Benedikt Weibel verlässt die Bühne

Bern

Benedikt Weibel gibt sein Amt als Präsident von Konzert Theater Bern ab – mit pikanten Folgen. Unabhängig davon stellen sich Fragen zur Rolle des Stiftungsrats bei der Absetzung von Schauspielchefin Stephanie Gräve.

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Oliver Meier@mei_oliver

Benedikt Weibel geht. Unab­hängig von den jüngsten Ereignissen um die Absetzung der Schauspielchefin. «Ja, ich gebe mein Amt in diesem Jahr ab. Über meine Nachfolge wird die Wahlbehörde zu gegebenen Zeit informieren», sagt der Stiftungsratspräsident auf Anfrage. Weibel wird dieses Jahr 70-jährig, seit 2012 steht er an der Spitze des Gremiums. Die genauen Gründe für den Abgang, der sich seit längerem abzeichnete, sind unklar. Eine eigentliche «Altersguillotine» für Stadtvertreter im Stiftungsrat gibt es jedenfalls nicht.

Wer tritt die Nachfolge an? Gut informierte Quellen wissen, dass der abtretende Stadtpräsident Alexander Tschäppät Ambitionen auf das Amt an der Spitze von Berns grösstem Kulturbetrieb kundtat. Im Stiftungsrat favorisierte man jedoch den bisherigen Vize Marcel Brülhart. Tschäppät will sich dazu nicht äussern.

Die Personalentscheide würden «zu gegebener Zeit» kommuniziert, lässt der Stadtpräsident ausrichten. Klar ist: Mit Brülhart würde ein brillanter Kopf an die Spitze gewählt, der auch in der Dach­stiftung von Kunstmuseum und Zentrum Paul Klee eine entscheidende Rolle spielt. Brülhart gilt als harter Schaffer, der lieber hinter den Kulissen arbeitet, als sich im Glanz des Premierenlichts zu sonnen.

Wer darf bestimmen?

Die Personalie hat kulturpolitisch eine pikante Note: Bis im Sommer letzten Jahres war Weibel als zweiter Kantonsvertreter neben Vizepräsident Marcel Brülhart im Amt, seither sitzt er als Stadtvertreter im Stiftungsrat. Der Grund: Die Stadt ist durch das kantonale Kulturförderungsgesetz zur Hauptsubventionsgeberin geworden – und Letztere darf den Präsidenten bestimmen. Eigentlich. Tschäppät könnte sich allerdings kaum selbst ins Amt hieven.

Unklar ist, ob weitere Mitglieder des Stiftungsrats ebenfalls abtreten. Geäussert hat sich bisher nur Guy Jaquet, der als Orchestervertreter im Stiftungsrat bleiben will, wie er auf Nachfrage erklärt.

Konflikte über Monate

Zu reden gibt die Rolle des Stiftungsrats beim Eklat um die Schauspielchefin Stephanie Gräve, die vor zwei Wochen per sofort freigestellt wurde. Der Stiftungsrat von Konzert Theater Bern hat weitreichende Kompetenzen bei der Verpflichtung und Absetzung von Personen auf der «zweiten Hierarchieebene», zu der die Spartenleiter gehören. Die Kompetenzen, die nach Auseinandersetzungen in der Ära von Intendant Marc Adam erweitert wurden, bringen allerdings auch eine zusätzliche Verantwortung mit sich. Vor diesem Hintergrund muss sich der Stiftungsrat Fragen gefallen lassen, sowohl was die Rekrutierung von Stephanie Gräve als auch was die Nichtkommunikationspolitik nach deren Absetzung betrifft.

Neue Erkenntnisse machen deutlich, dass sich die Auseinandersetzung zwischen dem Intendanten Stephan Märki und der Schauspielchefin über Monate hinweg anbahnte, im Januar aber entscheidend zuspitzte. Märki und Gräve hatten offenbar ziemlich unterschiedliche Vorstellungen von Theater, was auch im Spielplan zum Ausdruck kommt – Gegenwartstheater hatte beim Schauspiel zuletzt kaum mehr ein Gewicht. Reibungen gab es auch bei Kompetenzfragen.

Umso mehr fragt man sich, wie gründlich die Abklärungen bei der Verpflichtung Gräves wirklich waren – auch aufseiten des Stiftungsrats.

Skepsis beim Experten

Die Kommunikationspolitik des Stiftungsrats kommt bei Experten nicht besonders gut an. «Bei heiklen Personalentscheiden gibt es oft plausible Gründe, möglichst wenig zu kommunizieren. Allerdings muss man in solchen Fällen wenigstens das Schweigen nachvollziehbar erklären. Verständnis schaffen statt abwiegeln, lautet die Devise. Ansonsten entsteht Misstrauen», sagt Kommunikationsberater Roland Binz, der unter Benedikt Weibel als SBB-Sprecher amtierte.

«Eine Institution, die vom Goodwill der öffentlichen Hand und des Pu­blikums abhängt, muss sorgfältig abwägen, ob und wie viel Intransparenz sie sich leisten kann», sagt Binz. Und: «Nichtkommunikation ist eine Illusion. Früher oder später werden die Fakten publik. Nur wird das Getöse am Ende viel lauter sein. Und die betroffenen Exponenten müssen erfahrungsgemäss mehr preisgeben als bei einer von Beginn weg offeneren Kommunikation.» Benedikt Weibel will die Ratschläge von Roland Binz auf Anfrage nicht kommentieren.

Berner Zeitung

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