase am Bubenbergplatz: Ab Herbst 2019 verkauft der Outdoorausrüster Transa in der Markthalle Handschuhe, Mützen, Regenkleider, Funktionsunterwäsche, Zelte und Kletterutensilien.

Mediamarkt zieht aus, Transa übernimmt: Sesselrücken in der Berner Markthalle im ersten Quartal 2019 (Archivbild/Urs Baumann)

Mediamarkt zieht aus, Transa übernimmt: Sesselrücken in der Berner Markthalle im ersten Quartal 2019 (Archivbild/Urs Baumann)

Jürg Steiner@Guegi

Die Stadt Bern liegt in den Bergen. Eben erfocht das Alpine Museum seine Weiterexistenz. Gestern gaben der aktuelle Mieter Media-Markt und sein Nachfolger, der Freizeitausrüster Transa, bekannt, dass die Markthalle am Bubenbergplatz zum Erlebnis- und Shoppingparadies für die Outdoorszene wird. Das Schweizer Unternehmen Transa, 1977 von Wüstenfreaks in einer Zürcher Wohngemeinschaft gegründet, übernimmt die Markthalle als Generalmieter.

Wie genau die Markthalle bespielt werde, stehe noch nicht fest. Orientieren wird man sich am «Flagshipstore» in der Europaallee beim Hauptbahnhof in Zürich, wo Transa sein immenses Sortiment auf einer Ladenfläche von 3000 Quadratmetern ausbreitet und mit einer Kletterwand die Affinität zu den Bergen zelebriert.

«Beste Nachfolgelösung»

Der Transa-Einzug macht klar: Das Revival der Markthalle als multikultureller Gastro- und Genussort ist tot. Nachdem Media-Markt den Rückzug angekündigt hatte, wollte die Migros einen «Mikrokosmos kreativer Gastronomiekonzepte» aufleben lassen. Alle waren begeistert, weil das eine Belebung des Bubenbergplatzes versprach. Im Mai 2018 warf die Migros allerdings das Handtuch.

Der Arzt Hans Merki, Gründer der ursprünglichen Markthalle, hält die Nachfolgelösung mit Transa «für die mit Abstand beste». Sofern man, wie er anfügt, sich mit der Realität abfinde, dass niemand bereit sei, das Geld in die Hand zu nehmen, um die Markthalle zu revitalisieren.

Transa nennt keine Zahlen. Aber Merki ist dezidiert der Meinung, es sei ein Unternehmen, das zu Bern passe. Den finanzkräftigen Transa-Mehrheitsbesitzer, den am Murtensee lebenden Berner Unternehmer Beat Zaugg, habe er als Machertyp und Sympathieträger kennen gelernt. Deshalb sei es für die Vermieterin Markthalle Cityhof AG keine Frage gewesen, «nicht die finanziell attraktivste Variante zu wählen, sondern die in unseren Augen für die Stadt Bern nachhaltigste Lösung».

«Ein urbanes Bedürfnis»

Sven Gubler, Direktor der Innenstadtvereinigung Bern City, bewertet die Umnutzung der Markthalle zum Outdoortempel positiv. Auch wenn klar sei, dass der Belebungsfaktor im Vergleich zur klassischen Markthalle-Idee wohl geringer sei. Nach Ladenschluss wird es in der «Transa-Outdoorwelt» dunkel.

«Aber», so Gubler, «Outdoor ist im Trend und ein urbanes Bedürfnis, deshalb bringt Transa einen guten Branchenmix an den Bubenbergplatz.» Gubler traut es Transa-CEO Daniel Humbel, einst Weltenbummler, Matrose und Koch, zu, etwas vom Markthalle-Geist im Berner Store unterzubringen. Vorläufig sagt Humbel nur: «Transa ist schon länger auf der Suche nach einem grösseren Standort in Bern», das Einzugsgebiet reiche bis ins Wallis und in die Romandie.

Anstatt Cappuccini wird man in der Markthalle ab Herbst 2019 ausgeklügelte Minikaffeemaschinen kaufen, mit denen man sich nach einer Gletschernacht im Zelt auf der Hightech-Isolationsmatte einen Espresso braut, der einen aus dem Mumienschlafsack katapultiert. Aber: Wie nachhaltig ist der Ausbaukurs von Transa? Erst 2017 wurde in der Filliale Luzern die Verkaufsfläche verdoppelt. In Bern will man sogar den bisherigen Laden an der Aarbergergasse «bis auf weiteres» behalten.

Guerilla-Personalsuche

Transa-CEO Humbel baut gegen den grassierenden Onlinehandel aufs Personal. Transa-Angestellte testen auch die abgefahrensten Produkte selber. Sie legen sich im Mekong-Delta unters Moskitonetz, trinken im finnischen Winter aus der plastikfreien Isolierkanne. Und clever: Mit ökologischem Engagement bricht Transa die moralischen Bedenken vor Reisen ans andere Ende der Welt, die in einer rot-grünen Stadt wie Bern aufkommen müssten.

50 bis 60 Personen will Transa in Bern neu anstellen, und man muss auf PR-Gags gefasst sein: In Zürich suchte Transa mit einer Guerillaaktion Personal, indem sie in der Stadt Holzpfähle mit Abreisszetteln platzierten. Media-Markt schliesst am 2. Februar, alle 33 Mitarbeiter sollen ein Angebot erhalten, in einer anderen Filliale weiterzuarbeiten.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt