Beim Mädchenfussball hinkt Bern hinterher

Ostermundigen

Am Wochenende findet der Swiss Girls Cup statt. Der Verantwortliche Sacha Meister erklärt, warum es das grösste Mädchen-Fussballturnier der Schweiz braucht.

Sacha Meister ist Verantwortlicher des Swiss Girls Cup in Ostermundigen und seit über 30 Jahren im Verein tätig.

Sacha Meister ist Verantwortlicher des Swiss Girls Cup in Ostermundigen und seit über 30 Jahren im Verein tätig.

(Bild: Adrian Moser)

Annic Berset

Sacha Meister ist ein gefragter Mann am Spielfeldrand auf der Rüti in Ostermundigen. Ein paar Einspielleibchen werden benötigt, ein Mädchen müsste dringend schnell sein Handy ausleihen, um der Mutter Bescheid zu sagen, «Sacha, könntest du noch kurz?», hört man hier und dort. Der 47-Jährige lacht. «Das bin ich mir als Verantwortlicher der Mädchenfussball-Abteilung gewohnt.»

Meister ist es, der an diesem Wochenende zum zweiten Mal den Swiss Girls Cup in Ostermundigen organisiert. Am Anfang sei er für sein Vorhaben, den Mädchenfussball im Kanton Bern zu stärken und der Region zu zeigen, dass es viele junge, begeisterte Fussballerinnen gibt, etwas belächelt worden. «Die Zahlen sprechen aber für sich, immer mehr Mädchen wollen in den Fussball einsteigen.» Allein beim FC Ostermundigen etwa hätten sich im Vergleich zum Vorjahr rund 30 Mädchen mehr angemeldet, der Verein musste gar einen Anmeldestopp veranlassen.

Gerade weil Mädchen in der Meisterschaft nach wie vor häufig gegen Jungs antreten, weil es im Kanton Bern noch nicht viele Mädchenteams gibt, ist ihm das Turnier besonders wichtig. «Für unsere Modis ist es wichtig, dass sie sich mit anderen Mädchenteams messen können, aus anderen Städten, anderen Kantonen.» Gerade in Zürich und in der Ostschweiz gebe es schon viele Frauenequipen jeden Alters, Bern hinke noch meilenweit hinterher. «Warum, weiss ich nicht genau. Viel hat sicher mit der Tradition zu tun, dass der Fussball hier noch als Männersport gilt», sagt Meister.

Was er wisse, sei, dass viele junge Mädchen gar nicht anfangen, Fussball zu spielen, wenn sie das in einem gemischten Team machen müssen. Es gebe auch solche, die mit Buben anfangen wollen zu spielen. «Aber viele haben etwas weniger Selbstvertrauen und werden dann schnell ‹verheizt›, weil ihnen weniger zugetraut wird.» Deshalb kann er auch nicht verstehen, dass viele Vereine im Kanton aus «Kapazitätsgründen» kein Juniorinnenteam eröffnen. «Mädchen haben doch das gleiche Recht wie die Jungs. Und sowieso, in welcher anderen Sportart sind Jungs und Modis gemischt?»

Und sowieso, findet der Ostermundiger, sei Mädchenfussball um einiges ehrlicher als bei den Buben. «Wenn ein Mädchen liegen bleibt, dann hat sie wirklich etwas.» Übertriebenen Torjubel, wie es Buben von ihren Vorbildern lernen, gebe es auch kaum.

Berner Zeitung

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