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Beim Samichlous

Heute ist der 6. Dezember. Hochsaison für den Samichlous, den Schmutzli und ihre zahlreichen Helfer. Im Waldhaus bei Oberwangen empfangen sie ihren Besuch.

Hinter dieser Türe bereiten sich der Samichlous und der Schmutzli auf den ihren grossen Tag vor. Fotos: Beat Mathys
Hinter dieser Türe bereiten sich der Samichlous und der Schmutzli auf den ihren grossen Tag vor. Fotos: Beat Mathys

Das Häuschen liegt etwas versteckt an einem Weg im Wald oberhalb von Oberwangen. Daneben steht ein Unterstand – etwa für Forstarbeiter? Aber nein, die hölzerne Tür ist liebevoll mit Tannenästen und Lichtlein dekoriert. Hier empfängt der Samichlous zusammen mit dem Schmutzli und dem Esel jeweils im Dezember seine Gäste.

Im Waldhaus drin ist es wohlig warm, im Cheminée prasselt ein Feuer, und eine Reihe Laternen hängt über dem langen Tisch. Die Wände sind bedeckt mit Kinderzeichnungen, dazwischen hängen Nuggis. «Für viele Eltern ist es hilfreich, wenn die Kinder ihre Nuggis dem Samichlous abgeben können», erklärt der Samichlous die ungewöhnliche Dekoration. Einen aber lasse er zur Sicherheit jeweils im Milchkasten zurück.

Der Samichlous und der Schmutzli vor ihrem grossen Einsatz.
Der Samichlous und der Schmutzli vor ihrem grossen Einsatz.

Der Samichlous und seine Helfer wohnen aber nicht etwa im Waldhaus, sondern etwas weiter im Wald, dort, wo nicht jeder sie findet. «Sonst hätten wir nie Ruhe», sagt der Samichlous, der seinen Job seit 33 Jahren macht. Er gehört zur Samichlous­zunft Bärn, die seit 1985 in der Region Bern Besuche macht. Momentan ist Hochsaison.

Vom ersten Advent an bis etwa zum dritten Advent stehen Besuche bei Familien, in Schulen, Kindergärten, Spitälern und Altersheimen an. Immer in Begleitung von Schmutzli, manchmal kommt auch das Eseli mit. Damit dieses immer zur rechten Zeit am rechten Ort ist, hat der Samichlous Hilfe vom «Maa», der den Esel betreut und transportiert.

Das alles schafft der Sami­chlous nicht allein, deshalb sind eine Menge Chlöise unterwegs. Doch welcher ist der richtige? «Für jedes Kind ist derjenige Samichlous der richtige, welcher seine Familie besucht. Alle anderen sind Helfer, die ja nötig sind, weil ein einzelner Samichlous nicht alle Kinder besuchen kann.» So sei es auch kein Pro­blem, wenn beim Samichlous-Auszug in der Berner Kram­gasse am ersten Advent eine ganze Gruppe von Chlöisen und Schmutzli da sei.

Zwischen den Seiten des grossen Samichlous-Buchs stecken Zeichnungen, Erinnerungen, Fotos und Informationen zu unzähligen Kindern.
Zwischen den Seiten des grossen Samichlous-Buchs stecken Zeichnungen, Erinnerungen, Fotos und Informationen zu unzähligen Kindern.

Im Waldhaus zückt der Sami­chlous sein grosses Buch. Das kommt mit zu den Familien heim. Zwischen den Seiten stecken Zeichnungen, Erinnerungen, Fotos und Informationen zu unzähligen Kindern. Dort steht nämlich, was die Kinder können und wo sie sich noch verbessern könnten. Der grösste Kritikpunkt ist bei fast allen Kindern das Aufräumen.

«Das war schon immer so und ändert sich auch im Zeitalter der digitalen Spielzeuge nicht», sagt der Samichlous. Wenn gelobt und getadelt worden ist, können die Kinder ihr Versli aufsagen oder etwas anderes darbieten, das sie einstudiert haben. Einmal habe ein Kind etwas auf einem Keyboard vorspielen wollen – im Waldhaus vom Samichlous gibt es aber keinen Strom. «Ich sagte dem Kind, es solle trotzdem spielen, ich würde die Melodie dann in meinem Kopf hören», erinnert sich der Samichlous.

Zur Belohnung gibt es ein Chlousesäckli mit Nüssen, Mandarinli, Schokolade und einem Lebkuchen. 2500 Lebkuchen haben er und seine Helfer im Vorfeld gebacken, dazu 1200 Säckli abgefüllt. Ruten wie früher verteilt der Samichlous schon lange nicht mehr. «Der Samichlous will nicht Angst einjagen, sondern ein Freund für die Kinder sein», sagt er. Auf den Schoss nimmt er allerdings auch keine Kinder mehr, das ist in Zeiten von Grüseldebatten zu heikel.

Wieso nimmt der Samichlous all diese Arbeit auf sich? Er blickt auf von seinem dicken Buch, auf dem Stuhl in der Waldhütte: «Ich mache es einfach gern.»

Am 15. und am 16. Dezember kann man den Samichlous,den Schmutzli und den Esel im Waldhaus besuchen. Einetelefonische Anmeldung istobligatorisch: Tel. 077 424 67 90.

Für den BZ-Adventskalender schauen wir bis Weihnachten jeden Tag hinter eine Tür, die sonst nicht geöffnet wird oder werden darf. Unten können Sie nachlesen, wo wir bisher zu Besuch waren:

Was sich hinter dieser Tür im Berner Inselspital verbirgt, erfahren Sie im letzten Bericht unserer Serie: Die Adventstür vom 24. Dezember.
Was sich hinter dieser Tür im Berner Inselspital verbirgt, erfahren Sie im letzten Bericht unserer Serie: Die Adventstür vom 24. Dezember.
Christian Pfander
Durch diese gfürchige Tür dürfen nur wenige gehen. Wer das ist, erfahren Sie hinter der Adventstüre vom 23. Dezember.
Durch diese gfürchige Tür dürfen nur wenige gehen. Wer das ist, erfahren Sie hinter der Adventstüre vom 23. Dezember.
Florine Schönmann
Hinter dieser Tür im Erlacherhof befindet sich das Sitzungszimmers der Stadtregierung. Wie es dort aussieht, lesen Sie hier: Adventstüre vom 1. Dezember.
Hinter dieser Tür im Erlacherhof befindet sich das Sitzungszimmers der Stadtregierung. Wie es dort aussieht, lesen Sie hier: Adventstüre vom 1. Dezember.
Beat Mathys
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