Beim Scherzbold und Bergvogt

Hans Ulrich Schaad ­berichtet vom Bergsommer. Diesmal traf er Chrigu Haueter, den Bergvogt der Alpkooperation Morgetenberg.

Sie tauchte überraschend auf: Eine Schaufensterpuppe überwachsen mit Moos. Beim Alpaufzug mit den Kühen der Familie Siegenthaler am 1. Juni entdeckte ich die Puppe auf einem Felsen mitten im Bergbach und fragte: Welcher Scherzbold hat sie wohl dorthin gestellt?

Der Scherzbold hat sich bei mir gemeldet. Er heisst Chrigu Haueter und bewirtschaftet seit 25 Jahren die Alp Mittlist Morgete (www.morgeten.ch). Es sei Kunst im öffentlichen Raum – an einem Ort, wo niemand damit rechnet, sagt Haueter, der auch Bilder malt.

Chrigu Haueter ist nicht nur der Scherzbold mit der Schaufensterpuppe, sondern auch Bergvogt. So wird der Präsident der Alpkooperation Morgetenberg genannt. Hansueli und Rosmarie Siegenthaler loben Bergvogt Haueter, ohne den vieles nicht so wäre wie heute. Haueter ist massgeblich dafür verantwortlich, dass die vier Alpen, die zur Kooperation zählen, mit Strom und Wasser versorgt sind und über eine Zufahrt verfügen. Seit 1996 liefert ein eigenes kleines Wasserkraftwerk Energie.

Das Wasser der Quelle wird hoch auf den Berg gepumpt. «Ohne dieses Pumpwerk wäre es in diesem Sommer eng geworden», fügt Haueter an. Wasser hätte wegen der anhaltenden Trockenheit ­hinauftransportiert oder Vieh heruntergeholt werden müssen. Für die verschiedenen Projekte hat er auch das Foundraising gemacht.

400 Hektaren und 4 Alpbetriebe umfasst die Kooperation Morgetenberg. Sie sei schon mehrere Jahrhunderte alt, sagt Haueter. So ist in einem Dokument von 1755 genau geregelt, dass die Weiden nicht übernutzt werden sollen und wie viele Tiere gesömmert werden dürfen. Das ist heute nicht anders.

«Man achtet darauf, dass die Nutzung nachhaltig ist.» Die Mitgliedschaft in der Kooperation ist an ein Grundstück im Tal gebunden und nicht an Tiere. So halten nur noch fünf der gut dreissig Mitglieder der Kooperation heute selber Tiere. Die Kooperation entscheidet, wer eine Alp bewirtschaftet.

Haueter erklärt, dass der Strukturwandel auch bei der Alp­bewirtschaftung zu spüren sei. Mit der Eröffnung des Kiosks auf dem Morgetenpass vor rund 25 Jahren habe er den Agrotourismus in die Gegend gebracht. Ein neuer Stall auf dem Mittelbärg ermöglichte zudem, die nicht mehr genutzten Gebäude in einige Unterkünfte umzunutzen.

«Alles hat klein angefangen. ­Vorher kamen kaum Touristen hierhin», blickt Haueter zurück. Er ist auch Initiant des Via Casea. Diese Hinweistafeln an verschiedenen Orten auf dem Morgetenberg erklären das Käsen und die Alpwirtschaft. Chrigu Haueter: «Was man nicht sieht, weiss man nicht.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt