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Belpberg: Eine Gemeinde ohne Dorfleben?

Belp und Belpberg verhandeln über eine Fusion. Was aber verbirgt sich hinter der kleinen Gemeinde Belpberg auf 800 Metern Höhe, das keine Einkaufsmöglichkeiten bietet, wo kein Postauto fährt und keine Kirche im Dorf steht?

Nicht nur Bauernhöfe prägen Belpberg. Die Gemeinde baut seit einigen Jahren neue Siedlungen
Nicht nur Bauernhöfe prägen Belpberg. Die Gemeinde baut seit einigen Jahren neue Siedlungen
Andreas Blatter

Südöstlich von der Stadt Bern, auf dem Rücken des gleichnamigen Bergs, liegt die Gemeinde Belpberg. Bauernhöfe prägen das Ortsbild, und Landstrassen verbinden die Bauernhöfe. Eine davon führt hinauf zum Chutzen, dem Aussichtspunkt auf 892 Metern Höhe. Das einzige Restaurant von Belpberg steht auf dem Chutzen und heisst auch «Chutzen». Für einen Franken können die Besucher die Aussicht per Fernrohr geniessen. Auch ohne Vergrösserung zu sehen sind die weiten Felder, zerklüfteten Weiler, dichten Wälder und im Hintergrund die Berge. Einsam und still ist es an diesem Wintermorgen auf dem Chutzen. Für Überraschung sorgt einzig ein Gedenkstein, den die Vereinigung Pro Liberate im Oktober 1964 zu Ehren von John F.Kennedy gesetzt hat.

«Hier läuft nicht viel»

«Nein, Kennedy war nie auf dem Chutzen», sagt der Gemeindeschreiber Werner Strasser mit einem herzhaften Lachen. Der 60-Jährige kennt seine Gemeinde und weiss, was in Belpberg läuft - nämlich «nicht viel». Seine Gemeinde sei eine Streusiedlung und werde vorwiegend von Bauernhöfen geprägt. Die 420 Einwohner verteilen sich grösstenteils auf die Weiler, seit den letzten Jahren aber auch auf neue Siedlungen. «Die Landi hat geschlossen, Post und Käserei gibt es nicht mehr, und wir haben keinen Anschluss an den öffentlichen Verkehr.»

Aber ein Baukran prägt das ländliche Bild. In den letzten fünf Jahren seien im Hangarten acht neue Terrassenhäuser gebaut worden, berichtet der Gemeindeschreiber. «Aber ein Dorf sind wir trotzdem nicht geworden.» Es gebe eine Kluft zwischen den langjährigen Bauernfamilien und den Neuzuzügern. «Oft wird man zu einer Zielscheibe, wenn den Einwohnern etwas nicht passt», sagt Strasser. Der besonnene und fröhliche Gemeindeschreiber wird nachdenklich, wenn er an Unstimmigkeiten zurück denkt. Vor Jahren sei ein Zwist zwischen ihm und Einheimischen entstanden. «Ich musste meinen Posten verteidigen. Da habe ich mir gesagt, dass ich meine Stelle nicht so einfach hergebe.»

«Büro wie im Ballenberg»

Seit 33 Jahren arbeitet und lebt er in Belpberg. Betritt man sein Büro, scheint es, als ob die Zeit stehen geblieben ist. «Wie im Ballenberg», kommentiert der Gemeindeschreiber das Staunen der Besucher. Altmodische, grau gesprenkelte Leitzordner stehen auf Holzregalen. Die Tische sind mit Papierstapeln belegt, und Kartonschachteln dienen als Archiv. Stünden nicht noch Computer, Drucker und Faxgerät im Raum, könnte man sich tatsächlich im Museum wähnen. Eine mechanische Schreibmaschine steht auf dem Pult. Manchmal schreibe er kurze Notizen lieber auf «der Mechanischen», bestätigt Strasser. Er lächelt und schlägt zum Beweis auf die Tasten. «Mit diesem altmodischen Büro wäre es an der Zeit, dass wir fusionieren.» Am langen Tisch tagt jeweils der fünfköpfige Gemeinderat. Werner Strasser führt Protokoll, erledigt die Korrespondenz und ist Kassier. «Ich habe einen speziellen Job», sagt er.

«Ich bin Generalist»

«Ich habe keine Ahnung, wo man mich nach einer Fusion platzieren würde. Ich bin Generalist, die sind heute nicht mehr gefragt», sagt Strasser.

Es ist Mittag geworden. Ein Ehepaar fährt seinen Wagen aus der Garage. Sonst bleibt es still. Werner Strasser schliesst sein Büro ab. Das Gemeindebüro ist nur halbtags geöffnet, der Gemeindeschreiber hingegen ist jederzeit telefonisch erreichbar.

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