«Beim zweiten lauen Lüftchen wurde Hofer geopfert»

Bern

Support für Stefan Hofer: Sein Geschäftspartner verteidigt den SVP-Politiker, der seine Gemeinderatskandidatur zurückgezogen hat. Und er kritisiert den SVP-Präsidenten Rudolf Friedli.

War nur für kurze Zeit SVP-Gemeinderatskandidat: Stefan Hofer.

War nur für kurze Zeit SVP-Gemeinderatskandidat: Stefan Hofer.

(Bild: zvg)

Christoph Hämmann

Am Tag nach seinem Rückzug als SVP-Gemeinderatskandidat ging Stefan Hofer am Mittwoch auf Tauchstation. Hinter ihm lag eine turbulente Woche: Erst war seine Vergangenheit als Inhaber und Geschäftsführer eines Bordells bekannt geworden, ehe ­ihm am Dienstag vorgeworfen wurde, er vermiete im Löwen Münchenbuchsee Zimmer zu überteuerten Preisen an Sozialhilfeempfänger. Am gleichen Tag forderte ihn SVP-Präsident Rudolf Friedli zum Rückzug auf. Seither ist auf der Fünferliste der SVP wieder eine Linie frei.

Während Hofer am Mittwoch schwieg, meldete sich dessen Geschäftspartner und Architekt Reto Amonn bei dieser Zeitung – erzürnt über die Berichterstattung der Medien sowie über die Art und Weise, wie sein Compagnon von der SVP abgesägt worden sei. Hofer sei ein erfolgreicher Unternehmer, der sich nichts habe zuschulden kommen lassen.

«Die Mieten in Münchenbuchsee von monatlich 640 Franken sind kein Wucher», sagt Amonn. «Es handelt sich um möblierte Hotelzimmer mit Internet- und TV-Anschluss, in denen den Gästen regelmässig das Bett gemacht wird. Wo findet man das sonst für 20 Franken pro Nacht?» Viele Mieter seien Personen, die temporär in der Region arbeiteten und froh um die Übernachtungsmöglichkeit im Löwen seien.

Das Haus sei tatsächlich nicht in gutem Zustand, räumt Amonn ein. «Wir wollen schon lange renovieren, ich selber leite das Projekt.» Wegen laufender Verhandlungen mit dem kantonalen Denkmalpfleger sei dieses jedoch derzeit blockiert. «Vor diesem Hintergrund investieren wir natürlich bis auf weiteres nicht in das Haus.»

«Tomaten auf den Augen?»

Laut Amonn «weiss in Bern jedes Kind, dass Stefan Hofer vor zehn Jahren bei der Kontaktbar Kleopatra Geschäftsführer war». Auch Parteipräsident Friedli müsse davon gewusst haben, sagt Amonn. «Und wenn er es nicht gewusst hat, ist er nicht fähig, Parteipräsident zu sein.» Wer eine halbe Stunde recherchiere, wisse über Hofers Milieu-Vergangenheit Bescheid. «Entweder hat Friedli kein Internet, oder er hat Tomaten auf den Augen.»

Verständnislos beobachtete Amonn, wie Friedli erst zu Hofer gehalten habe, um ihn dann wegen einer «Null-Geschichte» aufzugeben. «Beim zweiten lauen Lüftchen wurde Hofer geopfert», so Amonn. «Wie schwach ist ein Präsident, der auf diese Weise einknickt?»

Berner Zeitung

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