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Beizen beleben die Hodlerstrasse

Neue Gastrobetriebe werten die Berner Hodlerstrasse auf. Nun verlangt die grüne Stadträtin Stéphanie Penher, dass die Stadt mit der Verkehrsberuhigung vorwärts macht.

In diesem preisgekrönten Haus hat am Dienstag das Restaurant Bay eröffnet. Im Bild die Inhaberin Christina Bridel (39). Es ist das zweite Gastrolokal an der Hodlerstrasse.
In diesem preisgekrönten Haus hat am Dienstag das Restaurant Bay eröffnet. Im Bild die Inhaberin Christina Bridel (39). Es ist das zweite Gastrolokal an der Hodlerstrasse.
Nicole Philipp
Das erste war das Caffè Roma, das seit Mai 2017 mit Kaffeekunst hierher lockt. Was die Gastronomen nun tun, möchte die Politik schon lange: Die Hodlerstrasse soll belebt und aufgewertet werden.
Das erste war das Caffè Roma, das seit Mai 2017 mit Kaffeekunst hierher lockt. Was die Gastronomen nun tun, möchte die Politik schon lange: Die Hodlerstrasse soll belebt und aufgewertet werden.
Claudia Salzmann
So sah das Kunstprojekt «Café neuer Raum» 2012 aus, das von Sozialraumplastiker Tinu Beutler, dem Kunstmuseum und dem Progr durchgeführt wurde. Berner sollten mit einem Apéro den neuen Raum entdecken.
So sah das Kunstprojekt «Café neuer Raum» 2012 aus, das von Sozialraumplastiker Tinu Beutler, dem Kunstmuseum und dem Progr durchgeführt wurde. Berner sollten mit einem Apéro den neuen Raum entdecken.
zvg
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Seit dieser Woche kann man in der Hodlerstrasse gediegen essen: Am Dienstag wurde das Restaurant Bay eröffnet. Es befindet sich von der Strasse etwas nach hinten versetzt zwischen Kunstmuseum und Brillengeschäft ­Futura Optic. «Ich bin begeistert vom Standort», sagt die Inhaberin Christina Bridel. Das zweistöckige Gastrolokal, das sich in einem preisgekrönten Haus befindet (siehe Box), dürfte Leute in die Hodlerstrasse locken. Die Strasse ist zwar zentral gelegen, gilt aber als unbelebter Ort.

Caffè Roma machts vor

Mehr Erfahrungen in dieser Zone hat das Caffè Roma. «Wir eröffneten vergangenen Mai, und ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass wir die Hodlerstrasse verändert haben. Je mehr es hier gibt, umso mehr Leute kommen», sagt Maurizio Piccirilli, der es mit drei Partnern führt. Ihre Kunden seien froh, gebe es endlich ein Lokal. Als Hingucker hat man Tische aufs Trottoir gestellt und rote Storen montiert. «Autofahrer entdecken uns so und kehren irgendwann ein», so der 42-Jährige.

Sonntags profitiere er vom Kunstmuseum nebenan, das teilweise Besucher rüberschicke. Am Wochenende kämen Nachtschwärmer auf einen Drink, bevor sie in umliegende Clubs am Bollwerk gehen. «Wir haben alle so unterschiedliche Konzepte und nehmen uns nicht die Gäste weg», sagt Piccirilli. Einer dieser Clubs ist das Kapitel, das im Sommer den Kleeplatz am Ende der Hodlerstrasse als Terrasse nutzt. Dieses Jahr seien auch wieder Flohmärkte und WM-Public-Viewing geplant, sagt Diego Dahinden, Kapitel-Inhaber.

Die Aufwertung der Hodlerstrasse sah auch eine Motion aus dem Jahr 2012 vor, die teilweise überwiesen wurde. Die Motionärinnen Stéphanie Penher und Judith Gasser (beide Grünes Bündnis) sinnierten darin unter anderem über einen Umbau des Kulturzentrums Progr, damit die dahinterliegende Strasse einladender werde. Unterstützt wurden sie vom Sozialraumplastiker Tinu Beutler, der mit dem Kunstprojekt «Café neuer Raum» zum Apéro auf dem Trottoir lud und so Leute anlockte. «Wo Leute sind, fühlt man sich wohler. Das hat unser Projekt damals bewiesen», sagt Tinu Beutler. Dass ein zweites Restaurant aufmacht, findet er sehr gut.

In dieser Gegend halten sich auch Drogenabhängige und Obdachlose auf. Für die Gassenarbeiter von Pinto, die sich um sie kümmern, findet Maurizio Piccirilli positive Worte. «Manchmal ist ein Drogenabhängiger da, aber das ist nicht wöchentlich der Fall.» Auch mit der Drogenanlaufstelle hat er keine Probleme. «Die Stadt organisiert zweimal jährlich ein Treffen mit ihnen, Security, Polizei, Pinto und uns Anrainern, wo wir uns austauschen können», sagt der gebürtige Italiener.

Mit Schütz entwickeln

Wer als Passant hier entlanggeht, an dem braust Verkehr vorbei. Den motorisierten Individualverkehr stillzulegen, sahen die Motionärinnen nie als Lösung, da viel Verkehr aus der Altstadt durch die Hodlerstrasse weggeleitet wird. Hingegen könnte eine Entschleunigung Vorteile bringen. «Der Verkehr stört mich gar nicht. Viele unserer Gäste sind überrascht, dass es hier relativ ruhig ist», sagt Piccirilli. Er würde eine 30er-Zone begrüssen, so hätten die Autofahrer Zeit, das Lokal zu betrachten.

Christina Bridel hatte keine Kenntnis vom Vorhaben der Politik. «Umso besser, wenn es eine Entschleunigung gibt. Für uns spielt es allerdings keine Rolle, wir hätten das Restaurant so oder so aufgemacht.» Für Diego Dahinden vom Kapitel ist klar: «Langsamerer Verkehr bedeutet leiser Verkehr, was wir begrüssen.»

Die Aufwertung der Hodlerstrasse hat der Gemeinderat ins Entwicklungskonzept Schützenmatte aufgenommen. Zwei Möglichkeiten, sie aufzuwerten, sind hingegen gescheitert: Erstens, hätte die Drogenanlaufstelle mit einem weiteren Lokal entlastet werden sollen. Die Standortsuche erwies sich als schwierig und wurde aufgegeben. Zweitens wurde das Kulturzentrum Progr zwar so umgebaut, dass man auf Seite Hodlerstrasse aufmachen könnte. Doch das Ausgehlokal wandte sich dem Innenhof zu, baute diesen aus und konzentriert seine Gastrotätigkeit dort.

Die Forderung, die Parkplätze entlang des Progr aufzuheben, wurde indes umgesetzt. Nun geht es darum, Fahrbahnen zu verschmälern und Tempo zu reduzieren. Derzeit läuft die Vorstudie, und eine allfällige Umsetzung ist fürs Jahr 2025 geplant. «Wenn die Gastronomie vorwärtsmacht, sollte das auch die Stadt tun. Wir müssen diese Dynamik jetzt nutzen, die Gastrobetriebe haben vielleicht nicht sieben Jahre Luft», sagt Stéphanie Penher.

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